30. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie28. November 2018 JLU: Medizinisches Lehrzentrum und Dekanatsgebäude des Fachbereichs Medizin. Foto: JLU-Pressestelle/ Rolf K. Wegst Bei manchen Männern sinkt der Testosteronspiegel in pathologischer Weise, wenn sie in die Jahre kommen. Dass eine ganze Reihe gesundheitlicher Beschwerden des alternden Mannes mit einem niedrigen Spiegel des wichtigsten männlichen Sexualhormons verknüpft sind, hat in den letzten Jahren Testosteronpräparaten zu einer Karriere als Anti-Aging-Mittel verholfen. Fachleute diskutieren die Testosterontherapie unterdessen kontrovers – und vor allem sachlich. Ein wichtiges Forum ist die 30. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie e. V. (DGA), die vom 29. November bis zum 1. Dezember 2018 in Gießen stattfindet. Sie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt. Jüngst wurden in den USA die so genannten T-Trials abgeschlossen: In sieben klinischen Studien, an insgesamt 788 Männern mit altersbedingt niedrigem Testosteronspiegel, haben Forscherinnen und Forscher die Wirkung der Behandlung mit Testosteron untersucht. „Sie dienen als Vorläufer für Langzeitstudien zu Nutzen und Risiken der Testosterontherapie, spiegeln aber aktuell die Quintessenz dessen, was wir wissen“, sagt Tagungsleiter Priv.-Doz Dr. Thorsten Diemer, Androloge am Fachbereich 11 – Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen und leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen. Bekannt sei zum Beispiel, so Prof. Diemer, dass die Behandlung für Männer einer bestimmten gesundheitlichen Hochrisikogruppe, etwa mit metabolischem Syndrom, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck, eine ganze Reihe von Benefits bringe. Andererseits stehe Testosteron weiterhin im Verdacht, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu erhöhen. Eine Sorge, die sich zunehmend als unbegründet erweise. Die aktuellen Erkenntnisse stehen nun auch bei der DGA auf der Tagesordnung. Vom 29. November bis zum 1. Dezember treffen sich im Medizinischen Lehrzentrum der JLU 120 Expertinnen und Experten, um aktuelle Erfahrungen und Herausforderungen sowie Neuigkeiten und Trends zum Thema Männergesundheit auszutauschen. Das wissenschaftliche Programm und das interdisziplinäre Weiterbildungsangebot präsentieren sowohl die jüngsten Ergebnisse andrologischer Grundlagenforschung als auch die praktischen Anwendungen im klinischen Tagesgeschehen. Neben „Klassikern“ der DGA-Tagungstradition wie Fertilität, Sexualmedizin, Reproduktionsmedizin oder Impotenz stehen auch Infektionen auf der Tagesordnung, unter anderem die Frage, welche andrologische Relevanz dem Zika-Virus zukommt. Spannende Ausblicke in die Zukunft der Fertilitätsprotektion, also dem Erhalt der Zeugungsfähigkeit, verspricht die Tagung, wenn es um denkbare Konzepte zur Kultivierung befruchtungsfähiger Zellen aus Vorläuferzellen geht. Nicht allein fertige Spermien lassen sich in flüssigem Stickstoff konservieren, sondern es geht zunehmend auch um die Möglichkeit, Stammzellen „auf Eis“ zu legen, etwa um Kindern mit onkologischen Erkrankungen, die noch gar keine Spermatogenese habe, trotzdem für eine ferne Zukunft die Chance auf eigenen Nachwuchs zu wahren. „Daraus ließen sich unter Umständen in einigen Jahren mit sehr unterschiedlichen experimentellen Ansätzen Spermien erzeugen“, sagt Prof. Diemer. Eine Möglichkeit wäre, diese in künstlichen Hoden heranreifen zu lassen. Auf diese Weise könnte auch erwachsenen Patienten geholfen werden, die aufgrund einer inkompletten Spermienbildung zeugungsunfähig sind – und denen Mediziner bislang mit konventionellen Methoden der assistierten Reproduktion einen Kinderwunsch nicht erfüllen können.
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