Allgemeines cCMV-Screening von Neugeborenen: Leichte Hörminderung früher erkennen

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Im US-Bundesstaat Minnesota gibt es ein allgemeines Neugeborenen-Screening auf eine konnatale Zytomegalievirusinfektion (cCMV-Screening). Eine Studie zeigt: Audiologische Evaluationen erfolgten früher und mehr Fälle von leichter Hörminderung wurden identifiziert.

Seit 2023 ist im US-Bundesstaat Minnesota ein allgemeines cCMV-Screening für Neugeborene Pflicht. Es ist das erste cCMV-Screening für alle Neugeborenen in den USA. Fällt der Test – eine quantitative Polymerasekettenreaktion basierend auf einem getrockneten Bluttropfen – positiv aus, folgen weitere Maßnahmen. Das sind unter anderem ein Test auf CMV im Urin bevor der Säugling 21 Tage alt ist und gegebenenfalls eine Evaluation des Gehörs. Aber was bringen diese Maßnahmen für die Hörgesundheit der Kinder?

Diese Frage hatte die retrospektive Kohortenstudie des Autorenteams um Dr. Lily Holden von der University of Minnesota Medical School in Minneapolis im Fokus. Holden et al. haben die Auswirkungen des cCMV-Screenings in Minnesota untersucht. Sie konnten zeigen, dass das universelle Screening das Alter signifikant senkte, in dem Kinder erstmals audiologisch evaluiert wurden. Außerdem wurden mehr Diagnosen von leichter Hörminderung bei Säuglingen gestellt. Die Studie ist aktuell in „Otolaryngology–Head and Neck Surgery“ erschienen.

Studie verglich drei Kohorten: kein cCMV-Screening, empfohlen oder verpflichtend

Die cCMV-Infektion ist häufigste infektiöse Ursache für Geburtsfehler und häufigste nicht genetische Ursache für Hörverlust bei Säuglingen. Dieser kann fortschreitend sein oder sich erst später zeigen. So tritt etwa ein Drittel der Fälle von Hörverlust aufgrund einer cCMV-Infektion erst nach der Geburt auf, wie beispielsweise die retrospektive Kohortenstudie eines Teams aus Memphis zeigen konnte. Das therapeutische Fenster für eine antivirale Behandlung ist eng. Diese ist am wirksamsten, wenn sie innerhalb des ersten Lebensmonats begonnen wird.

Holden und ihre Kollegen untersuchten für ihre Studie Patienten unter 18 Jahren mit diagnostizierter cCMV-Infektion in den Jahren 2021 bis 2024. Sie analysierten drei Kohorten: Die erste Kohorte umfasste 2021 und früher, bevor ein cCMV-Screening eingeführt wurde. Die zweite Kohorte untersuchte Daten aus 2022, als ein cCMV-Screening empfohlen, aber nicht verpflichtend war. Fälle aus 2023 und später (verpflichtendes cCMV-Screening) bildeten die dritte Kohorte. Die Autoren werteten Patientenakten hinsichtlich Diagnostik und Behandlung der cCMV-Infektion aus.

Kinder deutlich jünger beim ersten Audiologen-Besuch

Insgesamt erfüllten132 Patienten die Einschlusskriterien. Es zeigte sich ein signifikanter Unterschied im Alter beim ersten Besuch beim Audiologen nach der cCMV-Diagnose zwischen den Kohorten 1 (0,71±1,8 Jahre), 2 (0,26±0,23 Jahre) und 3 (0,07±0,06 Jahre) (p = 0,02). Säuglinge wurden also deutlich früher audiologisch untersucht – im Durchschnitt nach etwa 25 Tagen nach Einführung des Screenings, verglichen mit etwa 8,5 Monaten vor dessen Einführung.

Im Vergleich zu 2022 zeigte die Studie ab 2023 ein signifikanter Anstieg der absoluten Anzahl an Diagnosen von leichter Schwerhörigkeit (8 vs. 2, p<0,01). Durch das verpflichtende Screening konnten also viermal so viele Fälle von leichter Hörminderung erkannt werden. Bei Diagnosen von schwerer bis hochgradiger Schwerhörigkeit bestand zwischen den Kohorten kein Unterschied (5 vs. 3, p=0,2). Zwischen den Kohorten 2 und 3 unterschied sich die absolute Anzahl der Patienten, die eine infektiologische (11 vs. 24), eine HNO-ärztliche (9 vs. 22) und eine antivirale Therapie (7 vs. 9) erhielten (p < 0,01).

Allgemeines cCMV-Screening verbessert Früherkennung leichter Hörminderung

Insgesamt benötigten ähnlich viele Säuglinge eine Behandlung wie antivirale Medikamente oder Hörgeräte. Trotzdem machten diese Fälle einen geringeren Anteil aller positiven Screenings aus. Das deutet nach Einschätzung der Autoren darauf hin, dass das allgemeine Screening eine größere Anzahl leichterer, zuvor unerkannter Fälle erfasst.

„Unsere Erfahrungen in Minnesota zeigen, dass ein allgemeines Screening auf eine cCMV-Infektion die Früherkennung leichter Hörverluste verbessert. Außerdem hat das Screening das Potenzial, die Lebensqualität betroffener Kinder zu steigern“, ordnete Studienautor Dr. Andrew J. Redmann die Ergebnisse ein. Der Assistenzprofessor für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie der Medizinischen Fakultät der Universität Minnesota hofft, dass die Erfahrungen in Minnesota Orientierungshilfe für Entscheidungsträger in anderen Bundesstaaten sein werden. Insgesamt ziehen die Studienautoren das Fazit, dass es weitere Forschung brauche, um die langfristigen audiologischen Ergebnisse und den Nutzen des allgemeinen Screenings zu bewerten. (ja/BIERMANN)