Aktualisierung der Impfstrategie bei Multipler Sklerose

Impfungen sind bei Multipler Sklerose besonders wichtig, weil Infektionen den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen können. (Bild: © guerrieroale/stock.adobe.com)

Die neuen Empfehlungen zur Impfstrategie bei Multipler Sklerose betonen die dringende Notwendigkeit einer proaktiven und frühzeitigen Impfung. Idealerweise sollte diese vor Beginn einer immunmodulatorischen Therapie erfolgen, um schwere Infektionen und Krankheitsrisiken zu minimieren. Als Hilfestellung für den Praxisalltag hat der KKNMS e.V. in diesem Zusammenhang die Pocketcard Impfen aktualisiert.

Aufgrund ihrer Erkrankung und der oft immunsupprimierenden Therapien sind Patienten mit Multipler Sklerose (MS) besonders gefährdet, schwere Infektionen zu erleiden, die zu Schüben und bleibenden Behinderungen führen können. Die aktuelle Strategie empfiehlt, notwendige Impfungen möglichst gut zu planen und frühzeitig abzuschließen, idealerweise bevor eine neue verlaufsmodifizierende Immuntherapie begonnen wird.

„Eine frühzeitige Impfung ist ein entscheidender Baustein in der Behandlung der MS, da jede vermeidbare Infektion den Verlauf der MS negativ beeinflussen kann. Es müssen aber immer auch die individuellen Risiken geprüft werden, um die Immuntherapie wie auch die Impfung für Patienten mit MS als integralen Bestandteil ihres langfristigen Krankheitsmanagements sicher zu gestalten“, erklärt Prof. Frauke Zipp, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie an der Universitätsmedizin Mainz. Prof. Ralf Linker, Direktor der Neurologischen Klinik der Universitätsklinik Regensburg und Vorstandssprecher des KKNMS e.V. ergänzt: „Der Auftrag des Kompetenznetzes MS ist es, mit klaren Impfempfehlungen und Handlungsanweisungen den Praxisalltag der Kolleginnen und Kollegen zu erleichtern und fundierte Informationen zu liefern.“

Welche Impfungen wann entscheidend sind

Klar definierte Impfrichtlinien sind entscheidend, um Patienten mit MS besser zu schützen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Eine individuelle Beratung durch den behandelnden Neurologen, bei der die Lebenssituation, die Therapiestrategie und mögliche Begleiterkrankungen berücksichtigt werden, ist hierfür unerlässlich. Zu den essenziellen Impfungen gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zum Schutz vor Infektionen zählen Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis, Keuchhusten, Hepatitis B, Grippe (Influenza), Herpes Zoster, Pneumokokken, Meningokokken und SARS-CoV-2 (Covid-19).

In ihrer Studie präsentieren Schraad und Kollegen (2025) auf der Grundlage einer Literaturrecherche einen evidenzbasierten deutschen Expertenkonsens mit Empfehlungen zur Art und zum Zeitpunkt von Impfungen bei Immuntherapien bei neurologischen Autoimmunerkrankungen. Im Idealfall wird bereits zum Zeitpunkt der Diagnose geimpft. Da jede Immuntherapie die spezifische humorale und zelluläre Reaktion auf die Impfung beeinflussen kann, ist es generell ratsam, die Impfung spätestens 2-4 Wochen vor Beginn der Immuntherapie abzuschließen. Bei einem aktiven entzündlichen Krankheitsverlauf der MS mit dem Risiko möglicher irreversibler neurologischer Ausfälle ist eine Verzögerung des Therapiebeginns bis zum Abschluss der Immunisierung jedoch nicht zu rechtfertigen. Die Anwendung von Lebendimpfstoffen ist für die meisten Immuntherapien kontraindiziert und wird nur nach einer strengen Nutzen-Risiko-Abwägung empfohlen. Detaillierte Empfehlungen zu den jeweiligen Impfzeitpunkten für die verschiedenen MS-Wirkstoffe finden sich in der KKNMS e.V. „Pocketcard Impfen“ (Version 0.0.3, Stand: 16.01.2026).

Außerdem interessant zum Thema Multiple Sklerose:

Multiple Sklerose: Künstliche Intelligenz bringt Neubewertung des Krankheitsverlaufs

Multiple Sklerose: Wechseljahre führen zu Unterschieden im Krankheitsbild