Akute Nierenschädigung zehnmal schneller erkennen20. Mai 2022 Dr. Christopher Özbek, Prof. Markus van der Giet, Bartosz Reinhold. Foto: Privat Die akute Nierenschädigung (engl. acute kidney injury, AKI) kommt im klinischen Alltag häufig vor. Sie ist gekennzeichnet durch die rasche Verschlechterung der Nierenfunktion mit schwerer Krankheitslast mit teilweise tödlichem Ausgang. Das Team der nun erfolgten Ausgründung der Nephrolytix GmbH aus der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat eine Lösung entwickelt, welche das Potential hat, die Erkennung von AKI von aktuell 48 bis 72 Stunden auf ein Zehntel zu reduzieren. Unterstützt wurde das Vorhaben durch Charité BIH Innovation, dem gemeinsamen Technologietransfer der Charité und des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), im Programm BIH Digital Health Accelerator. Um akute Nierenschäden (AKI) zu erkennen, messen Mediziner*innen in der klinischen Routine eine Reihe von Biomarkern, wobei die Ergebnisse erst 48 bis 72 Stunden später vorliegen. Das verzögert erheblich das therapeutische Eingreifen. Das Team von Nephrolytix um Prof. Markus van der Giet von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin der Charité hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem es die AKI bereits innerhalb der ersten sieben Stunden diagnostizieren kann – in weniger als einem Zehntel der Standardzeitspanne. Das Team nutzt hierzu eine Datenbank mit Daten zu bereits erfassten AKI-Fällen, ein Protokoll zur Kontrastmittelmessung sowie eine selbst entwickelte Software. Das Verfahren lässt sich leicht und überall in die heutigen klinischen Arbeitsabläufe integrieren und verspricht angesichts der niedrigen Komponentenkosten eine substanzielle Verbesserung sowohl der Patientenoutcomes als auch der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems.„Unsere Innovation wurde geboren als Folge eines klinischen Bedarfs, den wir als Nephrologen der Charité täglich erfahren. Sie basiert auf jahrelanger Forschungstätigkeit, deren Ergebnisse erfolgreich in die Charité-Ausgründung Nephrolytix überführt werden konnten. Diesen Forschungstransfer hat erst das BIH mit seinem Digital Health Accelerator Programm ermöglicht.“, erklärt Prof. Markus van der Giet, Erfinder der Technologie und der Chief Medical Officer & Gründer der Nephrolytix.Bartosz Reinhold, CEO & Gründer der Nephrolytix ergänzt: „Die Vision von Nephrolytix ist die Etablierung eines neuen Goldstandards in der Nierenfunktionsdiagnostik, um Millionen von Patienten zu helfen. Um diese Vision zu erreichen, entwickeln wir Produkte, die zukünftig Ärzte weltweit einsetzten können. Die Nephrolytix hat damit das Ziel, diese Skalierung zu ermöglichen.“Beispiel für medizinische Translation aus der klinischen Forschung in die VersorgungMit der Nephrolytix GmbH geht die inzwischen siebte Ausgründung aus dem BIH Digital Health Accelerator-Programm hervor. Professor Christopher Baum, Vorsitzender des Direktoriums des BIH und Vorstand des Translationsforschungsbereiches der Charité, kommentiert: „Wir sehen die erfolgreiche Entwicklung unseres DHA-Programms mit Freude. Einerseits unterstreicht sie das hohe Potential für medizinische Translation aus der Charité und dem BIH, gerade auch im Bereich der digitalen Medizin. Andererseits belegt sie die Relevanz und Leistungsfähigkeit professioneller interner Förderinstrumente wie des BIH DHA- und des SPARK-BIH-Programms, um neue medizinische Lösungen in die Anwendung zu übertragen. Das BIH erfüllt damit seine Mission „Aus Forschung wird Gesundheit“ sowie einen bundespolitischen Auftrag und leistet einen gesellschaftlichen Beitrag.“Thomas Gazlig, Leiter von Charité BIH Innovation, bei dem das BIH DHA-Programm angesiedelt ist, fügt hinzu: „Nun trägt der Aufbau einer Pipeline an Entwicklungs- und Transferprojekten sichtbar Früchte. Wir arbeiten mit aller Kraft daran, diese Pipeline unserer beiden Förderinstrumente weiter zu stärken.“ Auch wenn bei wirtschaftlichen Erfolgen ein erheblicher Teil der Erlöse wieder in neue Entwicklungsprojekte fließen werde, so würde jedoch weiterhin die Unterstützung durch öffentliche Mittel wie der bisherigen Sonderfinanzierung des Bundes benötigt.Tim Huse, Leiter des BIH DHA-Programms, ergänzt: „Mit der bereits siebten Ausgründung aus dem Programm steigt die Anzahl an Transfererfolgen weiter. Den entwickelten Ansatz und die gewonnene Erfahrung möchten wir gern auch mit anderen Universitätskliniken teilen, um die Entwicklung und Realisierung innovativer Digital Health-Produkte und -Unternehmen bundesweit zu unterstützen.“ Startvoraussetzungen seien das Interesse der Einrichtungen sowie der politische Wille als Impuls.
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