Akute Lungenembolie: Gezieltes und wirksames Eingreifen mittels Katheter

Darstellung Lungenembolie. (Abbildung/KI-generiert: © abu/stock.adobe.com)

Risikopatienten mit akuter Lungenembolie können von einer gezielten ultraschallunterstützten, kathetergesteuerten Therapie profitieren. Das zeigt eine Studie unter wissenschaftlicher Leitung der Universitätsmedizin Mainz.

Darin untersuchten die Autoren die Wirksamkeit eines Verfahrens, bei dem ein thrombolytisches Medikament über einen Katheter direkt in die Lungenarterien verabreicht und das Gerinnsel mit Ultraschallenergie behandelt wird. Im Vergleich zur Standardtherapie mit blutverdünnenden Medikamenten allein waren die Sterblichkeit oder ein lebensbedrohlicher Kreislaufeinbruch dabei um 61 Prozent geringer. Die Studienergebnisse wurden im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Bei Patienten mit mittlerem oder hohem Risiko kann eine akute Lungenembolie die Fähigkeit des Herzens, Blut durch die Lunge zu pumpen, so stark beeinträchtigen, dass sie lebensbedrohlich ist. Etwa 15 Prozent der Betroffenen versterben an den Folgen der akuten Lungenembolie. Durch Thrombolytika können Gefäßverschlüsse zwar wirksam aufgelöst werden, allerdings erhöhen sie das Risiko für schwere Blutungen, insbesondere im Gehirn. Deshalb werden sie bisher in der Regel nur in den schwersten Fällen eingesetzt.

Vergleich mit der bisherigen Standardtherapie

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Univ.-Prof. Stavros Konstantinides, Ärztlicher Direktor des Centrums für Thrombose und Hämostase (CTH) der Universitätsmedizin Mainz, hat in der HI-PEITHO-Studie (Ultrasound-facilitated, Catheter-directed, Thrombolysis in Intermediate-high Risk Pulmonary Embolism) die klinische Wirksamkeit und Sicherheit einer alternativen Behandlungsmethode untersucht und mit der bisherigen Standardtherapie der akuten Lungenembolie verglichen.

Die untersuchte Methode setzt gezielt an: Ein Katheter wird über eine Vene in der Leiste bis in die Lunge geführt. Dadurch kann das thrombolytische Medikament direkt ins Blutgerinnsel abgegeben werden. Zusätzlich wird bei dem Verfahren Ultraschallenergie eingesetzt, die den Abbau des Gerinnsels beschleunigt. Dadurch wird die Behandlungszeit reduziert und die notwendige Thrombolytika-Dosis gesenkt.

HI-PEITHO-Studie: Kathetereinsatz verbessert Prognose bei geringem Blutungsrisiko

„Die HI-PEITHO-Studie ist die bisher größte und erste ihrer Art auf dem Gebiet der Lungenembolie. Sie zeigt, dass ein Kathetereingriff wirksam sein und die Prognose für bestimmte Patienten und Patientinnen mit schwerer Lungenembolie bei einem niedrigen Risiko für Blutungskomplikationen verbessern kann“, sagt Konstantinides. An der multizentrischen Studie nahmen 544 erwachsene Patienten mit akuter Lungenembolie und mittlerem bis hohem Komplikationsrisiko aus Deutschland teil, ebenso wie aus sieben weiteren europäischen Ländern und den USA. Während eine Gruppe die ultraschallgestützte katheterbasierte Thrombolyse sowie zusätzlich die Standardtherapie mit Antikoagulanzien erhielt, wurde die Kontrollgruppe mit Antikoagulanzien allein behandelt.

Innerhalb der ersten sieben Tage nach der Behandlung lag die Sterblichkeit oder ein lebensbedrohlicher Herz-Kreislaufkollaps in der Katheter-Gruppe bei vier Prozent und in der Kontrollgruppe bei 10,3 Prozent. Das entspricht einer signifikanten Senkung des primären Endpunktes der Studie um 61 Prozent nach ultraschallunterstützter und kathetergesteuerter Behandlung. Schwere Komplikationen traten insgesamt selten auf und Hirnblutungen wurden in keiner der Gruppen beobachtet.

Die HI-PEITHO-Studie wurde von der Universitätsmedizin Mainz initiiert und wissenschaftlich mit geleitet. Die Durchführung erfolgte in Partnerschaft mit dem Pulmonary Embolism Response Team (PERT) Consortium in den USA und dem Studiensponsor Boston Scientific.