Alzheimer-Krankheit: Frühzeitige Eierstockentfernung und APOE4-Allel können das Risiko erhöhen9. Dezember 2024 Foto: © fizkes/stock.adobe.com Eine Studie der Universität Toronto, Kanada, zeigt, dass Frauen, denen vor dem 50. Lebensjahr beide Eierstöcke operativ entfernt wurden und die das APOE4-Allel tragen, ein hohes Risiko haben, im späteren Leben an Alzheimer zu erkranken. Es ist noch unklar, warum die Alzheimer-Krankheit bei Frauen häufiger auftritt als bei Männern, aber es könnte mit frühen Lebensereignissen wie der Entfernung der Eierstöcke (Oophorektomie) zu tun haben, schreiben die Forscher eingangs. APOE4, eine Variante des Apolipoprotein-Gens, ist ein bekannter Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit in der Allgemeinbevölkerung, stellt aber bei Frauen ein größeres Risiko dar, informieren sie weiter. Die Forscher analysierten eine Kohorte von 34.603 Frauen aus einem großen Datensatz, der UK Biobank. Sie fanden heraus, dass in dieser Kohorte Frauen, bei denen beide Eierstöcke im Alter von etwa 43 Jahren operativ entfernt wurden (bilaterale Oophorektomie), ein viermal höheres Risiko hatten, an Alzheimer zu erkranken, als Frauen, die im Durchschnittsalter von 54 Jahren in die natürliche Menopause kamen. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Journal of Alzheimer’s Disease“ veröffentlicht. Verlauf der Studie Das Forscherteam unter der Leitung von Prof. Gillian Einstein von der Universität Toronto, untersuchte die Risiko- und Resilienzfaktoren für die Alzheimer-Krankheit bei Frauen, die früh im Leben ihre Östrogene verloren haben. „Eine unserer wichtigsten Erkenntnisse war die Tatsache, dass der Verlust des natürlich vorkommenden (endogenen) Hormons Östradiol infolge der chirurgischen Entfernung beider Eierstöcke mit dem APOE4-Allel interagieren könnte, um das Alzheimer-Risiko weiter zu erhöhen. Das versetzt Frauen mit frühzeitiger bilateraler Oophorektomie und APOE4 in einen Zustand doppelter Gefährdung“, berichtet Einstein. In der Studie wurden auch Resilienzfaktoren ermittelt, die mit dem Alzheimer-Risiko dieser Frauen in Verbindung stehen. Ein hohes Bildungsniveau war mit einer um 9 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden, an Alzheimer zu erkranken, und zwar bei Frauen mit beiden Arten von Wechseljahren – der durch die Entfernung der Eierstöcke und der durch das Altern verursachten. Das stützt laut den Forschern damit frühere Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Bildung sowohl bei Frauen als auch bei Männern eine Form der kognitiven Resilienz darstellt. Überraschenderweise gab es auch einen bescheidenen Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und dem Alzheimer-Risiko, allerdings nur bei den Frauen mit früher bilateraler Oophorektomie. Jede zusätzliche BMI-Einheit war mit einem um 7 Prozent geringeren Risiko für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit verbunden. „Ein höherer BMI könnte bei Frauen, denen die Eierstöcke entfernt wurden, mit einem geringeren Alzheimer-Risiko verbunden sein, weil das Fettgewebe Östron produziert, das in Ermangelung von Östradiol aufgrund der Oophorektomie zur Aufrechterhaltung der kognitiven Funktion im frühen mittleren Alter beitragen kann“, erklärt die Erstautorin Dr. Noelia Calvo. Hormontherapie mindert das Risiko Bemerkenswert ist, so die Wissenschaftler, dass bei Frauen mit frühzeitiger bilateraler Oophorektomie die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, weniger als halb so hoch war wie bei Frauen, die keine Hormonbehandlung erhalten hatten. „Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung östrogenbasierter Therapien für die Verringerung des Alzheimer-Risikos bei Frauen, denen die Eierstöcke vor dem 50. Lebensjahr operativ entfernt wurden“, sagt Co-Autorin Prof. Esme Fuller-Thomson. „Interessant ist jedoch, dass eine Hormontherapie nicht mit einem geringeren Alzheimer-Risiko bei denjenigen verbunden war, die im Alter von 51 Jahren oder älter in die natürliche Menopause kamen“, fügt sie hinzu. Die Forscher erwogen mögliche Gründe für diese Diskrepanz. „Es könnte daran liegen, dass Frauen, denen die Eierstöcke entfernt wurden, in ihrem frühen Leben einen Östradiolverlust erlitten haben, als der Bedarf an diesem Hormon am größten war, da sie im Durchschnitt 11 Jahre früher in die Wechseljahre kamen als Frauen, die die natürliche Menopause durchlaufen hatten“, so Calvo. Insgesamt erweitern die aktuellen Ergebnisse laut den Forschern frühere Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass Frauen mit frühzeitiger bilateraler Oophorektomie aufgrund eines Zusammenhangs zwischen APOE4 und Östradiolverlust in dieser Kohorte ein hohes Risiko für die Alzheimer-Krankheit haben.
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