Affenpocken: Epidemiologische Trends und klinische Merkmale1. August 2022 © fizkes – stock.adobe.com (Symbolbild) Der aktuelle Ausbruch von Infektionen mit dem Affenpockenvirus breitet sich schnell weltweit aus und wurde schon in >30 Ländern gemeldet. Dr. Nicola Luigi Bragazzi von der York University in Kanada und seine Kollegen führten diesbezüglich eine vorläufige gepoolte Datenanalyse und Literaturrecherche durch. Für ihren Bericht sammelten die Forschenden frühe Daten zu epidemiologischen Trends und klinischen Merkmalen des noch andauernden Ausbruchgeschehens und verglichen sie mit denen von früheren Ausbrüchen. Die Daten wurden aus 6 Clustern aus Italien, Australien, der Tschechischen Republik, Portugal und dem Vereinigten Königreich zusammengefasst, die insgesamt 124 Fälle betrafen. Für 35 waren detaillierte Informationen abrufbar. Die internationale Studie kam zu dem Schluss, dass sich die aktuelle Epidemie im Bezug auf Alter (54,29% der Personen waren 30–39 Jahre alt), Geschlecht (die meisten Fälle sind Männer), Risikofaktoren und Übertragungsweg von früheren Ausbrüchen unterscheidet. Die sexuelle Übertragung des Virus ist sehr wahrscheinlich. Auch das klinische Erscheinungsbild ist atypisch und ungewöhnlich, da es durch anogenitale Läsionen und Ausschläge gekennzeichnet ist, die das Gesicht und die Extremitäten vergleichsweise verschonen. Das am häufigsten berichtete Anzeichen bei Infizierten war Fieber (bei 54,29%), gefolgt von inguinaler Lymphadenopathie (bei 45,71%) und Exanthem (bei 40%). Insgesamt berichteten 22,86% bzw. 25,71% der Erkrankten von Asthenie/Müdigkeit bzw. Kopfschmerzen. Eine Myalgie trat bei 17,14% der Fälle auf. Bei 31,43% der Infizierten gab es Berichte über sowohl genitale als auch anale Läsionen (Geschwüre und Bläschen). Bei 11,43% der Fälle wurde eine zervikale Lymphadenopathie beschrieben und die am seltensten berichteten Symptome waren Durchfall und axilläre Lymphadenopathie (für beide Symptome 5,71%). Einige vorläufige Risikofaktoren konnten durch die Recherche bereits identifiziert werden. Dazu zählen die Faktoren ein junger Mann zu sein, der Sex mit anderen Männern hat, riskante Verhaltensweisen und Aktivitäten ausübt, worunter auch Sex ohne Kondom, Positivität für das Humane Immundefizienz-Virus (54,29% aus der analysierten Stichprobe) und eine Krankengeschichte früherer sexuell übertragbarer Infektionen, einschließlich Syphilis, zählen. Andererseits kann eine vollständige Virussuppression mit nicht nachweisbaren Viren anscheinend vor einem schwereren Infektionsverlauf schützen. Die Autoren geben aber zu bedenken, dass noch dringend weitere Forschung zum Ausbruch notwendig ist. Fazit Die Autoren berichten, dass sich die aktuelle Epidemie im Bezug auf Alter, Geschlecht, Risikofaktoren und Übertragungsweg von früheren Ausbrüchen unterscheidet. Die sexuelle Übertragung des Virus ist sehr wahrscheinlich. Auch das klinische Erscheinungsbild ist atypisch und ungewöhnlich. (sh) Autoren: Bragazzi NL et al. Korrespondenz: Nicola L. Bragazzi; [email protected] Studie: Epidemiological trends and clinical features of the ongoing monkeypox epidemic: A preliminary pooled data analysis and literature review Quelle: J Med Virol 2022 (Online ahead of print). Web: https://doi.org/10.1002/jmv.27931