ADHS im Erwachsenenalter mit erhöhtem Risiko für Demenz verbunden

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Eine US-amerikanische Studie mit mehr als 187.000 Erwachsenen ab 50 Jahren zeigt einen Zusammenhang zwischen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und einem erhöhten Risiko für Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigungen. Auch eine höhere genetische Veranlagung für ADHS war mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert.

Erwachsene mit ADHS haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko, im späteren Leben eine Demenz oder leichte kognitive Beeinträchtigungen zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Forschenden der University of Pittsburgh School of Medicine geleitete Studie, die in „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht wurde. Darüber hinaus zeigte sich, dass auch Menschen mit einer höheren genetischen Veranlagung für ADHS häufiger eine kognitive Verschlechterung entwickelten, selbst wenn bei ihnen keine ADHS-Diagnose dokumentiert war.

Mehr als vierfach erhöhtes Risiko bei diagnostiziertem ADHS

Für die Untersuchung analysierten die Forschenden Gesundheitsdaten und genetische Informationen von mehr als 187.000 Erwachsenen ab 50 Jahren, die am US-amerikanischen Forschungsprogramm All of Us der National Institutes of Health teilnahmen. Bei 6,7 Prozent der Personen mit ADHS wurde im Beobachtungszeitraum eine Demenz oder kognitive Beeinträchtigung festgestellt. In der Gruppe ohne ADHS-Diagnose lag der Anteil bei 3,4 Prozent.

Nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht und weiteren gesundheitlichen Bedingungen war eine ADHS-Diagnose mit einem mehr als vierfach erhöhten Risiko für die Entwicklung kognitiver Beeinträchtigungen im Zeitverlauf verbunden.

Zusätzlich berechnete das Team für alle Teilnehmenden einen genetischen Risikoscore für ADHS. Dieser bildet ab, in welchem Ausmaß verbreitete genetische Varianten mit ADHS assoziiert sind, unabhängig davon, ob eine klinische Diagnose vorliegt. Personen mit dem höchsten genetischen Risiko hatten eine um 35 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln, als Personen mit dem niedrigsten Risiko.

„Die Ergebnisse beweisen nicht, dass ADHS Demenz verursacht. Dass sich jedoch ein ähnliches Muster sowohl in den medizinischen Daten als auch in den genetischen Informationen zeigt, stärkt unser Vertrauen darin, dass der Zusammenhang nicht allein durch die Art und Weise entsteht, wie ADHS diagnostiziert wird“, erklärt der leitende Studienautor Dr. Tharick A. Pascoal, Professor für Psychiatrie und Neurologie an der University of Pittsburgh.

Zusätzliche Belastung bei bestehender kognitiver Beeinträchtigung

Die Untersuchung zeigte außerdem, dass eine zusätzliche ADHS-Diagnose bei Menschen mit Demenz oder kognitiven Beeinträchtigungen mit einer höheren Krankheitsbelastung verbunden war. Betroffene berichteten über eine schlechtere psychische Gesundheit, eine geringere Lebensqualität und eine niedrigere soziale Zufriedenheit als Personen mit kognitiver Beeinträchtigung ohne ADHS. Zudem nahmen sie im Jahr nach der Diagnose insgesamt rund 20 Prozent mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch.

Die Ergebnisse bestätigten Beobachtungen aus anderen Ländern nun auch in einer großen US-amerikanischen Stichprobe und ergänzten diese um genetische Daten, so Dr. Douglas Teixiera Leffa vom University of Pittsburgh Medical Center. Dies spreche dafür, ADHS als möglichen Einflussfaktor auf die kognitive Alterung genauer zu untersuchen.

Zusammenhang auch bei zeitlichem Abstand zwischen den Diagnosen

Eine mögliche Erklärung für den beobachteten Zusammenhang ist, dass frühe, noch nicht erkannte Demenzsymptome mitunter zunächst als ADHS fehlinterpretiert werden. Die Forschenden untersuchten deshalb auch Fälle, bei denen zwischen der ADHS-Diagnose und dem Auftreten kognitiver Beeinträchtigungen mindestens acht Jahre lagen. Der Zusammenhang blieb statistisch signifikant. Damit erscheint es weniger wahrscheinlich, dass eine anfängliche Fehldiagnose den gesamten beobachteten Effekt erklärt.

Offen bleibt unter anderem, ob ADHS-Medikamente, beispielsweise Stimulanzien, das spätere Demenzrisiko beeinflussen könnten. Auch die Rolle der kardiovaskulären Gesundheit soll weiter untersucht werden, da diese sowohl mit ADHS als auch mit Demenz in Verbindung gebracht wird.

Die Forschenden sehen in der kombinierten Auswertung genetischer Informationen und langjähriger Gesundheitsdaten eine Möglichkeit, Faktoren zu identifizieren, die bei kleineren oder methodisch anders angelegten Studien möglicherweise unentdeckt bleiben. Ziel weiterer Untersuchungen ist es, die Mechanismen hinter dem Zusammenhang besser zu verstehen und mögliche beeinflussbare Faktoren für eine gesunde kognitive Alterung zu identifizieren.

Die Ergebnisse knüpfen an frühere Arbeiten des Forschungsteams an. Eine Studie aus dem Jahr 2022 hatte bereits einen Zusammenhang zwischen dem genetischen ADHS-Risiko und Alzheimer-assoziierten Veränderungen im Gehirn kognitiv unauffälliger älterer Menschen gezeigt. Nach Angaben der Forschenden handelt es sich bei der aktuellen Untersuchung um die bislang größte Studie, die klinische Diagnosen und genetische Daten innerhalb derselben Population kombiniert.

(lj/BIERMANN)