Allergien im Kindesalter: Nicht jede Sensibilisierung bleibt bestehen15. Oktober 2026 Symbolbild: © Alex M – stock.adobe.com Eine Kohortenstudie zeigt unterschiedliche Verläufe von Sensibilisierungen gegen Erdnuss sowie verschiedene Schalenfrüchte. Selbst gegen Allergenkomponenten, die mit systemischen Reaktionen assoziiert sind, können Sensibilisierungen verschwinden. Sensibilisierungen gegen wichtige Erdnusskomponenten sind häufig schon früh nachweisbar und bestehen auch mit fünf Jahren noch, so das Ergebnis einer kanadischen Kohortenstudie. Bei verschiedenen anderen Schalenfrüchten wie Cashew, Haselnuss, Walnuss und Pistazie treten sie dagegen oft erst später auf. Gleichzeitig können selbst Sensibilisierungen gegen Allergenkomponenten, die mit systemischen allergischen Reaktionen in Zusammenhang stehen, im Laufe der Zeit wieder verschwinden. Die Untersuchung der Kinder im Alter von einem und fünf Jahren erfasste Veränderungen während der frühen Kindheit, die bei einer einmaligen Untersuchung verborgen geblieben wären. Die Ergebnisse können damit individuelle Entscheidungen zu Prävention, Diagnostik und Behandlung unterstützen. Allergenkomponenten erlauben genauere Einblicke Nahrungsmittelallergien sind schon im frühen Kindesalter medizinisch relevant. Ob eine Allergie voraussichtlich bestehen bleibt oder wieder verschwindet, kann die weitere Betreuung und Behandlung beeinflussen. Dabei gilt es, zwischen Sensibilisierung und tatsächlicher Allergie zu unterscheiden. Der Nachweis spezifischer Immunglobulin-E(IgE)-Antikörper allein bedeutet noch nicht, dass der Verzehr des betreffenden Lebensmittels auch Beschwerden verursacht. Gerade für Nordamerika fehlten bisher detaillierte Daten darüber, wie sich solche Sensibilisierungen auf molekularer Ebene in den ersten Lebensjahren entwickeln. Diese Lücke adressiert die aktuelle Studie, deren Ergebnisse nun in „Allergy“ publiziert wurden. „Gerade bei kleinen Kindern ist ein positiver Allergietest zunächst einmal eine Momentaufnahme“, sagt Prof. Thomas Eiwegger, Leiter der Klinischen Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Universitätsklinikum St. Pölten (Österreich). „Für die weitere Einschätzung müssen wir wissen, ob eine Sensibilisierung bestehen bleibt, wieder verschwindet oder erst später auftritt. Die Analyse einzelner Allergenkomponenten liefert uns dafür wichtige Informationen und hilft, Risiken und Möglichkeiten zur Behandlung gemeinsam mit den Familien abzuwägen.“ 500 Mutter-Kind-Paare untersucht Untersucht wurden Proben von 500 Mutter-Kind-Paaren aus der kanadischen CHILD Study. Dafür arbeitete das Forschungsteam mit Kollegen kanadischer Universitäten und pädiatrischer Forschungszentren zusammen. Von den Müttern standen Blutproben aus der Schwangerschaft zur Verfügung, von den Kindern Proben aus dem Alter von einem und fünf Jahren. Analysiert wurden rund 300 Allergenextrakte und einzelne Allergenkomponenten. Im Alter von einem Jahr wiesen 25,3 Prozent der Kinder eine spezifische IgE-Sensibilisierung auf, vier Jahre später waren es 40,4 Prozent. Zugleich veränderte sich das Spektrum der relevanten Allergene. Mit einem Jahr zählten Ei und Erdnuss zu den häufigsten Auslösern von Nahrungsmittelsensibilisierungen, mit fünf Jahren waren es Erdnuss und Schalenfrüchte. Auch Sensibilisierungen gegen Umweltallergene wie Katze, Hund, Hausstaubmilben und Gräserpollen wurden im Laufe dieser Jahre häufiger. Besonders deutlich unterschieden sich die Verläufe der Sensibilisierungen gegen Erdnuss- und Baumnusskomponenten. Etwa die Hälfte der Kinder mit einer Sensibilisierung gegen wichtige Erdnusskomponenten war bereits mit zwölf Monaten sensibilisiert – und blieb es bis zum fünften Lebensjahr. Bei Cashew, Haselnuss, Walnuss und Pistazie kamen Sensibilisierungen gegen wichtige Allergenkomponenten dagegen häufig erst später hinzu. Keine Bestätigung durch orale Provokationstests Es zeigte sich aber auch eine gegenläufige Entwicklung: Bei etwa jedem vierten Kind verschwand im Beobachtungszeitraum eine Sensibilisierung gegen wichtige sogenannte 2S-Albumine wieder. Diese Proteine gehören zu den bedeutenden Allergenkomponenten von Erdnuss, Schalenfrüchten und Sesam und sind wichtige Marker für Nahrungsmittelallergien, die mit systemischen Reaktionen einhergehen können. Solche zeitlichen Veränderungen werden auch für die Behandlung von Nahrungsmittelallergien immer wichtiger. Die orale Immuntherapie ist inzwischen Bestandteil entsprechender Behandlungsleitlinien und scheint besonders bei frühem Beginn wirksam zu sein. Daher ist es relevant, ob eine Sensibilisierung neu auftritt, über längere Zeit bestehen bleibt oder wieder verschwindet. Auf eine wichtige Einschränkung der Studie weisen die Autoren ausdrücklich hin: Es wurden keine oralen Provokationstests durchgeführt, mit denen sich eine klinische Nahrungsmittelallergie bestätigen lässt. Untersucht wurde also die Entwicklung von Sensibilisierungen. Aus den Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, dass ein Viertel der Kinder eine bereits bestehende Nahrungsmittelallergie wieder verliert.
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