Aktualisierung S3-Leitlinie zum Endometriumkarzinom15. Juli 2024 Foto: © 8lom123/stock.adobe.com Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie zum Gebärmutterkörperkrebs überarbeitet. Unter anderem gibt es neue Erkenntnisse zu Risikofaktoren und zur Strahlen- sowie medikamentösen Therapie, die in die aktualisierten Leitlinienempfehlungen eingeflossen sind. Der Einfluss von Hormonen auf das Risiko für ein Endometriumkarzinom ist Gegenstand zahlreicher Studien. Orale Kontrazeptiva und Intrauterinpessare reduzieren das Erkrankungsrisiko. Unstrittig ist, dass eine alleinige Hormonersatztherapie mit Östrogenen ohne Gestagenschutz ein Risiko-erhöhender Faktor ist, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). „Die Studienergebnisse zur kombinierten Hormonersatztherapie sind uneinheitlich. Relevante Kriterien sind hier die verwendeten Gestagene und die Anwendungsdauer. Wir als Leitlinienautorinnen und -autoren vertreten auf Grundlage der publizierten Studien die Meinung, dass eine sequenziell-kombinierte Hormonersatztherapie mit einer Anwendungsdauer unter 5 Jahren und unter Verwendung eines synthetischen Gestagens hinsichtlich des Endometriumkarzinom-Risikos als sicher anzusehen ist“, kommentiert Prof. Clemens Tempfer, Marien Hospital Herne. Er ist zusammen mit Prof. Sara Brucker, Universitätsklinikum Tübingen und Prof. Eric Steiner, Gynäkologisches Krebszentrum Rüsselsheim, Koordinator der Leitlinie. Therapieoptionen „Die Strahlentherapie kann in fortgeschritteneren Stadien oder nach einer Operation zum Einsatz kommen. In der Leitlinie haben wir nun präzisieren können, in welchen Fällen eine vaginale Brachytherapie – also eine Bestrahlung von der Scheide aus – und in welchen eine Perkutanbestrahlung – angebracht ist“, erkärt Brucker und fährt fort: „Neue Daten lassen auch darauf schließen, dass in bestimmten Fällen die Brachytherapie nicht nur das Rückfallrisiko der Patientinnen minimiert, sondern auch einen positiven Effekt auf das Gesamtüberleben haben kann – entsprechend haben wir hier die Leitlinienempfehlungen angepasst“. Patientinnen mit einem hohen Rezidivrisiko werden oftmals mit einer Chemotherapie behandelt. Studien zeigen, dass die Kombinationstherapie aus den Wirkstoffen Carboplatin/Paclitaxel bei einem Karzinosarkom zu einem besseren progressionsfreien Überleben führen kann. Für Patientinnen mit einem Rezidiv oder fortgeschrittener Erkrankung können zudem Immuntherapien infrage kommen, wenn sie zuvor eine Chemotherapie erhalten haben und einen bestimmten molekularen Subtyp aufweisen. Bei einer Kombinationstherapie ist laut den Leitlinienempfehlungen jedoch auf ein ausführliches Toxizitätsmanagement zu achten, da es zu schwereren Nebenwirkungen kommen kann. Auch hier wurden die Leitlinienempfehlungen an neue evidenzbasierte Erkenntnisse angepasst. Hintergrund Ziel der Leitlinie ist es, evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Patientinnen mit Endometriumkarzinomen zu verbessern. Auch die Behandlung seltener histologischer Subtypen und erblicher Varianten wird thematisiert. Die S3-Leitlinie entstand unter Federführung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), vertreten durch die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) und durch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie unter Mitwirkung von 37 Fachgesellschaften und Organisationen.
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