Aktualisierung der AGA-Empfehlungen zur Zöliakie27. Juni 2019 © Leonid – fotolia.com In einem Update zur Anwendung in der klinischen Praxis hat die American Gastroenterological Association wichtige Modalitäten für die Diagnose und Kontrolle einer Zöliakie bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen definiert. Die in dem Expertenbericht dargestellten Empfehlungen basieren auf den verfügbaren veröffentlichten Erkenntnissen, einschließlich Kohorten- und Fallkontrollstudien zum diagnostischen Prozess sowie auf kontrollierten und deskriptiven Studien zum Krankheitsmanagement. Best-Practice-Hinweis 1: Die Serologie ist ein entscheidender Bestandteil für den Nachweis und die Diagnose der Zöliakie. Wichtig hierbei sind insbesondere Gewebetransglutaminase-Immunglobulin A (TG2-IgA), IgA-Tests und weniger häufig Tests auf endomysiales IgA. Best-Practice-Hinweis 2: Eine gründliche histologische Analyse von Zwölffingerdarmbiopsien mit Marsh-Klassifizierung, Zählung der Lymphozyten pro Hochleistungsfeld und Morphometrie ist sowohl für die Diagnose als auch für die Differenzialdiagnose wichtig. Best-Practice-Hinweis 2a: TG2-IgA in hohen Konzentrationen (>×10 obere Normalgrenze) ist ein zuverlässiger und genauer Test zur Diagnose einer aktiven Zöliakie. Wenn ein so stark positives TG2-IgA mit einem positiven endomysialen Antikörper in einer zweiten Blutprobe kombiniert wird, beträgt der positive Vorhersagewert für Zöliakie praktisch 100%. Bei Erwachsenen können dann zur Differenzialdiagnose eine Ösophagogastroduodenoskopie (EGD) und Zwölffingerdarmbiopsien durchgeführt werden. Best-Practice-Hinweis 3: IgA-Mangel ist eine seltene, aber wichtige Erklärung dafür, warum Zöliakie-Patienten trotz starken Verdachts auf IgA-Isotyp-Tests möglicherweise negativ reagieren. Es wird empfohlen, unter diesen Umständen die Gesamt-IgA-Spiegel, IgG-desamidierte Gliadin-Antikörper und TG2-IgG zu messen. Best-Practice-Hinweis 4: Der IgG-Isotyp-Test auf TG2-Antikörper ist nicht spezifisch, wenn kein IgA-Mangel vorliegt. Best-Practice-Hinweis 5: Bei Patienten, bei denen zuerst durch Darmbiopsien festgestellt wurde, dass sie eine Zöliakie haben, sollte vor Start einer glutenfreien Diät (GFD) eine zöliakiespezifische Serologie als Bestätigungstest durchgeführt werden. Best-Practice-Hinweis 6: Bei Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Zöliakie aufgrund negativer Biopsien stark ist, sollte ein TG2-IgA-Test dennoch durchgeführt werden. Wenn dieser positiv ausfällt, können entweder zu diesem oder zu einem späteren Zeitpunkt Wiederholungsbiopsien in Betracht gezogen werden. Best Practice-Hinweis 7: Von einer Reduzierung oder Vermeidung von Gluten vor diagnostischen Tests wird abgeraten, da dies die Empfindlichkeit von Serologie- und Biopsie-Tests verringern kann. Best-Practice-Hinweis 8: Wenn Patienten bereits vor der Diagnose mit einer GFD begonnen haben, wird empfohlen, die normale Ernährung mit 3 Scheiben Weizenbrot täglich, vorzugsweise für 1–3 Monate, fortzusetzen, bevor die Bestimmung von TG2-IgA wiederholt wird. Best-Practice-Hinweis 9: Die Bestimmung von HLA-DQ2/DQ8 spielt bei der Diagnose der Zöliakie eine begrenzte Rolle. Ihr Nutzen hängt größtenteils mit ihrem negativen prädiktiven Wert zum Ausschluss einer Zöliakie bei Patienten ab, die angesichts histologischer Veränderungen seronegativ sind, bei Patienten, die zum Zeitpunkt der Diagnose keine serologische Bestätigung hatten, und bei Patienten mit einer historischen Zöliakiediagnose, v. a. als sehr kleine Kinder vor der Einführung der Zöliakie-spezifischen Serologie. Best-Practice-Hinweis 10: Die Zöliakie-Serologie spielt bei der Identifizierung fortgesetzter Darmverletzungen eine zurückhaltende Rolle, insbesondere in Bezug auf die Empfindlichkeit, da die negative Serologie eines behandelten Patienten nicht garantiert, dass die Darmschleimhaut verheilt ist. Eine anhaltend positive Serologie weist normalerweise auf anhaltende Darmschäden und eine Glutenexposition hin. Eine Follow-up-Serologie sollte 6 und 12 Monate nach der Diagnose und danach jährlich durchgeführt werden. Best-Practice-Hinweis 11: Bei Patienten mit anhaltenden oder rezidivierenden Symptomen sollten ohne weitere offensichtliche Erklärung für diese Symptome endoskopische Biopsien durchgeführt werden, um eine Heilung auch bei Vorhandensein eines negativen TG2-IgA zu bestimmen. (ac) Autoren: Husby S et al. Korrespondenz: Dr. Joseph A. Murray, Mayo Clinic, 200 First Street SW, Rochester, MN 55902, USA; [email protected] Studie: AGA Clinical Practice Update on Diagnosis and Monitoring of Celiac Disease-Changing Utility of Serology and Histologic Measures: Expert Review Quelle: Gastroenterology 2019;156(4):885–889. Web: https://doi.org/10.1053/j.gastro.2018.12.010