Alzheimer-Forschung: Wie es zur krankhaft gesteigerten Hirnaktivität kommt12. Februar 2018 Graphik: © solvod – Fotolia.com Physiologen der Universität Tübingen entdecken einen Mechanismus, der die gesteigerte Freisetzung erregender Botenstoffe in der Großhirnrinde bewirkt – und Ansatzpunkte für neue Therapien der Alzheimer-Demenz bietet. Vor einigen Jahren war es dem Forscherteam um Prof. Olga Garaschuk vom Institut für Physiologie der Universität Tübingen gelungen zu zeigen, dass die Alzheimer-Demenz im Mausmodell mit einer auffällig gesteigerten Aktivität der Nervenzellen im Gehirn einhergeht. Ähnliche Befunde gab es bereits von menschlichen Alzheimer-Patienten. Nun konnte Garaschuks Forscherteam einen wichtigen Mechanismus dieser neuronalen Hyperaktivität bei Mäusen klären: Bei Tieren mit krankhaft gesteigerter Aktivität der Nervenzellen im Gehirn waren die Kalziumspeicher in der präsynaptischen Zelle fehlreguliert. „Dadurch wird eine größere Menge an Neurotransmittern in der Großhirnrinde freigesetzt, was zur Hyperaktivität der Nervenzellen führt“, sagte die Wissenschaftlerin. Die Studie zeigt, wie sich aus den neuen Erkenntnissen Therapieansätze vor allem für die genetisch bedingte familiäre Alzheimer-Krankheit ergeben. Alzheimer tritt beim Menschen meistens sporadisch auf, größter Risikofaktor ist ein steigendes Lebensalter. Bei einem Teil der Erkrankten liegt jedoch auch eine erbliche Veranlagung für die Krankheit vor. Bei der familiären Alzheimer-Krankheit tragen 90 Prozent der Betroffenen eine Mutation im sogenannten Presenilin-Gen. „Interessanterweise reicht bei der Maus eine einzige Kopie eines solchen mutierten Gens aus, um die durch die Kalziumspeicher vermittelte neuronale Hyperaktivität hervorzurufen“, berichtete Garaschuk. Wirkstoffe, welche die Kalziumspeicher in der Zelle entleeren oder, wie ein zugelassenes Medikament es tut, die Freisetzung von Kalzium aus dem Speicher blockieren, unterdrücken die krankhafte Hyperaktivität. „Dadurch normalisiert sich die Funktion der Großhirnrinde“, sagte die Wissenschaftlerin. Diese Ergebnisse könnten in die Etablierung neuer Therapieansätze bei Alzheimer-Medikamenten einfließen. Originalpublikation: Lerdkrai C et al.: Proc Natl Acad Sci USA, 22. Januar 2018
Mehr erfahren zu: "Bewährungsstrafe für Kinderpsychiater Winterhoff" Bewährungsstrafe für Kinderpsychiater Winterhoff Das Bonner Landgericht hat den Kinderpsychiater und Sachbuchautor Michael Winterhoff wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Kammer befand den 71-Jährigen der vorsätzlichen Körperverletzung in […]
Mehr erfahren zu: "Mehr Jugendliche suchen Hilfe bei Transidentität" Mehr Jugendliche suchen Hilfe bei Transidentität Eine steigende Zahl Jugendlicher fühlt sich nicht mehr wohl im eigenen Körper. Ist das mehr als ein vorübergehendes Gefühl?
Mehr erfahren zu: "„Intelligente“ Hirnschrittmacher für die Behandlung von Parkinson" „Intelligente“ Hirnschrittmacher für die Behandlung von Parkinson Mit der Zulassung der ersten adaptiven tiefen Hirnstimulation (THS) 2025 in den USA und Europa steht eine neue Generation „intelligenter“ Hirnschrittmacher für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Morbus […]