Alzheimer-Demenz: Plasma-Aβ42/Aβ40 wird bereits bei sehr geringer Amyloidlast auffällig

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Der Blutbiomarker Amyloid-beta(Aβ)42/Aβ40 wird im Krankheitsverlauf der Alzheimer-Demenz bereits sehr früh auffällig. Er könnte sich daher für die Identifizierung von Personen mit sehr geringer Amyloid-Last eignen, wie ein internationales Forscherteam in den „Annals of Neurology“ berichtet.

In jüngster Zeit wurde eine Reihe von blutbasierten Biomarkern etabliert, die bei der Diagnose der Alzheimer-Demenz hilfreich sind. Doch wann im Krankheitsverlauf „kippen“ die Konzentrationen der einzelnen Marker von unauffällig zu abnormal? Dieser auch für klinische Studien wichtigen Frage ging ein internationales Forscherteam nach und kommt zu dem Schluss, dass Plasma-Aβ42/Aβ40 bereits sehr früh abnormale Werte erreicht und damit für die Identifizierung von Personen mit sehr geringer Amyloid-Last nützlich sein könnte.

Wann werden die einzelnen Marker auffällig?

Um den Zeitpunkt der Veränderung der Plasma-Biomarker für Alzheimer (Aβ42/Aβ40, p-Tau217, p-Tau181, saures Gliafaserprotein [GFAP] und Neurofilament-Leichtkette [NfL]) zu bestimmen, ver­glichen die Forschenden die ­Messergebnisse 6 verschiedener Testplattformen mit etablierten Biomarkern der Amyloid- und Tau-Positronenemissions-Tomographie (PET).

Dazu analysierten sie zunächst Daten der Alzheimer‘s Disease Neuroimaging Initiative (ADNI), um bei 784 Personen mit longitudinaler Amyloid-PET und 359 Personen mit longitudinaler Tau-PET das Alter bei positivem PET-Befund zu bestimmen. Aus dieser Kohorte lagen für 190 Personen mit Amyloid-PET und von 70 Personen mit Tau-PET auch longitudinale Plasma-Biomarker-Messungen vor.

Biomarker sind der Bildgebung zeitlich voraus

In einer Untergruppe von 17 klinisch progressiven Patienten sagte das Alter bei Tau-PET-Positivität das Auftreten von Symptomen stark voraus, sodass die Forschenden daraus das Alter bei Symptombeginn schätzen konnten. Auf Basis all ­dieser Informationen modellierten die Forschenden dann unter Verwendung generalisierter additiver gemischter Modelle die jeweiligen Biomarker-Verläufe. Ihr Ziel war es, Zeitintervalle mit signifikanten ­Biomarker-Veränderungen und die frühesten Zeitpunkte, zu denen ­Biomarker vordefinierte Anomalie­schwellen überschritten, zu identifizieren.

Wie Korrespondenzautor Duygu Tosun von der University of California in San Francisco und Kollegen in den „Annals of Neurology“ berichten, wurden mit Ausnahme von NfL alle Plasma-Biomarker bereits vor Erreichen der festgelegten Schwellenwerte für Amyloid- und Tau-PET-Positivität abnormal. Plasma-Aβ42/Aβ40 wurde sowohl in der Amyloid-PET- als auch in der Tau-PET-Zeitleiste sehr früh abnormal, während Plasma-GFAP in der Tau-PET-Zeitleiste früh auffällig wurde. Die Plasma-Aβ42/Aβ40-Spiegel stagnierten, während die Plasma-p-Tau217-, p-Tau181-, GFAP- und NfL-Spiegel während des modellierten Krankheitsverlaufs anstiegen. Bei den verschiedenen Biomarker-Assays wurden einige Abweichungen hinsichtlich des Zeitpunkts dieser Veränderungen beobachtet.

Diese Ergebnisse deuteten darauf hin, dass Plasma-Aβ42/Aβ40 bei der Identifizierung von Personen mit sehr geringen Amyloid-Pathologien nützlich sein könnte. P-Tau, GFAP und NfL könnten hingegen bei der Einstufung des Krankheitsverlaufs hilfreich sein, lautet das Fazit der Autoren. (ej/BIERMANN)