Ärzte herzgesünder als die Allgemeinbevölkerung4. März 2020 © Jeanette Dietl – stock.adobe.com Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in den meisten Industrieländern die häufigste Todesursache. Doch wie ist es um die kardiovaskuläre Gesundheit von Ärzten bestellt? Dieser Frage gingen Forscher um Dr. Dennis T. Ko in einer neuen Kohortenstudie nach. Ihr Fazit: Praktizierende Ärzte in Ontario hatten weniger kardiovaskuläre Risikofaktoren, unterzogen sich seltener präventiven Tests und erlitten seltener schwere kardiovaskuläre Ereignisse als die Allgemeinbevölkerung. In die Kohorten, die ab dem 01.01.2008 zusammengestellt und bis zum 31.12.2015 nachbeobachtet wurden, gingen Personen im Alter von 40–75 Jahren aus Ontario, Kanada, ein: 17.071 praktizierende Ärzte (Durchschnittsalter 53,3±8,8 Jahre; 11.963 [70,1%] Männer) und 5.306.038 Personen mit anderen Berufen (Durchschnittsalter 53,7 ±9,5] Jahre; 2.556.044 [48,2%] Männer). Die Autoren stellten fest, dass Ärzte signifikant niedrigere Ausgangsraten von Bluthochdruck (16,9% vs. 29,6%), Diabetes (5,0% vs. 11,3%) und Rauchen (13,1% vs. 21,6%) aufwiesen. Zugleich hatten sie bessere Cholesterinprofile (Gesamtcholesterinspiegel >240 mg/dl: 13,3% vs. 16,5%; LDL-Cholesterin >130 mg/dl: 33,2% vs. 36,8%). Nach Adjustierung um Alter und Geschlecht waren die Unterschiede sogar noch größer. Ferner zeigte sich, dass Ärzte sich seltener regelmäßigen Gesundheitsuntersuchungen unterzogen: 58,9% (95%-KI 57,5–60,4) vs. 67,9% (95%-KI 67,8–67,9); Hyperlipidämie-Screening: 76,3% (95%-KI 74,7–78,0) vs. 83,8% (95%-KI 83,7–83,9); Diabetes-Screening: 79,0% (95%-KI 77,3–80,8%) vs. 85,3% (95%-KI 85,2–85,4). Allerdings holten sie häufiger den Rat eines Kardiologen ein: 25,2% (95%-KI 24,2–26,3) vs. 19,5% (95%-KI 19,4–19,5). Nach Standardisierung nach Alter und Geschlecht betrug die 8-Jahres-Inzidenz des primären Endpunktes 4,4 schwere kardiovaskuläre Ereignisse/1000 Personenjahre für Ärzte und 7,1 für die Allgemeinbevölkerung. Nach Adjustierung um Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, Herzrisiken und Komorbiditäten hatten Ärzte ein um 22% geringeres Risiko für den primären Endpunkt (HR 0,78; 95%-KI 0,72–0,85). Fazit Praktizierende Ärzte in Ontario hatten weniger kardiovaskuläre Risikofaktoren, unterzogen sich seltener präventiven Tests und erlitten seltener schwere kardiovaskuläre Ereignisse als die Allgemeinbevölkerung. (sf) Autoren: Ko DT et al. Korrespondenz: Dennis T. Ko; [email protected] Studie: Comparison of Cardiovascular Risk Factors and Outcomes Among Practicing Physicians vs the General Population in Ontario, Canada Quelle: JAMA Netw Open 2019;2(11):e1915983. Web: https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2019.15983