AGA-Leitlinien zu Eisenmangelanämie: Bidirektionale Endoskopie für fast alle Patienten

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Die American Gastroenterological Association (AGA) hat neue klinische Richtlinien veröffentlicht, die einen evidenzbasierten Ansatz für eine erste gastrointestinale Beurteilung der chronischen Eisenmangelanämie bei asymptomatischen Patienten umreißen.

Die Eisenmangelanämie ist eine weltweit sehr häufig vorkommende Störung, und eine gastrointestinale Ursache sollte bei allen Patienten in Betracht gezogen werden, bei denen keine offensichtliche Ursache für ihre Anämie zu erkennen ist.

„Die Eisenmangelanämie tritt häufig in der klinischen Praxis auf, doch bei Ärzten, die diese Patienten beurteilen, gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich des üblichen Vorgehens“, sagt Cynthia W. Ko von der Medizinischen Fakultät der Universität Washington in Seattle (USA), Hauptautorin der Leitlinie.

Die AGA empfiehlt in der neuen Leitlinie zum einen dringend, das Vorhandensein jedes Eisenmangels und jeder Anämie vor der endoskopischen Untersuchung sorgfältig zu dokumentieren. Zweitens wird dringend angeraten, eine bidirektionale Endoskopie bei asymptomatischen Männern und postmenopausalen Frauen mit Eisenmangelanämie durchzuführen. Unter bestimmten Bedingungen gilt dieselbe Empfehlung für prämenopausale Frauen, wobei eine gemeinsame Entscheidungsfindung mit diesen Patientinnen empfohlen wird. Wenn ein Patient an gastrointestinalen Symptomen leidet, sollte die diagnostische Beurteilung entsprechend angepasst werden. Eine Endoskopie des oberen Gastrointestinaltraktes (EGD)/ Koloskopie (oder Koloskopie/EGD) sollte in derselben Sitzung durchgeführt werden.

Drittens rät die AGA vor Durchführung einer bidirektionalen Endoskopie zu nicht invasiven Tests auf Helicobacter pylori und Zöliakie bei asymptomatischen Patienten mit Eisenmangelanämie. Bei einem positiven Beginn sollte unmittelbar mit Therapie begonnen werden. Die AGA spricht sich gegen routinemäßige Magen- oder Zwölffingerdarmbiopsien aus, wenn nicht invasive Tests negativ ausfallen.

Viertens schließlich empfiehlt die AGA bei unkomplizierten asymptomatischen Patienten mit Eisenmangelanämie, bei denen nach einer ersten Beurteilung mittels bidirektionaler Endoskopie und nicht invasiven Tests keine Quelle für einen potenziellen Blutverlust identifiziert wurde, vor der routinemäßigen endoskopischen Beurteilung des Dünndarms mit einer Videokapsel eine Eisensupplementierung zu versuchen.