61. Kongress für Endokrinologie: Chronische Entzündungsreaktionen als Ursache von Volkskrankheiten16. März 2018 Illustration: © artinspiring, Fotolia.com Nicht übertragbare Erkrankungen wie Diabetes, Atherosklerose oder Demenz können die Folge entzündlicher Reaktionen des Immunsystems sein. Hervorgerufen durch einen Lebensstil, der von Fehlernährung, Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel geprägt ist, reagiert das angeborene Immunsystem auf „veränderte“ Zellen und es entstehen Entzündungsreaktionen. Welche Mechanismen dazu führen und wie man Erkenntnisse darüber für die Früherkennung und Therapie dieser Erkrankungen einsetzen könnte, diskutierten Experten auf dem 61. Deutschen Kongress für Endokrinologie vom 14. bis zum 16. März 2018 in Bonn. Für nicht übertragbare Erkrankungen, zu denen Herzinfarkt, Schlaganfall und chronische Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) gehören, sind neben genetischer Veranlagung Umwelteinflüsse ein wichtiger Auslöser. „Wenig Bewegung, zu viel oder ungesunde Nahrung, schlechte Schlafgewohnheiten, Alkohol und Zigaretten – unser ‚Lifestyle‘ kann zu chronisch entzündlichen Zuständen führen, die dann in Erkrankungen wie Diabetes, Atherosklerose oder Demenz münden“, erklärt Professor Dr. med. Joachim L. Schultze, Abteilung für Genomik & Immunregulation am Life & Medical Sciences (LIMES)-Institut der Universität Bonn. Wie es zu diesen anhaltenden Entzündungsreaktionen mit ihren fatalen Konsequenzen kommt, ist Gegenstand intensiver Forschungen. In den letzten Jahren ist immer klarer geworden, dass die Zellen des angeborenen Immunsystems hier eine zentrale Rolle spielen. Sie erkennen nicht nur Infektionserreger, sondern reagieren auch sensibel auf Veränderungen, die durch unseren modernen Lebensstil bedingt sind. „Diese Zellen sind beispielsweise in der Lage, übermäßige Konzentrationen an gesättigten Fettsäuren zu erkennen und reagieren bei regelmäßig hoher Exposition – so wie dies bei unseren modernen Nahrungsgewohnheiten der Fall ist – mit einer entzündlichen Reaktion auf diesen Reiz“, beschreibt Schultze den Mechanismus. Auch ein zu hoher Salzkonsum steht im Verdacht, die Zellen des angeborenen Immunsystems zu aktivieren. Die molekularen Mechanismen dieser chronischen Entzündungsreaktionen sind im Einzelnen bisher noch nicht gut verstanden, es gibt aber neue Forschungsansätze, um diese entzündlichen Reaktionen besser zu verstehen. „Einer davon ist ein systemimmunologischer Ansatz. Dabei werden computergestützte Modellierungsverfahren mit experimentellen Untersuchungen verknüpft, um die komplexen Mechanismen, die in einer Vielzahl unterschiedlicher Immunzellen ablaufen, besser charakterisieren zu können“, sagt Schultze. Mit den neuen Erkenntnissen erhoffen sich die Forscher neue, sensitivere diagnostische Verfahren zur frühzeitigen Aufspürung der entzündlichen Prozesse. „Wenn wir diese Mechanismen verstehen, können wir daraus präventive oder therapeutische Gegenmaßnahmen ableiten“, ergänzt Professor Dr. rer. nat. Ulrich Schweizer, Kongresspräsident der DGE, vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Mehr erfahren zu: "ALM und DGKL kritisieren aktuellen Entwurf zum ApoVWG" ALM und DGKL kritisieren aktuellen Entwurf zum ApoVWG Der Gesetzentwurf zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sorgt weiterhin für Kritik. Der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) und die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) sehen vor […]
Mehr erfahren zu: "Künstliches Pankreas: Bald Schluss mit Insulin spritzen?" Weiterlesen nach Anmeldung Künstliches Pankreas: Bald Schluss mit Insulin spritzen? Ein Implantat aus Betazellen kann als künstliches Pankreas fungieren und Insulin abgeben. Forschende haben nun eine Art Schutzschild entwickelt, um die Zellen vor der Abstoßung zu schützen. Ob dieser Ansatz […]
Mehr erfahren zu: "Land unterstützt UKSH und übernimmt Schulden" Land unterstützt UKSH und übernimmt Schulden Fraktionen und Regierung stehen in Schleswig-Holstein geschlossen hinter dem Universitätsklinikum: Viel Geld fließt in Forschung, Versorgung und Modernisierung. Doch die Entscheidung bringt auch neue Schulden für das Land.