Ambulante Ess-Störungen bei Teenagern nahmen während der Pandemie zu

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Jugendliche haben besonders unter den Schutzmaßnahmen gelitten, die während der COVID-19-Pandemie erlassen wurden. Dies zeigte sich in einer Zunahme psychischer Erkrankungen, insbesondere von Ess-Störungen, bei Teenagern. Die Schwere von Ess-Störungen blieb von der Pandemie hingegen unbeeinflusst, wie aus einer Studie aus Deutschland hervorgeht.

Für diese hatte das Team um Erstautorin Friederike I. Tam von der Universität Dresden Daten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)  für die Altersgruppe der 10- bis 16-Jährigen ausgewertet. Ziel war es, mögliche pandemiebedingte Veränderungen in der Prävalenz von Ess-Störungen im ambulanten Bereich im Vergleich zu anderen psychischen Störungen zu untersuchen. Außerdem evaluierten die Forschenden mithilfe von Daten aus dem multizentrischen Deutschen Register für Kinder und Jugendliche mit Anorexia nervosa, ob die Schwere der Ess-Störung bei Betroffenen in derselben Altersgruppe durch die Pandemie zugenommen hatte.

Die Auswertung der GKV-Daten ergab einen deutlichen Anstieg der administrativen Prävalenz von Ess-Störungen im ambulanten Bereich bei Mädchen, jedoch nicht bei Jungen. Ein ähnliches Muster stellten die Forschenden für internalisierende Störungen fest, während die administrative Prävalenz von externalisierenden Störungen während der Pandemie in beiden Geschlechtern zurückging.

Auf den Schweregrad der Anorexia nervosa stationärer Patienten hatte die Pandemie hingegen keinen Einfluss. Dies betraf sowohl den Body-Mass-Index bei der Aufnahme als auch den Gewichtsverlust vor der Aufnahme, psychiatrische Komorbiditäten und die Einnahme von Psychopharmaka.

Dass die Pandemie offenbar keine Auswirkungen auf den stationären Bereich hatte, die administrative Prävalenz im ambulanten Bereich jedoch deutlich zugenommen hat, könnte den Autoren zufolge auch auf eine Verlagerung der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen hin zu ambulanten Diensten während der Pandemie zurückzuführen sein. Unter erneuten Pandemiebedingungen könnte die höhere Zahl von jungen Patienten, die eine spezialisierte und zeitnahe ambulante Versorgung benötigen, ein großes Problem darstellen, geben die Forschenden zu bedenken.

Fazit
Während die administrative Prävalenz von Ess- und internalisierenden Störungen bei Mädchen im ambulanten Bereich während der Pandemie deutlich anstieg, blieb der Schweregrad stationär behandelter Anorexie-Fälle unverändert. (ej)

Autoren: Tam FI et al.
Korrespondenz: Friederike I. Tam;  [email protected]
Studie: The impact of the COVID-19 pandemic on administrative eating disorder prevalence in the outpatient sector and on severity of anorexia nervosa
Quelle: Eur Child Adolesc Psychiatry 2025 Mar;34(3):983–995.
Web: https://doi.org/10.1007/s00787-024-02527-2