ADHS bei Kindern mit Plazentaproblemen in der Schwangerschaft assoziiert13. Oktober 2026 Symbolbild © Phushutter/stock.adobe.com Eine Studie der University of Iowa Health Care (USA) bringt niedrige Konzentrationen des Plazenta-Wachstumsfaktors (PlGF) im dritten Trimester mit einem erhöhten Risiko für eine spätere ADHS-Diagnose beim Kind in Verbindung. ADHS ist eine weit verbreitete neurologische Entwicklungsstörung, von der bis zu zehn Prozent der amerikanischen Kinder im Alter zwischen drei und 17 Jahren betroffen sind. Die Symptome von ADHS – darunter Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität – können sich negativ auf viele Lebensbereiche auswirken, einschließlich der schulischen und beruflichen Leistungen. Bislang ist jedoch wenig über die möglichen Ursachen dieser neurologischen Entwicklungsstörung bekannt. Frühere Studien deuten darauf hin, dass ADHS und andere neurologische Entwicklungsstörungen ihren Ursprung möglicherweise bereits vor der Geburt haben und möglicherweise mit Problemen der Plazenta zusammenhängen könnten. Diesen Hinweisen folgend untersuchte ein Forschungsteam der University of Iowa (UI) den Zusammenhang zwischen Veränderungen des PlGF – einem wichtigen Biomarker für die Plazentagesundheit während der Schwangerschaft – und späteren ADHS-Diagnosen bei den Kindern aus diesen Schwangerschaften. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht. PlGF als Marker der Plazentagesundheit PlGF ist ein von der Plazenta produziertes Protein und ein Marker für deren Gesundheit. Niedrige PlGF-Werte gelten unter anderem als Warnsignal für Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie. Die Forschenden der UI untersuchte anhand von Blutproben aus 176 Schwangerschaften, ob die PlGF-Werte auch mit dem Risiko für eine spätere ADHS-Diagnose zusammenhängen. Die Forschenden maßen die PlGF-Werte in den archivierten mütterlichen Blutproben, die während aller drei Schwangerschaftsdrittel entnommen worden waren. Anschließend wurden diese Proben mit den Gesundheitsdaten der Kinder verknüpft, sodass nachvollzogen werden konnte, bei welchen Schwangerschaften es später zu einer ADHS-Diagnose kam und bei welchen nicht. Niedrige PlGF-Werte im dritten Trimester Bei Schwangerschaften, aus denen Kinder mit späterer ADHS-Diagnose hervorgingen, stellten die Forschenden fest, dass der PlGF-Spiegel im dritten Trimester nicht den typischen Anstieg aufwies. Jeder Abfall des PlGF-Werts um eine Standardabweichung war mit einer 2,6-fach erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine spätere ADHS-Diagnose beim Kind verbunden. Die Studie ergab keine signifikanten Unterschiede bei den PlGF-Werten im ersten oder zweiten Trimester. Auch bei Endothelin-1 – einem weiteren Protein, das eine Rolle für die Gefäßgesundheit und -funktion in der Schwangerschaft spielt – zeigten sich keine Unterschiede zwischen der ADHS-Gruppe und der Gruppe ohne ADHS. Zusammenhang unabhängig von Schwangerschaftskomplikationen Zudem sahen die Forschenden, dass der Zusammenhang zwischen niedrigen PlGF-Werten im dritten Trimester und ADHS auch dann bestehen blieb, wenn Schwangerschaften mit Präeklampsie, Wachstumsrestriktion oder Frühgeburt in frühem Gestationsalter herausgerechnet wurden; diese Komplikationen stehen bereits mit ADHS sowie mit verringerten PlGF-Werten in Verbindung. „Das ist von Bedeutung, da es darauf hindeutet, dass wir nicht einfach nur ‚kranke‘ Schwangerschaften erfassen“, erklärt Dr. Serena (Banu) Gumuslogu, Assistenzprofessorin für Geburtshilfe und Gynäkologie sowie Psychiatrie an der UI. „Unsere Ergebnisse deuten auf subtile Veränderungen der Plazenta bei Schwangerschaften hin, bei denen zwar keine klinische Diagnose vorlag, die aber dennoch zu Unterschieden in der neurologischen Entwicklung der Kinder führten.“ Weitere Untersuchungen erforderlich Gumusoglu gibt zu bedenken, dass es sich hierbei um erste Erkenntnisse aus einer relativ kleinen Gruppe von Schwangerschaften an einem einzigen medizinischen Zentrum handelt; zudem lässt sich daraus nicht ableiten, ob niedrige PlGF-Werte eine Ursache für ADHS sein könnten. Der beobachtete Zusammenhang liefert Hinweise auf mögliche Mechanismen, über die die Plazentagesundheit mit der Gehirnentwicklung des Kindes verbunden sein könnte. Diese Hypothesen sollen nun in weiteren Untersuchungen geprüft werden. Als Nächstes soll untersucht werden, ob eine Senkung des PlGF-Spiegels bei trächtigen Mäusen ausreicht, um die neurologische Entwicklung der Nachkommen zu beeinflussen. Sollten sich die Ergebnisse in größeren Studien bestätigen und Studien an Mäusen einen ursächlichen Zusammenhang nahelegen, könnte die Messung der PlGF-Werte während der Schwangerschaft den Autoren zufolge künftig dazu beitragen, Kinder zu identifizieren, die von einer früheren Überwachung ihrer Entwicklung profitieren würden. (lj/BIERMANN)
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