Ambulante Notfallversorgung vor dem Kollaps?24. Oktober 2022 Foto: stokkete – stock.adobe.com Nach Ansicht des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) muss die Notfallversorgung reformiert werden, um einen Kollaps des Systems zu verhindern und macht Vorschläge. Gleich zu Beginn seines Statements in der Vorabpresskonferenz anlässlich des DKOU berichtete Dr. Burkhard Lembeck, Präsident des BVOU und niedergelassener Orthopäde und Unfallchirurg in Ostfildern bei Stuttgart, von der Situation in seinem Landkreis Esslingen: „Flächendeckend sind Notaufnahmen abgemeldet und Patienten werden über weite Strecken gefahren, bis sie in eine Klinik gelangen, die die Notfallpatienten aufnehmen kann.“ Und das liege mittlerweile immer seltener an Corona sondern zunehmend am Personalmangel – eine Situation, die sich schon seit längerem abzeichne, so Lembeck. In den Notaufnahmen der Krankenhäuser zählen laut Lembeck akute Verletzungen zu den TOP 10 aller gestellten Diagnosen, in der ambulanten Notfallversorgung legen Zahlen nahe, dass 50 Prozent aller Patienten mit Diagnosen aus O und U kommen. „Über 60 Prozent aller Notfälle sind O & U betreffende Verletzungen oder akute Rückenschmerzen“, konstatierte der BVOU-Präsident. Daher sehe man sich als Berufsverband auch in der Pflicht, zu diesem Thema Stellung zu beziehen. Gutachten über die ambulante Notfallversorgung zeigen Lembeck zufolge, dass zu viele Patienten in die Notaufnahmen kommen, die nicht zwingend einer Notfallbehandlung bedürfen, dass dies überlange Wartezeiten verursacht und die Strukturen finanziell überlastet. „Die Bereitstellung einer qualifizierten Notfallversorgung zeichnet den Gesundheitsstandort Deutschland aus und gehört in den Bereich der Daseinsfürsorge“, betonte der BVOU-Präsident. „Aus unserer Sicht können bereits einfach umsetzbare Maßnahmen Fehlsteuerung, mangelnde Bedarfsgerechtigkeit und Unterfinanzierung in der Versorgung von Notfällen in Orthopädie und Unfallchirurgie lösen.“ Der G-BA hatte im Auftrag der letzten Bundesregierung ein Konzept erarbeitet, das die Kernprobleme Fehlsteuerung, Wartezeiten und Unterfinanzierung im Bereich der Notfallversorgung beheben soll. Dieses Reformkonzept begrüße der BVOU ausdrücklich. Ergänzend habe man aber konkrete Empfehlungen entwickelt, um die die Patientenströme besser zu strukturieren und effektiver zu steuern: „Wir benötigen ein schnelles bundesweit einheitliches Ersteinschätzungsverfahren möglichst noch im präklinischen Bereich, das auch nicht zwingend von einem Arzt durchgeführt werden muss“, forderte der BVOU-Präsident. Das Verfahren sollte zudem standardisiert und digital unterstützt sein. Lembeck zufolge kann so qualifiziert festgestellt werden, ob der Besuch einer Notaufnahme erforderlich ist, oder auf einen Arzttermin gewartet werden kann. Zur Priorisierung von Patienten muss nach Auffassung des BVOU dabei zusätzlich ein Ticket-Systems eingeführt werden, um lange Wartezeiten zu vermeiden. „Dieses System begünstigt diejenigen, die zurecht in Notaufnahmen kommen“, so Lembeck. Und zugleich müssten diejenigen, die ohne Ticket, quasi als „Schwarzfahrer“ kommen, finanziell bestraft werden, forderte er. Damit die Rettungsstellen prinzipiell entlastet würden, sei außerdem ein Netz von Partnerpraxen erforderlich. Zudem wies der BVOU-Präsident auf die mangelhafte Finanzierung der Notfallversorgung hin. „Bisher ist dies ein Zuschussgeschäft, was nicht sein kann, da es zur Daseinsvorsorge gehört und somit fallzahlunabhängig bezahlt werden muss“, betonte er. Eine Quersubventionierung sei nicht der richtige Weg. Lembeck kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Gesetzlichen Kassen sich weigerten, dafür zu bezahlen. „Wenn die Protagonisten sich nicht einigen können, fahren wir das System an die Wand“, gab er sich überzeugt. (hr)
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