25 Jahre Pongoland: Zoo Leipzig und MPI für evolutionäre Anthropologie feiern

Am Wolfgang-Köhler-Primatenforschungszentrum erforscht ein internationales Forschungsteam das Verhalten und die zugrundeliegenden Kognitionen von vier Menschenaffenarten. Foto: © MPI für evolutionäre Anthropologie

Das Wolfgang-Köhler-Primatenforschungszentrum (WKPRC) des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) im Zoo Leipzig steht seit seiner Eröffnung am 1. April 2001 für Forschung darüber, was menschliches Denken ausmacht und was wir mit unseren nächsten lebenden Verwandten teilen.

Es ist weltweit die einzige Einrichtung, in der kontinuierliche Verhaltens- und Kognitionsforschung mit allen vier Menschenaffenarten an einem Standort möglich ist: Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans.

Im WKPRC, auch „Pongoland” genannt, leben rund 50 Menschenaffen in fünf Innen- und fünf Außenanlagen sowie zusätzlichen Forschungs- und Schlafbereichen. Die naturnahen, modernen Haltungsbedingungen und die unmittelbare Nähe von Tierpflege und Forschung schaffen eine besondere Ausgangslage. Forschende können die Arten unter vergleichbaren Bedingungen untersuchen und so kognitive Unterschiede und Gemeinsamkeiten belastbar herausarbeiten.

Nicht-invasiver und ethisch klarer Ansatz

Studien aus Leipzig zeigen beispielsweise, dass Menschenaffen erstaunliche geistige Leistungen erbringen. So können Bonobos und Orang-Utans Werkzeuge für zukünftige Situationen auswählen und gezielt aufbewahren. Schimpansen wiederum demonstrieren ausgeprägte soziale Intelligenz und berücksichtigen in Wettbewerbssituationen, was andere sehen oder wissen können. Gleichzeitig wurde auch das spontane Auftreten uneigennütziger Hilfe dokumentiert, sowie einsichtiges Problemlösen, etwa wenn Schimpansen Wasser als Werkzeug nutzen, um eine Erdnuss in einer Röhre anzuheben.

Für den Erfolg ist der konsequent nicht-invasive und ethisch klare Ansatz zentral. Die Teilnahme an den Aufgaben ist für die Tiere freiwillig. Zum Einsatz kommen moderne Methoden wie zum Beispiel Remote-Eye-Tracking, Touchscreen-Aufgaben und Desktop-Virtual-Reality-Umgebungen. Zoobesucher können die Menschenaffen in den Anlagen beobachten und sie teilweise auch bei Forschungsaufgaben in angrenzenden Studienräumen erleben.

Konstruktive Zusammenarbeit mit dem Zoo Leipzig

„Das Wolfgang-Köhler-Primatenforschungszentrum ist einzigartig, weil wir hier an einem Standort kontinuierlich mit allen vier Menschenaffenarten forschen können“, sagt Daniel Haun, Direktor der Abteilung für Vergleichende Kulturpsychologie am MPI-EVA. „Dass wir Forschung, Tierwohl und Transparenz für die Besucherinnen und Besucher so eng miteinander verbinden können, beruht ganz wesentlich auf der hervorragenden Zusammenarbeit mit dem Zoo Leipzig.“

Das WKPRC trägt durch internationale Kooperationen, wie das 2019 gegründete Netzwerk ManyPrimates, zur Robustheit der Ergebnisse bei – nicht nur in Leipzig, sondern weltweit. Das Netzwerk bündelt Daten, um große Fragen der kognitiven Evolution statistisch belastbar zu beantworten. Nach 25 Jahren steht fest. Pongoland ist nicht nur ein Zuhause für Menschenaffen, sondern auch ein Schlüsselort der Forschung zur Evolution des Denkens.