ACE-Hemmer und Lungenkrebs: Kausalzusammenhang nach Bewertung durch die EMA nicht belegt2. Mai 2019 Bild: © Pixxs – Fotolia.com ACE-Hemmer werden unter anderem zur Behandlung von Hypertonie, Herzinsuffizienz und renalen Komplikationen des Diabetes mellitus angewendet. In einer epidemiologischen Studie wurde kürzlich über ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko im Zusammenhang mit ACE-Hemmern berichtet (1). Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat daraufhin das Risiko überprüft und sieht derzeit keinen regulatorischen Handlungsbedarf (2). Hintergrund ist eine 2018 veröffentlichte, große epidemiologische Registerstudie (1), in der eine erhöhte Lungenkrebsinzidenz im Zusammenhang mit ACE-Hemmern im Vergleich zu Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten berichtet wurde (1,6 vs. 1,2 pro 1000 Patientenjahre; Hazard Ratio 1,14 [95 % Konfidenzintervall: 1,01–1,29]) (1). Die Aussagekraft der Studie ist wegen möglicher Verzerrungen („Bias“) und Störgrößen („Confounder“) begrenzt: Patienten, die ACE-Hemmer erhielten, waren älter, häufiger männlich und seltener Nichtraucher. Der sozioökonomische Status, der das Verschreibungsverhalten und das Lungenkrebsrisiko beeinflussen kann, wurde nicht berücksichtigt. Möglicherweise wurden bei Patienten mit ACE-Hemmern Lungenkarzinome häufiger entdeckt, da wegen Husten häufiger Diagnostik erfolgte (1;3-5). Insbesondere angesichts des gut belegten Nutzens von ACE-Hemmern und der nur geringfügigen Erhöhung des Risikos in der berichteten Studie sehen verschiedene Autoren derzeit keinen Grund für eine Änderung der Verordnungspraxis (3-5). Auch die EMA kommt nach der Bewertung der vorliegenden Studie und anderer verfügbarer Daten zu dem Schluss, dass unter anderem wegen des Risikos von Confounding, verschiedener Formen von Bias und den inkonsistenten Daten aus anderen Studien derzeit keine ausreichende Evidenz für einen kausalen Zusammenhang besteht. Die EMA sieht derzeit keinen Handlungsbedarf zusätzlich zur routinemäßigen Pharmakovigilanz (2). Literatur: Hicks BM, Filion KB, Yin H et al.: Angiotensin converting enzyme inhibitors and risk of lung cancer: population based cohort study. BMJ 2018; 363: k4209. EMA: Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC): Minutes of PRAC meeting on 11-14 February 2019: https://www.ema.europa.eu/en/documents/minutes/minutes-prac-meeting-11-14-february-2019_en.pdf. London, 15. März 2019. Erhöhtes Krebsrisiko durch ACE-Hemmer und Thiazid-Diuretika? Arzneimittelbrief 2018; 52: 84-85. Erhöhen ACE-Hemmer das Lungenkrebsrisiko? arznei-telegramm 2018; 49: 89-90. Hausberg M, Trenkwalder P, Weisser B, Krämer BK: Verunsicherung durch potenziell gravierende Nebenwirkungen. Dtsch Arztebl 2019; 116: A 366-370.
Mehr erfahren zu: "Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent" Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent Der GKV-Schätzerkreis hat seine Prognosen für die finanziellen Rahmenbedingungen für 2027 abgegeben. Der Bundesgesundheitsminister wertet es als Erfolg des GKV-Spargesetzes, die KBV übt daran weiter Kritik.
Mehr erfahren zu: "„Tag der Überlastung im Gesundheitswesen“ immer früher" „Tag der Überlastung im Gesundheitswesen“ immer früher Der Tag, an dem die Einnahmen aus dem allgemeinen Beitragssatz der Gesetzlichen Krankenversicherung rechnerisch nicht mehr ausreichen, um die Ausgaben für das gesamte Jahr zu finanzieren, ist in diesem Jahr […]
Mehr erfahren zu: "Bundestag beschließt Notfallreform" Bundestag beschließt Notfallreform Das Gesetz zur Reform der Notfallversorgung wurde nach 2./3. Lesung mit den Stimmen der Koalition und der Grünen beschlossen. AfD und Linke enthielten sich. Ziel der Reform ist es, Patienten im […]