Adipositaschirurgie: Unerwünschte Ereignisse nach Sleeve-Gastrektomie und Magenbypass12. Dezember 2019 © New Africa – stock.adobe.com Die späten unerwünschten Ereignisse nach Magenbypass und Schlauchmagen-Operationen sind besorgniserregend. Französische Wissenschaftler haben die späten unerwünschten Ereignisse über einen Zeitraum von sieben Jahren nach Magenbypass- und Schlauchmagen-Operationen im Vergleich zu passenden Kontrollgruppen ausgewertet. In der landesweiten, bevölkerungsbezogenen Kohortenstudie verwendeten die Autoren Daten der nationalen französischen Krankenversicherung (Système National des Données de Santé). Alle Patienten, die sich 2009 in Frankreich einer Magenbypass- oder Sleeve-Gastrektomie unterzogen hatten, mit Ausnahme derjenigen, die sich in den letzten 4 Jahren vor der Inklusion einer bariatrischen Operation unterzogen hatten, wurden mit Kontrollen verglichen. Zu den Ausschlusskriterien für die Kontrollgruppe gehörten Krebs, Schwangerschaft, chronische Infektionskrankheit, schwere akute oder chronische Erkrankung im Zeitraum 2008–2009 oder frühere (2005–2009) oder bevorstehende (2010–2011) bariatrische Operationen.Patienten (n=8966) die sich im Zeitraum vom 1.1.2009–31.12.2009 einer bariatrischen Operation unterzogen hatten wurden mit 8966 Kontrollen gematcht. In der Patientengruppe der bariatrischen Chirurgie hatten 4955 Patienten (55 %) einen primären Magenbypass und 4011 Patienten (45 %) eine Sleeve-Gastrektomie. Bei einem mittleren Follow-up von 6,8 Jahren (SD 0,2) war die Mortalität in der Magen-Bypass-Gruppe niedriger als in der Kontrollgruppe (Hazard Ratio [HR] 0,64; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,52–0,78; p <0,0001), gleiches gilt für die Sleeve-Gastrektomie im Vergleich zu ihrer Kontrollgruppe (HR 0,38; 95 %-KI 0,29-0,50; p<0,0001).Die Magenbypass- und Sleeve-Gastrektomiegruppen hatten ein höheres Risiko als ihre Kontrollgruppen für invasive gastrointestinale Chirurgie oder Endoskopie (Inzidenzratenverhältnis [IRR] 2,4; 95 %-KI 2,1–2,7; p<0,0001 für Magenbypass vs. Kontrolle und IRR 1,5; 95 %-KI 1,3–1,7; p<0,0001, für die Sleeve-Gastrektomie vs. Kontrolle); für gastrointestinale Störungen, die nicht zu invasiven Eingriffen führen (IRR 1,9; 95 %-KI 1,7–2,1; p<0,0001, für Magenbypass vs. Kontrolle und IRR 1,2; 95 %-KI 1,1–1,4; p<0,0001, für Sleeve-Gastrektomie vs. Kontrolle); und für Ernährungsstörungen (IRR 4,9 95 %-KI 3,8–6,4; p<0,0001, für Magenbypass vs Kontrolle und IRR 1,8 95 %-KI 1,3–2,5; p<0,0001, Sleeve-Gastrektomie versus Kontrolle). Für psychiatrische Störungen gab es keine signifikante Assoziation (IRR 1,1; 95 %-KI 0,9–1,4; p=0,190, für Magenbypass vs. Kontrolle und IRR 1,1; 95 %-KI 0,8–1,3; p=0,645, für Sleeve-Gastrektomie vs. Kontrolle), mit Ausnahme des Magenbypasses und der Alkoholabhängigkeit (IRR 1,8; 95 %-KI 1,1–2,8; p=0,0124). Fazit Trotz einer niedrigeren 7-Jahres-Mortalität hatten Patienten, die sich einer Magenbypass- oder Sleeve-Gastrektomie unterzogen, ein höheres Risiko für die mindestens einmalige Aufnahme in ein Krankenhaus, wegen späteren unerwünschten Ereignissen als Kontrollpatienten, eine Ausnahme waren psychiatrischen Störungen.Es wurde ein höheres Risiko für spätere unerwünschte Ereignisse nach einem Magenbypass als bei einer Sleeve-Gastrektomie beobachtet, so das Fazit der Studienautoren. (rl) Autoren: Thereaux J et al.Korrespondenz: Jérémie Thereaux; [email protected]Studie: Long-term adverse events after sleeve gastrectomy or gastric bypass: a 7-year nationwide, observational, population-based, cohort studyQuelle: Lancet Diabetes Endocrinol 2019 Oct;7(10):786–795Web: www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(19)30191-3/