Analyse von Versorgungsdaten soll die Behandlung von Sepsis-Überlebenden verbessern

Enno Swart möchte mit seiner Forschung zu einer besseren Versorgung von Sepsis-Überlebenden beitragen. Foto: ©Melitta Schubert/Universitätsmedizin Magdeburg

Durch die Analyse von Versorgungsdaten wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Magdeburg im Rahmen einer bundesweiten Studie die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit und nach einer Sepsis verbessern.

Jährlich sterben weltweit gut elf Millionen Menschen an einer Sepsis. In Deutschland ist die als Blutvergiftung bekannte Erkrankung inzwischen die dritthäufigste Todesursache. Für die anhaltend hohe Zahl an Sepsis-Überlebenden mit Spätfolgen fehlt bisher ein strukturiertes Behandlungs- und Nachsorgekonzept. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Magdeburg analysieren im Rahmen einer bundesweiten Studie unter der Leitung des Universitätsklinikums Jena die Versorgungspfade und Erfahrungsberichte Betroffener mit dem Ziel, Bedarfe zu ermitteln, Optimierungspotentiale aufzudecken und damit die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit und nach einer Sepsis zu verbessern. Das Projekt AVENIR wird zusammen mit der Sepsis-Stiftung sowie dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) umgesetzt und durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses über drei Jahre mit insgesamt ca. 1,7 Millionen Euro gefördert, wie die Universitätsmedizin Magdeburg anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September mitteilt.

„Sepsis stellt ein bedeutendes, aber nach wie vor unterschätztes Gesundheitsproblem dar“, erklärt Prof. Enno Swart, Leiter der Magdeburger Forschungsgruppe und Versorgungsforscher am Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Da die ersten Symptome auch auf andere Erkrankungen hinweisen können, wird die Sepsis oft zu spät erkannt und behandelt. „Schätzungsweise Dreiviertel aller Sepsis-Überlebenden leiden unter neu aufgetretenen physischen, psychischen oder geistigen Folgeerkrankungen im Jahr nach Entlassung aus der Akutbehandlung, die als Post-Sepsis-Syndrom zusammengefasst werden“, so Swart. „Erste Analysen deuten darauf hin, dass die strukturierte Nachsorge noch zu wenig Aufmerksamkeit erhält und mehr auf die Bedürfnisse der Sepsis-Patient:innen abgestimmt werden muss.“ In der Studie sollen durch die gezielte Betrachtung prä-, inner- und postklinischer Daten sowie günstiger oder ungünstiger Verläufe Versorgungsdefizite und besondere -bedarfe identifiziert werden.

In Magdeburg liegt das Augenmerk speziell auf der Auswertung von verschlüsselten Sekundär- bzw. Abrechnungsdaten zweier großer gesetzlicher Krankenkassen (GKV). Um explizit Versorgungsverläufe von Sepsis-Erkrankten abzubilden, werden diese Abrechnungsdaten mit Rettungsdienstdaten verknüpft. Swart betont: „Die Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichen Datenquellen auf einen Nenner zu bringen und zu verknüpfen, da beispielsweise die Rettungsdienstdaten anders als die GKV-Daten noch nicht regelhaft für die Forschung zugänglich gemacht sind.“ Zudem führen die Forscherinnen und Forscher auch qualitative Erhebungen mit Betroffenen und Versorgungsakteuren anhand von Einzel- und Gruppeninterviews durch. „Die Analyse dieser Daten ermöglicht eine vollständige Abbildung des ambulanten, rettungsdienstlichen, stationären und poststationären Versorgungsgeschehens. Das ist im internationalen Vergleich einmalig und ermöglicht einen neuen ganzheitlichen Blick auf die Sepsisversorgung“, sagt Swart. Auf Grundlage der Ergebnisse sollen unter Beteiligung von Betroffenen Informations- und Edukationsmaterialien zur besseren Aufklärung entwickelt werden.