Affen werden wählerischer, wenn es weniger Stellen zur Zusammenarbeit gibt29. Juni 2026 Foto: BPRC, Rijswijk, Niederlande Nicht nur der Mensch arbeitet in Gruppen zusammen. Viele andere Arten, darunter Primaten, tun dies ebenfalls. Um die Motivationen und evolutionären Vorteile der Zusammenarbeit bei Tieren besser zu verstehen, forschen Verhaltensbiologen seit Jahren. Ein Aspekt wurde dabei jedoch bisher übersehen: Die Anzahl der Orte, an denen Tiere zusammenarbeiten können, spielt eine entscheidende Rolle. Dem widmete sich nun ein Team der Vetmeduni in Kooperation mit der Universität Utrecht. Partnerwahl hängt stark mit den Optionen zusammen Zusammenarbeit kann in der Natur vorteilhaft sein, etwa bei der gemeinsamen Jagd, dem Schutz von Territorien oder der Aufzucht von Jungen. In freier Wildbahn muss ein Affe jedoch sehr vorsichtig sein, mit wem er kooperiert. Ein Partner, der in der Hierarchie deutlich höher steht, könnte die erbeutete Nahrung für sich behalten. Die Partnerwahl ist daher von großer Bedeutung. Neuere Forschungsergebnisse zeigen nun, dass Affen ihre Partnerwahl davon abhängig machen, wie viele Gelegenheiten zur Zusammenarbeit zur Verfügung stehen. Verhaltensbiologen und -biologinnen der Universität Utrecht und der Veterinärmedizinischen Universität Wien stellten einer Gruppe von Javaneraffen ein oder mehrere Geräte zur Verfügung, mit denen sie zusammenarbeiten konnte. Zogen zwei Affen an einem Seil, konnten sie eine Belohnung zu sich heranziehen. Gab es nur ein Gerät, wählten die Affen ihre Partner deutlich selektiver aus. Sobald ihnen jedoch mehrere Geräte zur Verfügung standen, wurden sie deutlich weniger wählerisch. Auch Affen scheinen abzuwägen, wie hoch das jeweilige Risiko ist Jeroen Zewald, Studien-Co-Autor, merkt an: „Stellen Sie sich vor, Sie jagen gemeinsam ein Reh, um sich zu ernähren, und es ist die einzige Beute in der Gegend. In diesem Fall brauchen Sie jemanden, mit dem Sie zusammenarbeiten können, der die Beute nach der Jagd aber nicht für sich behält. Die Partnerwahl ist daher von großer Bedeutung. Wenn es hingegen eine ganze Rehherde gibt, ist die Wahl des Jagdpartners weniger wichtig, da es immer noch andere Rehe zum Jagen gibt, falls jemand die Beute stiehlt. Auch die Affen zeigten diesen Unterschied in der Partnerwahl.“ Liesbeth Sterck, Mitautorin und Primatologin an der Universität Utrecht, erklärt die Bedeutung dieses Befunds: „Normalerweise wird in Studien zu Partnerpräferenzen für die Zusammenarbeit bei Tieren einer Tiergruppe nur ein einziges Gerät zur Verfügung gestellt, das dann leicht von ein oder zwei Individuen besetzt werden kann. Dadurch entsteht eine sehr spezifische Situation für die Partnerpräferenz, die in der Natur nicht immer gegeben ist. Man denke zum Beispiel an Früchte oder Blätter, die an verschiedenen Stellen im Wald zu finden sind. Es ist daher wichtig zu erkennen, dass unterschiedliche Situationen zu unterschiedlichen Partnerpräferenzen führen können.“ Wer in der eigenen Nähe toleriert wird, kommt potenziell in Frage Obwohl die Affen in dieser Studie ihre Partner nicht aktiv auswählten, indem sie sie um Hilfe baten oder auf sie warteten, beruhte ihre Präferenz offenbar vor allem darauf, wen sie in ihrer Nähe tolerierten. Zahlreiche andere Primatenstudien haben ebenfalls die Bedeutung sozialer Toleranz für die Kooperation belegt. Die Veränderung der Präferenzen in Abhängigkeit von der Anzahl verfügbarer Geräte war jedoch bisher nicht nachgewiesen. Dies sollte in zukünftigen Studien berücksichtigt werden, um besser zu verstehen, mit wem Tiere zusammenarbeiten wollen und von welchen Situationen dies abhängt.
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