99 Prozent der gekauften Kinderprodukte entsprechen nicht der WHO-Norm6. April 2020 Quelle: AOK-Cerealienstudie Frühstückscerealien in Deutschland sind vor allem eines: überzuckert. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die der AOK-Bundesverband in Auftrag gegeben hat. Danach überschreiten 73 Prozent der gekauften Menge an Müslis, Cornflakes und Co. beim Zuckergehalt die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Bei den speziell an Kinder gerichteten Cerealien liegen sogar 99 Prozent der gekauften Produkte über diesem Richtwert. Für die Studie hatten die Forscher das Kaufverhalten von 30.000 Haushalten in Deutschland unter die Lupe genommen und den Zuckergehalt von mehr als 1.400 Produkten ausgewertet. Die Studie zeigt auch, dass überzuckerte Kindercerealien 39 Prozent der insgesamt von Familien gekauften Frühstückscerealien ausmachen – diese Menge ist damit doppelt so hoch wie bei Haushalten ohne Kinder. Dr. Sigrid Peter, Vizepräsidentin des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), sieht angesichts dieser Ergebnisse raschen Handlungsbedarf: “Wir müssen den Zuckergehalt in Fertigprodukten, Softdrinks und Frühstückscerealien dringend reduzieren, um die jüngere Generation vor Adipositas und anderen ernährungsbedingten Krankheiten zu schützen. Unser Ziel sollte es sein, dass die Geschmackspräferenz ‘süß’ sich nicht an Zucker oder Zuckerersatzstoffen festmacht. Wenn wir den Zuckergehalt nach und nach verringern, wird sich auch das Geschmacksempfinden auf ‘weniger süß’ umstellen.” Dr. Kai Kolpatzik, Abteilungsleiter Prävention im AOK-Bundesverband, fordert ebenfalls Konsequenzen: “Der Zuckergehalt in Frühstückscerealien ist erschreckend hoch, speziell in Kinderprodukten. Vor diesem Hintergrund erscheinen die mit der Lebensmittelindustrie im Rahmen der Nationalen Reduktionsstrategie vereinbarten Ziele geradezu skandalös.” Der AOK-Präventionsexperte erwartet klare Kurskorrekturen: “Was wir brauchen, sind wirksamere und vor allem verpflichtende Reduktionsziele, die nicht erst in fünf Jahren umgesetzt sind.” Ministerium sieht Fortschritte bei der Reduzierung von Fett und Zucker Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hatte die Ergebnisse des Monitorings der Zucker-Reduktionsstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) durch das Max Rubner-Institut (MRI) vorgestellt. Danach fanden sich im Vergleich zur Basiserhebung 2016 18 Prozent weniger Zucker in Quarkzubereitungen für Kinder und gleichzeitige Abnahme des Energiegehalts um zehn Prozent, 17 Prozent weniger Zucker in Knusper-Schoko-Cerealien für Kinder, 7 Prozent weniger Zucker in Kinderjoghurts und eine gleichzeitige Abnahme des Energiegehalts dieser Produkte um 18 Prozent, tendenziell weniger Salz in Tiefkühl-Pizzen. Im Vergleich zu 2018 waren 35 Prozent weniger Zucker in Erfrischungsgetränken für Kinder enthalten. “Die Ergebnisse zeigen: Es geht in die richtige Richtung. Positiv ist, dass in vielen Fällen auch die Gesamtkalorienzahl der Produkte sinkt, wenn Zucker reduziert wird. Das ist entscheidend. Mit dem Begleitgremium werde ich dafür sorgen, dass dieser Fokus nicht verloren geht. Weiter wird es eine engmaschige Erfolgskontrolle geben. Ganz klar ist: Gesetzte Ziele müssen erreicht werden. Und dort, wo es hakt, muss nachgebessert werden”, erklärte die Ernährungsministerin.
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