Ambulante Kinder- und Jugendärzte wollen klimaneutrale Praxen bis 203025. Mai 2022 Foto: © Parradee – stock.adobe.com Der 125. Deutsche Ärztetag hat an die Entscheider im Gesundheitswesen appelliert, alles zu veranlassen, damit das deutsche Gesundheitswesen bis zum Jahr 2030 klimaneutral arbeitet. Die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte wollen nun vorangehen und ihre Praxen schon heute klimaneutral gestalten. „Wir Kinder- und Jugendärzte wollen nicht mehr länger warten, wir handeln jetzt”, erklärte Dr. Marco Heuerding, Landespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Bremen und Sprecher der Initiative. „Das deutsche Gesundheitswesen ist nach Angaben des ‘Lancet’ für die Emission von 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten verantwortlich. Das sind 5,2 Prozent der gesamten Emissionen Deutschlands. Das Gesundheitswesen hat daher ein großes Potenzial, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und damit die Gesundheit unserer Patienten zu erhalten. Zu diesen Maßnahmen gehören: die Reduktion von CO2-Emissionen von Gebäuden und Liegenschaften von Krankenhäusern und Praxen ressourcensparender Umgang mit diagnostischen und therapeutischen Substanzen während des gesamten Prozesses (Herstellung, Transport, Distribution, Verwendung und Entsorgung) Ersatz hoch klimaschädlicher Narkosegase und Asthmainhalatoren durch klimafreundlichere.” Insbesondere Praxen könnten durch eine Reihe von Maßnahmen eine wesentliche Rolle im Klimaschutz spielen, erklärte Heuerding. Dazu gehörten beispielsweise – die Umstellung auf Ökostrom, – die Einforderung der energetischen Sanierung der Gebäude – umweltfreundliche Heizsysteme wie Wärmepumpen – die Umstellung der Beleuchtung der Praxen auf LED-Beleuchtung – eine elektronische Steuerung der Heizkörper mit intelligenten Thermostaten, die eine Heizung nur zu den Praxiszeiten ermöglichen – Jobrad-Angebote und Tickets für den öffentlichen Nahverkehr für Mitarbeiter – Nutzung von Recycling-Produkten wie Recyclingpapier für Drucker, Liegenauflagen und Einmalhandtüchern – Kompensation des verbleibenden CO2-Abdrucks durch Abgaben für Klimaschutzprojekte wie Aufforstung oder Wiedervernässung von Mooren. “All diese Ideen tragen dazu bei, unseren Kindern eine sichere und gesunde Zukunft zu ermöglichen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren, es kommt auf jeden Einzelnen von uns an, sein Möglichstes zu tun, um unseren Kindern und Enkeln eine Zukunft zu ermöglichen”, appellierte Heuerding. Besonders sichtbar seien die Folgen des Klimawandels schon heute in Afrika: Allein am Horn von Afrika seien wegen der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten Millionen Menschen von schwerem Hunger bedroht. Aufgrund der Klimakatastrophe habe es in Teilen von Ostafrika seit Jahren nicht mehr geregnet, erklärte Heuerding. “Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden in diesem Jahr 6,3 Millionen Kinder unter fünf Jahren in der Region akut unterernährt sein. Mehr als 260.000 Kinder unter fünf Jahren sind in acht Ländern im Osten Afrikas in diesem Jahr bisher an extremem Hunger oder damit zusammenhängenden Krankheiten gestorben.” “Wir können nicht mehr so tun, als hätten wir Zeit” Um das bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 gesteckte Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, muss die Welt die Nettotreibhausgasemissionen zwischen 2045 und 2060 auf null zurückfahren und damit einen sehr ambitionierten Klimaschutz betreiben. “Ungefähr sieben Jahre bleiben uns noch, bis das verbleibende CO2-Budget für eine Erwärmung der Atmosphäre um maximal 1,5 Grad aufgebraucht ist. Die Beschlüsse der Politik empfinden wir als unzureichend. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und ein Ende aller fossilen Brennstoffe muss ein primäres Ziel aller politisch Verantwortlichen sein. Wir wollen nicht mehr warten, sondern selbst handeln. In unseren Praxen Klimaneutralität schnell zu erreichen, ist unser Beitrag zum Umwelt- und Gesundheitsschutz.“
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