Anästhesieverfahren bei Brustkrebs-OP hat keinen Einfluss auf Rückfallrisiko21. Oktober 2019 Foto: © Sergey – Adobe/Stock Eine der weltweit größten Anästhesie-Studien unter Mitwirkung der MedUni Wien und des AKH Wien konnte zeigen, dass nach kurativen Brustkrebs-Operationen, die unter Vollnarkose mit Opioiden durchgeführt werden, kein größeres Risiko für die Wiederkehr des Tumors besteht als nach jenen, die mittels Regionalanästhesie erfolgen. Damit wird die Annahme widerlegt, dass Anästhesie den Brustkrebs negativ beeinflussen könnte. Die Ergebnisse wurden aktuell im „Lancet“ publiziert. In die über zehn Jahre laufende internationale Studie wurden mehr als 2000 Patientinnen eingeschlossen. Es wurde untersucht, ob sich die Narkose-Methode bei Brustkrebsoperationen auf das Rückfallrisiko in Form einer Wiederkehr des Tumors oder das Auftreten von Metastasen auswirkt. Dazu wurden Patientinnen nach der unter Regionalanästhesie erfolgten Operation über mehrere Jahre hinweg intervallweise untersucht und die Rückfallraten jenen der Vollnarkose, die als Vergleichsgruppe diente, gegenübergestellt. Es konnte kein Vorteil durch die Regionalanästhesie in Hinblick auf das Wiederauftreten von Brustkrebs festgestellt werden. Das Team um Edith Fleischmann und Peter Marhofer von der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie der MedUni Wien und des AKH Wien konnte gemeinsam mit Kollegen aus Cleveland, Dublin, Düsseldorf und Peking Vorbehalte gegenüber Opioiden ausräumen. „Damit wird der zuletzt merkbaren Ablehnung gegenüber Opioiden in der Anästhesie entgegengewirkt“, erklärt Fleischmann die Bedeutung der Ergebnisse. In Tierversuchen war nämlich ein Zusammenhang zwischen Opioiden und Schwächung des Immunsystems gezeigt worden und damit Auswirkungen auf das Tumorwachstum. „Die aktuelle klinische Studie hat gezeigt, dass Opioide keine negativen Auswirkungen haben und weiterhin eine wichtige medizinische Therapie sind. Das ist ein deutlicher Erfolg für die klinische Forschung. Wir konnten die Annahme ausräumen, dass durch Anästhesie das Tumorwachstum bei Brustkrebs negativ beeinflusst wird. Gleichzeitig zeigt es uns, wie wichtig klinische Studien am Menschen sind, um Ergebnisse aus in-vitro-Studien und aus Tierversuchen zu bestätigen oder – wie in diesem Fall – zu widerlegen.“ Vorteile der Regionalanästhesie Darüber hinaus brachte die Studie noch weitere wissenschaftliche Aufschlüsse. „Sowohl die Vollnarkose als auch die Regionalanästhesie sind sichere Anästhesieformen mit wenig Komplikationen“, erklärt Marhofer. Bei der in der vorliegenden Studie angewendeten Regionalanästhesie (Paravertebralblockade) werden für die Operation rückenmarksnahe Nervenstrukturen blockiert, die Patienten nicht in künstlichen Tiefschlaf versetzen. „Die Paravertebralblockade für Brustkrebsoperationen besitzt gegenüber der Vollnarkose einige Vorteile“, erklärt Marhofer, ein Pionier der Regionalanästhesie, „so verspüren die Betroffenen unmittelbar nach der Operation vergleichsweise weniger Schmerzen und leiden weniger häufig unter postoperativer Übelkeit und Erbrechen.“ Das Projekt entstand unter Leitung von Daniel Sessler von der Cleveland Clinic, USA, das Team von MedUni Wien/AKH Wien brachte rund 200 Patientinnen in die Studie ein. Die Studie umfasste ausschließlich Brustkrebs-Tumore, ähnlich angelegte Vergleichsstudien sollten in Zukunft andere Krebsarten, die größere Operationen notwendig machen, wie z.B. das Prostatakarzinom, untersuchen. Publikation: Lancet, 20.10.2019 Recurrence of breast cancer after regional or general anaesthesia: a randomised controlled trial; Daniel I Sessler, Lijian Pei, Yuguang Huang, Edith Fleischmann, Peter Marhofer, Andrea Kurz, Douglas B Mayers, Tanja A Meyer-Treschan, Martin Grady, Ern Yu Tan, Sabry Ayad, Edward J Mascha, Donal J Buggy , on behalf of the Breast Cancer Recurrence Collaboration; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)32313-X
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