Aktualisierte S2k-Leitlinie COPD: „Null Toleranz für Exazerbationen“10. März 2026 Foto: © Maks_Lab/stock.adobe.com Insgesamt 30 Expertinnen und Experten waren an Aktualisierungen der Empfehlungen zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie der Chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) beteiligt. Federführend bei der Aktualisierung war die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), beteiligt an der zwei Jahre dauernden Arbeit an einem Update der Empfehlungen waren 13 weitere Fachgesellschaften. „Diese Leitlinie ergänzt die Nationale Versorgungsleitlinie COPD und integriert die neuesten evidenzbasierten Erkenntnisse, um eine frühere und effektivere Behandlung zu ermöglichen“, sagt DGP-Präsident Professor Christian Taube. Die Publikation sei für behandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie für Patientinnen und Patienten ein wichtiges Update und die gute Nachricht des Tages, ergänzt Taube. „Diese Überarbeitung bietet evidenzbasierte Handlungsanweisungen für eine frühere Intervention“, unterstreicht der Direktor der Klinik für Pneumologie der Universitätsmedizin Essen.Die Koordination der Aktualisierung hatten Prof. Kathrin Kahnert und Prof. Henrik Watz übernommen. „Wir wissen jetzt: Eine detaillierte pneumologische Lungenfunktionsdiagnostik und CT-Thorax bieten hier einen hohen zusätzlichen Mehrwert, insbesondere bei Diskrepanz zwischen Symptomen und Spirometrie“, erklärt Kahnert, niedergelassene Pneumologin in München sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Medizinischen Klinik und Poliklinik V, Schwerpunkt Pneumologie, am Klinikum der Ludwig‑Maximilians‑Universität München. „So können wir Betroffene früher identifizieren.“ Die alleinige Spirometrie, wie bisher empfohlen, erkenne frühe Veränderungen in der Regel zu spät – ein großes Problem. Haben die Aktualisierung der S2k-Leitlinie koordiniert: Kathrin Kahnert und Henrik Watz. (Fotos: © Kahnert/Watz) Bodyplethysmographie, CT-Thorax und AAT-Mangel Bei klinischem Verdacht auf eine COPD und normaler Spirometrie soll in der spezialfachärztlichen Diagnostik eine erweiterte Lungenfunktionsdiagnostik erfolgen, um die Lungenvolumina, die Atemwegswiderstände und den Gasaustausch der Lunge zu ermitteln und somit mögliche strukturelle Lungenveränderungen früh zu erfassen. Im Zuge der Früherkennung der COPD und dem kommenden Lungenkarzinomscreening gewinnt die Computertomographie des Brustkorbs zunehmend an Bedeutung. Die CT-Thorax-Untersuchung wird aber auch bei Diskrepanz zwischen Symptomen und Lungenfunktion oder häufigen Exazerbationen unbedingt empfohlen.Neue Kapitel zu Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AAT) und zu Biomarkern fordern jetzt eine einmalige Screening-Untersuchung auf AAT-Mangel und die Bestimmung des Differenzialblutbildes. „Die fachärztliche Kompetenz wird gestärkt, etwa durch Phänotypisierung mittels Lungenfunktion, Biomarker und CT als neuen Standard“, betont Watz. Er ist an der Medizinischen Klinik III, Campus Lübeck, am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein tätig und mit dem Airway Research Center North (ARCN) des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) assoziiert. Das Screening auf AAT-Mangel werde stark empfohlen, so Watz, da das Fehlen von AAT eine der am häufigsten nichtdiagnostizierten Ursachen darstellt. Verschärfte Risikogruppen, Triple-Therapie und Rauchstopp Die Einteilung der Risikogruppen anhand der GOLD-Gruppen wurde von den internationalen Empfehlungen in die aktualisierte Leitlinie aufgenommen. In der Initialtherapie wird nun eine duale Bronchodilatation (langwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten/langwirksame Beta-2-Agonisten [LAMA/LABA]) für GOLD-Gruppe B priorisiert. Der Einsatz der Kombination inhalative Corticosteroide (ICS)/LABA allein wird nicht mehr empfohlen. Bei persistierenden Exazerbationen unter Triple-Therapie (LAMA/LABA/ICS) soll eine Re-Evaluation mit Biomarkern und CT erfolgen. Die Optionen der Therapieeskalation mit Azithromycin, Roflumilast oder Biologika müssen fachärztlich geprüft werden.„Jede Exazerbation zählt – auch leichte Verschlechterungen bei unseren Patientinnen und Patienten dürfen wir nicht einfach tolerieren, eine zügige Eskalation der Therapie sind entscheidend“, betonen die Leitlinienkoordinatoren Kahnert und Watz einstimmig. Dies beinhaltet unbedingt auch die nicht medikamentösen Therapiemöglichkeiten wie ein strenges Rauchstopp-Programm, pneumologische Rehabilitation sowie die Einhaltung der aktualisierten Impfempfehlungen – beispielsweise gegen Influenza, Pneumokokken oder das respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Ein kardiovaskuläres Risiko soll laut der aktualisierten Leitlinie abgeklärt werden, da COPD eine kardiovaskuläre Risikoerkrankung darstellt.Nicht zuletzt sind Behandlungsempfehlungen zur interventionellen oder chirurgischen Lungenvolumenreduktion und Lungentransplantation für Patientinnen und Patienten mit weit fortgeschrittener COPD für die fachärztlicher Leitlinie von großer Bedeutung.„Für Patientinnen und Patienten bedeutet das ab 2026: Bessere Phänotypisierung als Standard, Lungenkrebs-Screening und null Toleranz für Exazerbationen“, fasst Watz zusammen. „Die dynamische Entwicklung auf diesem Gebiet wird zu einer fortwährenden Aktualisierung der Leitlinie führen“, ergänzt Kahnert. Damit bietet die Leitlinie immer einen aktuellen und praktischen Nutzen für Ärztinnen und Ärzte sowie für Patientinnen und Patienten.
Mehr erfahren zu: "Krankenkassen 2025 im Plus – Ausgaben steigen" Krankenkassen 2025 im Plus – Ausgaben steigen Die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherungen bleibt angespannt – auch wenn die vorläufige Bilanz für das vergangene Jahr positiver aussieht.
Mehr erfahren zu: "Grüne Pharmazie: Projekt „TransPharm“ bietet frei zugängliche Lernplattform zum Thema nachhaltige Arzneimittel" Grüne Pharmazie: Projekt „TransPharm“ bietet frei zugängliche Lernplattform zum Thema nachhaltige Arzneimittel Das Konsortium des von der EU geförderten Projektes „TransPharm“ hat eine frei zugängliche Bildungs-Website entwickelt: Darin geht es unter anderem um die Umweltauswirkungen von Arzneimitteln.
Mehr erfahren zu: "Idiopathische Lungenfibrose: Neue Therapieoption durch Förderung von Regeneration" Idiopathische Lungenfibrose: Neue Therapieoption durch Förderung von Regeneration Lungenforscher aus Gießen haben die zentrale Rolle des RNA-bindenden Proteins Fused in Sarcoma (FUS) bei der Idiopathischen Lungenfibrose (IPF) entdeckt.