Ärztin mit Herz und Seele: Dr. Brigitte Tost unterstützt Hilfsprojekt in Ruanda22. Februar 2019 Dr. Brigitte Tost mit einem Patienten. Foto: © privat Selbst in ihrem wohlverdienten Urlaub kann sie es nicht lassen – Dr. Brigitte Tost ist eigentlich Chefärztin der Kardiologie am Heilig-Geist Hospital Bensheim und hat dort alle Hände voll zu tun. Bei den Bensheimern ist sie aufgrund ihrer hohen fachlichen Kompetenz und ihrer aufgeschlossenen Art sehr beliebt. Sie nimmt sich Zeit für jeden ihrer Patienten und das spricht sich herum. Die Kardiologie am HGH verdankt ihr und ihrem Team deshalb in den letzten beiden Jahren kontinuierlich wachsende Patientenzahlen. Doch anstatt in ihren Ferien etwas Abstand vom ärztlichen Alltag zu nehmen, hilft die Sympathieträgerin für drei Wochen bei einem Hilfsprojekt im Osten Zentralafrikas. Bereits zum siebten Mal ist sie nun in den Süden Ruandas, nahe der burundischen Grenze gereist, um dort das Gesundheitszentrum „Centre de Santé Gikonko“ zu unterstützen. Das Ernährungszentrum. Bild: © privat Das Centre de Santé Gikonko besteht aus einem ca. 70-Betten Hospital, wobei meist mehr als nur ein Patient im Bett liegt, einer Geburtshilfe mit ca. 800 Geburten jährlich, einem Ernährungszentrum sowie einem großen Ambulanzbereich. Das Krankheitsspektrum umfasst Patienten mit Infektionserkrankungen der Lungen- und Atemwege, Malaria, Tuberkulose, HIV und Hepatitis, aber auch Magen-, Wurm- und Durchfallerkrankungen aufgrund mangelnder hygienischer Möglichkeiten. Daneben werden auch Patienten mit einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzerkrankungen oder Epilepsie behandelt. Ein Schwerpunkt des Gesundheitszentrums sind Säuglinge und Kinder mit einem Hydrocephalus (großer Wasserkopf). Im OP-Trakt werden sowohl Kaiserschnitte als auch chirurgische und unfallchirurgische Eingriffe vorgenommen. Im Ernährungszentrum werden unterernährte Säuglinge und Kleinkinder nach einem landesspezifischem Ernährungsprogramm mit Milch und hochkalorischen Müsli Riegel aufgepäppelt. Gleichzeitig lernen die Mütter mit regionalen Obst- und Gemüsesorten kochen, um die notwendige Eiweiß- und Kalorienzufuhr für die Kinder zu gewährleisten. Geleitet wird das Gesundheitszentrum seit 1985 von Dr. Uta Elisabeth Düll, einer Studienfreundin der Bensheimer Ärztin. Für ihr Engagement wurde Düll zuletzt mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Unterm Jahr ist sie die einzige Ärztin vor Ort – angesichts der hohen Patientenzahlen und vielen Fachbereichen eine Mammutaufgabe – da kommt die Hilfe aus Deutschland gerade recht. Hurra, die Muganga fürs Herz ist da! Die Ambulanz. Foto: © privat Die überwiegende Mehrheit der Patienten sprechen ausschließlich Kinuyarwanda. Viele können weder schreiben noch lesen, doch über „Radio Banane“ und inzwischen auch vermehrt über das Smartphone, hat es sich schnell herumgesprochen, dass die „Muganga“ (Ärztin) fürs Herz wieder im Gesundheitszentrum ist. Täglich strömen bereits früh morgens 200 bis 300 Patienten, überwiegend zu Fuß über die Hügel des Anwesens, um tief im Land und weitab von geteerten Straßen, im Gesundheitszentrum medizinische Hilfe zu suchen. Neben Patienten mit üblichen internistischen Erkrankungen, kommen nun auch besonders viele Patienten mit Bluthochdruck, Herzleistungsschwäche und bereits fortgeschrittenen Herzklappenfehlern. Auch wenn die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt sind, freut sich Tost immer, wenn sie einem ihrer Patienten helfen kann. Viele ihrer Patienten kennt sie bereits aus früheren Aufenthalten und verfolgt ihre Krankheitsgeschichte über Jahre. Inzwischen kann Sie auch über E-mail, Whatsapp und Telemedizin von Deutschland aus, Tipps und Therapieempfehlungen geben und so ihre afrikanischen Patienten weiter konsiliarisch betreuen. Um einen Eindruck von den Lebensbedingungen der Patienten vor Ort zu bekommen, geht Tost auch immer wieder über die Hügel, um die Patienten in ihren Hütten „zu Hause“ zu besuchen. Fließend Wasser oder gar Strom gibt es dort nicht. Das Toilettenhäuschen mit Loch im Boden liegt außerhalb des Wohnbereiches. Gekocht wird über dem offenen Feuer. Die Essensvorräte sind spärlich. Geschlafen wird auf einer Bastmatte, auf dem Boden oder mit mehreren Personen in einem Bett ohne Kissen und Decken. Oftmals sind die Lehmhütten und deren Dächer so undicht, dass es während eines tropischen Starkregens hineinregnet. Hier wird dann mit Spendengeldern Baumaterial gekauft oder ein stabileres neues „Haus“ gebaut. Ein Drohnenflughafen für die Medizin Foto: © privat Zurück in Deutschland berichtet Tost über die vielen positiven Entwicklungen in Ruanda, die sie bei jedem ihrer Aufenthalte seit 2002 feststellt. Besonders begeistert zeigt sie sich vom ersten Drohnenflughafen der Welt, der bereits 2017 in rund 80 Kilometer Entfernung zum Gesundheitszentrum eingerichtet wurde. Nach Rücksprache mit der Flugsicherheit des Flughafens in Kigali, starten von dort aus, täglich GPS-gesteuerte Drohnen, die mit jeweils zwei Blutkonserven, wichtigen Medikamenten oder Impfstoffen, bestückt sind. Über eine App werden die Produkte angefordert, vom Flugzentrum bestätigt, und über Whatsapp erfolgt eine Mitteilung über die exakte Ankunftszeit. Ca. 30 Minuten nach der Bestellung trifft die Drohne ein, kreist über der Abwurfstelle, geht auf eine Höhe von 8 Metern hinunter und wirft das rote Paket, das an einem kleinen Fallschirm hängt, mit den Blutkonserven zielgenau ab. Bereits jetzt freut sich Tost auf Ihren nächsten Aufenthalt im Centre de Santé Gikonko und ist gespannt, wie sich das Land und die Einrichtung weiterentwickeln. Fürs Erste ist sie aber froh wieder in Bensheim zu sein: „Die Arbeit im Hilfsprojekt ist immer ein prägendes Erlebnis. Die Freude im Gesicht der Menschen, die in der Regel sonst keinen Zugang zu einem Kardiologen haben, entschädigt für so manche Anstrengungen und macht mich einfach glücklich. Gleichzeitig bin ich aber froh, nun wieder zurück in Bensheim zu sein und aus der vollen medizintechnischen Bandbreite schöpfen zu können“, so die Medizinerin. Im Heilig-Geist Hospital hat sie sich für 2019 zum Ziel gesetzt, dem wachsenden Patientenandrang gerecht zu werden, und den Bereich Kardiologie strukturell weiter auszubauen.
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