Ärztlicher Direktor der Neonatologie am Universitätsklinikum Heidelberg verabschiedet sich in den Ruhestand9. November 2021 Prof. Johannes Pöschl (Foto: UKHD) Nach 33 Jahren an der Heidelberger Kinderklinik und 14 Jahren als Ärztlicher Direktor der Klinik für Neonatologie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) verabschiedet sich Prof. Johannes Pöschl zum 8. November 2021 in den Ruhestand. Seine Nachfolge tritt Prof. Christian Gille, bis dato Leitender Oberarzt der Klinik für Neonatologie am Universitätsklinikum Tübingen, an. Prof. Pöschl baute die Klinik zur deutschlandweit größten bettenführenden Neonatologie aus und beteiligte sich aktiv an der Gestaltung und Planung des 2011 eröffneten Klinikbaus, der „zu 100 Prozent nach den Vorstellungen einer modernen Neonatologie umgesetzt ist”, wie der Experte resümiert. Der zwischen Kinder- und Frauenklinik gelegene Klinikbau bietet ausreichend Platz für bis zu 36 Mutter-Kind-Betten in 18 Zimmern. Denn der enge Kontakt des Neugeborenen zu Mutter oder Vater ist wesentlicher Bestandteil des von Prof. Pöschl geförderten sanften Versorgungs- und Pflegekonzeptes „EFIB®” (Entwicklungsförderndes familienzentriertes individuelles Betreuungskonzept). Pöschls Nachfolge tritt Professor Dr. Christian Gille, bis dato Leitender Oberarzt der Klinik für Neonatologie am Universitätsklinikum Tübingen, an. „In Heidelberg werden jedes Jahr bis zu 130 sehr kleine Frühgeborene mit einem speziellen Pflegekonzept und einem modernen, stetig verbesserten medizinischen Angebot versorgt. Dadurch haben die Frühchen ab vollendeter 22. Woche Schwangerschaftsdauer nicht nur exzellente Überlebenschancen oft ohne schwere Beeinträchtigungen, sondern entwickeln sich auch langfristig sehr gut”, sagt Prof. Ingo Autenrieth, Leitender Ärztlicher Direktor des UKHD. „Professor Pöschl stärkte nicht zuletzt die neonatologische Forschung und orientierte sich dabei an Fragestellungen aus der Klinik, z. B. der Unterstützung des kindlichen Immunsystems, um die Infektanfälligkeit zu verringern. Dies führte zu zahlreichen unmittelbaren Verbesserungen in der Versorgung insbesondere der sehr früh geborenen Kinder”, sagte Prof. Hans-Georg Kräusslich, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Erfolgsrezept sei ein gut eingespieltes Team aus Ärzten, Ärztinnen und Pflegenden sowie eine stets selbstkritische Herangehensweise, um jede Veränderung zu analysieren und damit die Versorgung konstant zu verbessern, so der scheidende Neonatologe. „So haben wir es gemeinsam geschafft, sehr früh geborene Kinder ab der vollendeten 22. Schwangerschaftswoche an der Grenze der Überlebensfähigkeit zu versorgen.” Die Zahlen bestätigen die hohe Versorgungsqualität der letzten fünf Jahre: 82 Prozent der Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm können – bei einer Überlebensrate von 96 Prozent – ohne schwerwiegende Komplikationen nach Hause entlassen werden. Bei den noch kleineren Frühchen unter 1000 Gramm überleben 90 Prozent. 70 Prozent von ihnen entwickeln sich ohne mentale oder körperliche Beeinträchtigungen, wie Nachbeobachtungen nach den ersten zwei Lebensjahren zeigen. Voraussetzung dafür sind neben neuen Medikamenten und modernen Techniken bei Beatmung und Kreislaufunterstützung die individuelle “sanfte” Betreuung Frühgeborener – wie sie EFIB vorsieht. Da jeder Stress die Hirnentwicklung stört, wird dieser, wo möglich, vermieden: Helles Licht, laute Alarme und technische Geräusche wurden konsequent aus den schalldichten Zimmern verbannt – die Eltern dagegen immer aktiv eingebunden. Damit diese sich im Handling der zarten Frühgeborenen nicht überfordert fühlen, werden sie vom Team geschult und auf die Zeit zuhause vorbreitet. Dieses Konzept baute Pöschl mit seinem speziell geschulten Team konsequent aus. Im neonatologischen Labor entwickelte das Team unter anderem das erste Mausmodell, mit dem sich fetale Immunzellen am lebenden Organismus untersuchen lassen. Im Tierversuch ließen sich so erstmals die Wirkung von beispielsweise Koffein, Glucose und verschiedenen Lipiden nachweisen und überprüfen. Alle Substanzen haben inzwischen einen festen Platz in der Versorgung unreif geborener Kinder. „Man kann nur lehren, was man selbst erfahren hat und man kann nur verbessern, was man genau analysiert hat”, ist das Motto des Neonatologen. Denn insbesondere in einem Bereich, in dem Studien häufig nicht umsetzbar und daher keine evidenzbasierten Standards verfügbar sind, fließt in die Lehre – ebenso wie die Patientenversorgung – viel individuelle Erfahrung ein. In diesem Sinne gab er sein Wissen an Studierende und junge Kolleginnen und Kollegen – auch anderer Geburtskliniken und Perinatalzentren – weiter.
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