ADHS-Screening in Hausarztpraxen30. März 2026 Der ASRS-5-Test ist ein zuverlässiges Screening-Instrument für ADHS, besonders in Hausarztpraxen. (Symbolbild: © Andrii Symonenko/stock.adobe.com) Forschende haben die deutsche Version des ADHS-Fragebogentests ASRS-5 geprüft – und kam zu einem klaren Ergebnis: Der kurze WHO-Fragebogen ist ein zuverlässiges und praktikables Instrument zum schnellen ADHS-Screening, gerade in der hausärztlichen Versorgung. Der Charme des Tests liegt in seiner Schlichtheit: Sechs Fragen, ein Ankreuzschema, Auswertung in Sekunden. Er ist kostenlos verfügbar, in zahlreichen Sprachen abrufbar und kann ohne technischen Aufwand in jeder Praxis eingesetzt werden – vom Arzt selbst oder durch Medizinische Fachangestellte. Liegen mindestens vier Kreuzchen in der markierten Zone, sollte genauer hingesehen werden. So können Hausärzte mit minimalem Zeitaufwand einen Anfangsverdacht erhärten und Patienten in die richtige Richtung eines Facharztes lotsen. Screening ersetzt kein Gespräch Doch Screening ist nicht gleich Diagnose. Darauf weist auch der niedergelassene Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Dr. Matthias Rudolph, Mitglied im Expertenrat ADHS, hin: „Natürlich gibt es Patientinnen und Patienten, die sich stark eine Erklärung für ihre Probleme wünschen – und dann tendieren, die Fragen entsprechend anzukreuzen.“ Deshalb sei das Gespräch unverzichtbar. Wer von Schwierigkeiten berichtet, sollte konkrete Alltagsbeispiele nennen können: verpasste Rechnungen, Konflikte am Arbeitsplatz, gescheiterte Beziehungen. Nur so zeigt sich, ob es sich um normale Zerstreutheit oder eine behandlungsbedürftige Störung handelt. Das Screening entfaltet damit seinen größten Nutzen im Zusammenspiel von Papier und Dialog. Für Hausärzte bedeutet das: weniger Frust mit „Dauerkunden“, die wiederholt mit unspezifischen Beschwerden erscheinen, und mehr Klarheit, wann eine Überweisung an Fachärzte sinnvoll ist. Für Betroffene heißt es: ernst genommen werden, eine strukturierte Abklärung erhalten – und im besten Fall früher die Hilfe bekommen, die ihr Leben stabilisieren kann. Gewinn auch bei falschem Verdacht Die Studie zeigt zudem, dass auch die Spezifität des ASRS-5 solide ist – rund 72 Prozent. Das bedeutet: Nicht jeder Verdacht bestätigt sich. Aber selbst in Fällen, in denen sich keine ADHS-Diagnose ergibt, ist der Test ein Gewinn. Denn er führt dazu, dass andere Ursachen von Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder Stimmungsschwankungen überhaupt erst erkannt werden. Patienten profitieren so von einer gezielteren weiteren Abklärung, anstatt jahrelang ohne Erklärung zu bleiben. Auch wirtschaftlich ist der Einsatz sinnvoll: Der Fragebogen kostet nichts, spart aber Zeit und reduziert das Risiko, dass echte ADHS-Fälle übersehen werden. Für die hausärztliche Praxis ergibt sich ein klarer Vorteil: einfache Handhabung, minimaler Aufwand, spürbarer Nutzen. Am Ende gilt: Screening ersetzt keine fachärztliche Diagnose – doch es eröffnet Chancen für alle Beteiligten. Ärzte erhalten ein handliches Werkzeug für den Praxisalltag. Patienten gewinnen Klarheit und Zugang zu einer möglichen Behandlung. Und die Gesellschaft profitiert, wenn weniger Menschen durch unerkanntes ADHS in Krisen, Suchterkrankungen oder berufliche Brüche geraten. Außerdem interessant zum Thema ADHS: ADHS-Symptome bei Erwachsenen lassen sich mit digitaler Anwendung verringern ADHS-Medikamente reduzieren Risiko für Suizidalität und riskantes Verhalten
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