Adipositas erhöht Risiko für schwere Infektionen deutlich11. Februar 2026 Je mehr Übergewicht, desto höher ist das Risiko, aufgrund einer schweren Infektionskrankheit ins Krankenhaus eingewiesen zu werden oder zu versterben. Das zeigen aktuelle Studiendaten. (Symbolfoto: ©Halfpoint/stock.adobe.com) Laut einer aktuellen Studie haben Menschen mit Adipositas ein um 70 Prozent höheres Risiko, aufgrund einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert zu werden oder zu sterben als Normalgewichtige. Weltweit gesehen bringen die Forschenden jeden zehnten infektionsbedingten Todesfall mit Adipositas in Zusammenhang. Übergewicht kann das Risiko für viele verschiedene Infektionskrankheiten erhöhen, von Grippe und COVID-19 bis hin zu Magen-Darm- und Harnwegsinfekten. Die Autoren der aktuell in „The Lancet“ veröffentlichten Studie fanden heraus, dass mit steigendem Body-Mass-Index (BMI) auch das Risiko für schwere Infektionen zunimmt. Adipositas erhöht Risiko für Tod oder Klinikeinweisung durch Infektionskrankheiten Dazu analysierte das Team um Studienleiter Prof. Mika Kivimäki vom University College London (Großbritannien) die Daten von mehr als 540.000 Teilnehmern großer Kohortenstudien in Großbritannien (UK Biobank) und Finnland. Der BMI der Teilnehmer wurde zu Beginn der Studien erfasst, die Nachbeobachtung erfolge über durchschnittlich 13 bis 14 Jahre. Die Forschenden fanden heraus, dass Menschen mit Adipositas (definiert als ein BMI von 30 kg/m² oder höher) im Studienzeitraum ein um 70 Prozent höheres Risiko für eine Krankenhauseinweisung oder den Tod durch eine Infektionskrankheit hatten als Menschen mit einem BMI zwischen 18,5 und 24,9 kg/m² (Normalgewicht). Beispielsweise hatten normalgewichtige Erwachsene der UK Biobank ein Risiko von 1,1 Prozent, innerhalb eines Jahres eine schwere Infektion zu erleiden, während das jährliche Risiko bei adipösen Erwachsenen 1,8 Prozent betrug. Zusammenhang mit Adipositas besteht für eine Vielzahl von Infektionskrankheiten Das Risiko stieg mit zunehmendem Körpergewicht stetig an. Menschen mit einem BMI von 40 kg/m² oder höher hatten ein dreimal so hohes Risiko für schwere Infektionen wie Menschen mit Normalgewicht. Der Zusammenhang zwischen Adipositas und schweren Infektionen war unabhängig vom verwendeten Adipositas-Maß (BMI, Taillenumfang oder Taille-zu-Körpergröße-Verhältnis, sofern Daten verfügbar waren) und für eine Vielzahl von Infektionsarten konsistent. Die Studie umfasste Daten zu 925 bakteriellen, viralen, parasitären und Pilzinfektionen. Die Autoren untersuchten zudem zehn häufige Infektionskrankheiten genauer. Bei den meisten dieser Erkrankungen, darunter Grippe, COVID-19, Lungenentzündung, Magen-Darm-Entzündung, Harnwegsinfektionen und Infektionen der unteren Atemwege, stellten die Forscher fest, dass Menschen mit Adipositas ein höheres Risiko für Krankenhausaufenthalte und Todesfälle aufwiesen als Menschen mit einem normalen BMI. Adipositas schien jedoch das Risiko für schwere HIV- oder Tuberkuloseverläufe nicht zu erhöhen. Beeinträchtigung des Immunsystems als Ursache? Die Analyse ergab weiter, dass der Zusammenhang mit schweren Infektionen nicht durch adipositasbedingte chronische Erkrankungen erklärt werden konnte, da der Zusammenhang auch bei adipösen Menschen ohne metabolisches Syndrom, Diabetes oder Herzerkrankungen bestand. Auch Lebensstilfaktoren wie körperliche Aktivität konnten den Zusammenhang nicht erklären. Obwohl die Studie die Ursachen des Zusammenhangs nicht untersuchte, weisen die Forscher darauf hin, dass frühere Studien nahelegen, dass Adipositas zu einer allgemeinen Beeinträchtigung der Immunfunktion beiträgt, einschließlich Immunfehlregulation, chronischer systemischer Entzündung und Stoffwechselstörungen. Studienleiter Kivimäki erklärt: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Übergewicht die körpereigenen Abwehrkräfte gegen Infektionen schwächt und dadurch zu schwereren Krankheitsverläufen führt. Die Ansteckungsfähigkeit ist möglicherweise nicht höher, aber die Genesung verläuft deutlich schwieriger.“ Rund jeder zehnte infektionsbedingte Todesfall auf Adipositas zurückzuführen Die Autoren nutzten auch die Daten zur Sterblichkeit durch Infektionskrankheiten aus der GBD(Global Burden of Diseases)-Studie, um die Auswirkungen von Adipositas auf Todesfälle durch Infektionskrankheiten in verschiedenen Ländern, Regionen und weltweit zu modellieren. Die Analyse ergab, dass im Jahr 2023 weltweit 600.000 von 5,4 Millionen Todesfällen durch Infektionskrankheiten mit Adipositas in Verbindung standen – das entspricht ca. 10,8 Prozent oder jeder zehnte Todesfall. Die Forscher schätzten, dass in Deutschland mehr als jeder siebte (14,7 %) infektionsbedingte Todesfall auf Adipositas zurückzuführen ist. In den USA sind es den Schätzungen zufolge 26 Prozent, in Großbritannien 17,4 Prozent und in Spanien und Frankreich 21,2 und 15,9 Prozent. Damit liegen die westlichen Länder deutlich vor einkommensschwächeren Ländern wie zum Beispiel Indien mit 3,8 Prozent und China mit 9,0 Prozent. Die Forscher geben jedoch zu bedenken, dass diese Schätzungen mit Vorsicht interpretiert werden sollten. „Daten zu infektionsbedingten Todesfällen und Adipositas in der GBD sind nicht immer genau, insbesondere in ressourcenarmen Ländern“, betont Co-Autorin Dr. Sara Ahmadi-Abhari vom Imperial College London. Dringende Maßnahmen aufgrund steigender Adipositasraten erforderlich Die Forscher fanden auch Hinweise darauf, dass ein Gewichtsverlust das Risiko schwerer Infektionen verringern kann. Übergewichtige Menschen, die abgenommen hatten, wiesen demnach ein um etwa 20 Prozent geringeres Risiko für schwere Infektionen auf als diejenigen, die übergewichtig blieben. Erstautorin Dr. Solja Nyberg von der Universität Helsinki (Finnland) kommentiert: „Da die Übergewichtsraten weltweit voraussichtlich steigen werden, werden auch die Todesfälle und Krankenhausaufenthalte aufgrund von Infektionskrankheiten, die mit Übergewicht in Verbindung stehen, zunehmen.“ Es seien dringende Maßnahmen erforderlich, um übergewichtige Menschen bei einem Gewichtsverlust zu unterstützen. Neben Zugang zu bezahlbaren, gesunden Lebensmitteln und Möglichkeiten zur körperlichen Aktivität sei es für übergewichtige Menschen besonders wichtig, ihren Impfschutz auf dem neuesten Stand zu halten, hebt Nyberg hervor. (ah/BIERMANN)
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