Ärzte fordern Kostenübernahme für Therapie von Rauchern

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Vertreter mehrerer medizinischer Fachgesellschaften fordern ein radikales Umdenken von Politik und Kostenträgern. Tabakabhängigkeit sei als Krankheit anzuerkennen und die Therapiekosten für die Entwöhnung von Rauchern von den Krankenversicherungen zu übernehmen. Dazu bedürfe es einer klaren politischen Kursänderung, so die Mediziner.

Rauchen tötet in Deutschland jedes Jahr mehr als 120.000 Menschen und koste die Gesellschaft jährlich mehr als 97 Milliarden Euro, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Bei der Mehrzahl der Raucher verhindere das Vorliegen einer Tabakabhängigkeit einen erfolgreichen Rauchstopp – so schafften es nur drei bis fünf Prozent, nach einem spontanen Aufhörversuch ohne therapeutische Unterstützung langfristig rauchfrei zu bleiben. In allen medizinischen Fachgebieten behandelten Ärzte jeden Tag Menschen, die an rauchbedingten Erkrankungen leiden, so die Vertreter der Fachgesellschaften. Trotz Erkrankung und eingeschränkter Lebensqualität rauchten dennoch viele Raucher weiter und im Schnitt trete bei ihnen mehr als zehn Jahre früher als bei Nichtrauchern der Tod ein. Studien zufolge stirbt jeder zweite Raucher an einer rauchbedingten Erkrankung und jeder zweite Raucher stirbt vor dem 70. Lebensjahr.

Trotz dieser klaren Faktenlage werde in Deutschland die Tabakabhängigkeit weiterhin nicht als Krankheit anerkannt, sondern als „Lifestyle“ eingestuft und die Kosten für evidenzbasierte Entwöhnungstherapien daher nicht übernommen, so die Experten weiter.

Unter Federführung des Bundesverbandes der Pneumologen (BdP) und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) fordern die Ärzte verschiedener Fachgesellschaften (Kardiologie, Diabetologie, HNO, Dermatologie und die deutsche Krebsgesellschaft) Politik und Kostenträger zu einem radikalen Kurswechsel und zum Umdenken im Bereich der Tabakentwöhnung auf.

Tabakabhängigkeit sei, so die Forderung der Mediziner, analog zu anderen Abhängigkeiten wie zum Beispiel Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit, als Krankheit anzuerkennen und die Therapiekosten, wie bei anderen Abhängigkeiten auch, von den Kostenträgern zu übernehmen. Die derzeitige Ungleichbehandlung der Tabakabhängigkeit entbehre jeglicher medizinischen und sozioökonomischen Rationale. Mit dem aktuellen evidenzbasierten Goldstandard der Tabakentwöhnung, einer Kombination aus Verhaltenstherapie und medikamentöser Therapie, könnten bis zu 45 Prozent der Raucher langfristig erfolgreich entwöhnt werden. Kosten-Nutzen-Analysen zeigten, dass damit mittelfristig enorme Kosten im Gesundheitsbereich eingespart werden.

Weitere politische Maßnahmen wie spürbare Steuererhöhungen, Werbeverbote, Verkaufslimitierungen und die Förderung primärpräventiver Maßnahmen, um den Rauchbeginn Jugendlicher zu verhindern, würden laut den Medizinern zusätzlich helfen, die Raucherquote zu senken und weitere Kosten einzusparen. Deutschland belege mit seiner derzeitigen Tabakkontrollpolitik im europäischen Vergleich jedoch lediglich den vorletzten Platz.

E-Zigaretten und Tabakerhitzer werden von den Ärzten als kritisch und keineswegs als unbedenklich angesehen. Sie sollten ihrer Meinung  nach den gleichen gesetzlichen Regelungen unterliegen wie konventionelle Tabakzigaretten.

An dem Aufruf beteiligt waren:
• Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner e.V. (BdP), Dr. Frank J. Heimann
• Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Prof. Michael Pfeifer
• Deutscher Berufsverband der HNO-Ärzte
• Bundesverband Niedergelassener Kardiologen
• Berufsverband Niedergelassener Diabetologen
• Berufsverband der Deutschen Dermatologen
• Deutsche Diabetes Gesellschaft
• Deutsche Krebsgesellschaft