Aderhautmelanom: Realistischeres Mausmodell entwickelt

Ein neu entwickeltes Mausmodell US-amerikanischer Wissenschaftler zur Erforschung des Aderhautmelanoms könnte der Forschung entscheidende Impulse verleihen und den Weg zu wirksameren Therapien ebnen.Symbolbild.©filin174-stock.adobe.com

Forschende des Moffitt Cancer Center, Tampa, USA, haben ein neues Mausmodell entwickelt, das die biologischen Mechanismen des Aderhautmelanoms beim Menschen deutlich realistischer abbildet.

Das Modell verspricht, die präklinische Forschung spürbar voranzubringen und könnte damit langfristig den Weg zu wirksameren Therapien für Patienten ebnen. Wie das Team in der Fachzeitschrift „Cancer Research“ berichtet, überwindet der neue Ansatz zentrale Schwächen bislang genutzter Modellversionen.

Neue Mauszüchtung mit gleicher Abfolge genetischer Veränderungen wie Aderhautmelanom-Patienten

Das Aderhautmelanom ist die häufigste Form von Augenkrebs bei Erwachsenen. In etwa der Hälfte der Fälle breitet es sich auf andere Teile des Körpers aus, meist auf die Leber. Bei einer Metastasierung der Leber sind die Behandlungsmöglichkeiten sehr begrenzt und die Heilungschancen sinken rapide.

Die Wissenschaftler züchteten Mäuse, bei denen sich ein Aderhautmelanom über dieselbe Abfolge genetischer Veränderungen entwickelte wie bei menschlichen Patienten. Zunächst führte die Aktivierung einer Mutation im GNAQ-Gen zu gutartigen Läsionen im Auge. Die Entfernung des BAP1-Gens, das Tumore unterdrückt, erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass diese nicht krebsartigen Wucherungen bösartig wurden. Als die Forscher die Aktivität des MYC-Gens erhöhten, wurden die Tumore weitaus aggressiver und ähnelten stark dem Aderhautmelanom bei menschlichen Patienten.

Krebszellen verhalten sich unterschiedlich

Das Forschungsteam stellte außerdem fest, dass sich nicht alle Krebszellen gleich verhielten. Einige sahen noch immer wie normale pigmentproduzierende Zellen aus, während andere sich zu aggressiveren Formen entwickelten, die mit schlechten Patientenergebnissen verbunden sind. Diese Fähigkeit zur Veränderung könnte erklären, warum das Aderhautmelanom mit der Zeit gefährlicher werden kann.

Darüber hinaus reproduzierte das Versuchsmodell die Immunumgebung, die typischerweise bei menschlichen Patienten mit Augenkrebs anzutreffen ist. In beiden Fällen enthielten die Tumore Immunzellen, die zwar vorhanden, aber unwirksam waren. Das deutet den Wissenschaftlern zufolge darauf hin, dass der Krebs die Immunantwort unterdrückt. Das könnte erklären, warum die Immuntherapie bei den meisten Patienten mit Aderhautmelanom relativ erfolglos ist.

Mausmodell identifiziert molekulare Biomarker für Hochrisikotumoren

Das Modell identifizierte auch verräterische molekulare Biomarker, die mit Hochrisikotumoren assoziiert sind. Damit lieferte es neue Anhaltspunkte für die Erforschung aggressiver Formen der Erkrankung. 

Laut den Wissenschaftlern zeichnet das neue Mausmodell die Entwicklung des Aderhautmelanoms beim Menschen genau nach, weshalb es zu einer effektiveren Erkennung und Behandlung führen könnte.

(sas/BIERMANN)