50 Jahre Hochdruckliga – Herausforderungen und Zukunftschancen

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Zu ihrem 50-jährigen Jubiläum erläutert die Deutsche Hochdruckliga die Fortschritte in der Hypertonieforschung und begrüßt die Chancen, die mit dem geplanten Gesundes-Herz-Gesetz einhergehen.

Die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft und Betroffenenorganisation Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention wurde 1974 gegründet. Zu ihrem 50-jährigen Bestehen hat sie daher medizinische Fachleute, Forschende sowie Selbsthilfeorganisationen, Unternehmen und Medien zu einem Festakt mit wissenschaftlichem Symposium eingeladen. Die Veranstaltung am 13./14. September 2024 in Heidelberg dient dazu, über neue Aspekte der Hypertonieforschung sowie die Herausforderungen der Zukunft zu diskutieren. 

Vorsorge statt Reparatur: Hochdruckliga begrüßt „Gesundes-Herz-Gesetz“

Die Hypertonieforschung habe in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht, betont die DHL. Während in den 1960er-Jahren nur wenige Therapien zur Verfügung standen, die zudem mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden waren, gebe es heute umfassende Möglichkeiten und Medikamente, sowohl den hohen Blutdruck als auch die dadurch entstandenen Schäden zu behandeln. „Dennoch liegen noch einige Herausforderungen vor uns“, betont Prof. Markus van der Giet.

Auf dem Weg von einer reparativen zu einer präventiven Medizin will die Hochdruckliga die Früherkennung von Bluthochdruck weiter stärken. Sie setzt sich dafür ein, das Thema stärker in der Facharztausbildung zu verankern und wissenschaftliche Leitlinien besser in der alltäglichen medizinischen Praxis zu implementieren. Zudem will sie den enormen Nutzen der Blutdruck(selbst-)messung als wichtige Vorsorgemaßnahme auch in der Bevölkerung bekannter machen und unterstützt z. B. Unternehmen dabei, das Thema in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement zu integrieren.

„Jährlich sterben viele Hunderttausende Menschen an den Folgen von Bluthochdruck, dennoch findet das Thema kaum Eingang in den öffentlichen Diskurs. Das wollen und müssen wir ändern“, erklärt van der Giet. „Nur wer weiß, zu welchen gesundheitlichen Beeinträchtigungen Bluthochdruck führen kann und wie leicht sich das verhindern lässt, wird die eigenen Blutdruckwerte regelmäßig überprüfen.“ Das „Gesundes-Herz-Gesetz“ sei vielleicht nicht ganz bis zu Ende gedacht und ecke auch an einigen Stellen an, sei aber dennoch ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Gesundheitspolitik: „Damit lassen sich viele unentdeckte Fälle von Bluthochdruck erkennen. Nur mit niederschwelligen Anreizen können wir möglichst viele Menschen zur Vorsorge motivieren. Wichtig ist, dass wir die Schritte gehen und nicht endlos diskutieren.“

Digitale Technologien als Zukunftschancen

Die DHL ist sich sicher: Moderne Technologien tragen in Zukunft dazu bei, die Diagnostik und Behandlung von Bluthochdruck zu verbessern. So ermögliche beispielsweise die Telemedizin die kontinuierliche Überwachung und damit eine sofortige Anpassung der Therapie. Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass durch telemedizinische Arztbesuche eine ebenso effektive Blutdruckkontrolle erreicht werde wie mit Präsenzterminen beim Arzt., hebt die Fachgesellschaft hervor. Wearables wie Smartwatches und Fitness-Tracker, teils in Verbindung mit mobilen Gesundheits-Apps, könnten außerdem dazu beitragen, eine maskierte Hypertonie zu identifizieren, und das 24-Stunden-Monitoring mit Zusatzinformationen zu ergänzen. Die DHL vergibt für geeignete Blutdruck-Apps ein eigenes Prüfsiegel. Auch Ansätze, die mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen arbeiten, könnten sich künftig als nützlich erweisen, um z.B. unterschiedliche kardiovaskuläre Risikoprofile zu ermitteln und personalisierte Behandlungsansätze zu entwickeln.

Van der Giet betont: „Die Deutsche Hochdruckliga hat dieses unterschätzte Gesundheitsthema in den letzten fünf Jahrzehnten in die öffentliche Wahrnehmung gebracht. Wir werden uns auch in Zukunft auf allen Ebenen und mit allen beteiligten Gruppen dafür einsetzen, dass die Zahl der Menschen, die in Deutschland jedes Jahr an Bluthochdruck sterben, durch mehr Prävention weiter sinkt.“