Anästhesisten und Chirurgen: „Eigenständiger Facharzt für Notfallmedizin ist nicht zielführend“14. März 2023 Foto: HNFOTO/stock.adobe.com Die deutschen Fachgesellschaften und Berufsverbände für Anästhesie und Chirurgie begrüßen die Etablierung von integrierten Leitstellen und Notfallzentren in den aktuellen Reformvorschlägen für die Notfallversorgung. Gleichzeitig sehen sie die Qualität und Sicherstellung der Versorgung durch die Empfehlung eines eigenständigen Facharztes für Notfallmedizin in Gefahr. Die Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung formuliert in ihrer vierten Stellungnahme Empfehlungen für eine Reform der Notfall- und Akutversorgung. Die zugrundeliegende, differenzierte Analyse und die daraus abgeleiteten Forderungen – insbesondere zu Aufbau und Organisation flächendeckender integrierter Leitstellen sowie integrierter Notfallzentren in Krankenhäusern – unterstützen die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI), der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e.V. (BDA), die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e.V. (DGCH) sowie der Berufsverband der Deutschen Chirurgie e.V. (BDC) in einer gemeinsamen Stellungnahme am Montag „nachdrücklich“. Im Gegensatz dazu sei die in dem Reformvorschlag ebenfalls enthaltene Empfehlung zur Einrichtung eines eigenständigen Facharztes für Notfallmedizin aus Sicht der unterzeichnenden Fachgesellschaften und Verbände „nicht geeignet, um die gewünschte Qualität der Patientenversorgung sicherzustellen“, wie es in der Stellungnahme heißt. Für die Versorgung von Notfallpatientinnen und -patienten auf hohem Niveau sei ein Team aus Expertinnen und Experten verschiedenster Fachgebiete notwendig und auch gelebte Praxis. Die aktuelle Weiterbildungsordnung baue bewusst auf eine ergänzende, während und nach einer abgeschlossenen Facharztweiterbildung zu erwerbende notfallmedizinische Zusatzqualifikation auf. Ein eigenständiger Facharzt für Notfallmedizin könne die notwendige fachliche Tiefe, wie sie in den Fächern Anästhesiologie, Chirurgie, Innere Medizin, Neurologie etc. vermittelt werde, nicht erreichen und würde in jedem Teilbereich nur einen kleinen fachlichen Ausschnitt abdecken, betonen die vier Organisationen. „Die Einführung eines eigenständigen Facharztes für Notfallmedizin würde somit nicht nur die Qualität der Versorgung reduzieren, sondern auch die persönliche Weiterentwicklung der Kolleginnen und Kollegen deutlich einschränken, da weitere, mit einem originären Facharzt verbundene berufliche Perspektiven in anderen Betätigungsfeldern ausgeschlossen würden“, erklären sie. Auch weisen sie darauf hin, dass die Schaffung eines neuen Facharzttitels zu einem Mangel an entsprechend weitergebildetem ärztlichen Personal führen würde. Dies könne die flächendeckende notärztliche Versorgung in Deutschland gefährden und so auch die notfallmedizinische Versorgungsqualität verschlechtern. „DGAI, BDA, DGCH und BDC sprechen sich daher weiterhin und ohne Einschränkung für das Konzept einer notfallmedizinischen Zusatzqualifikation aus, die die Weiterbildung zum Facharzt ergänzt, aber nicht ersetzt.“
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