Angst vor Covid-19: Immuntherapie nicht absetzen!30. März 2020 Foto: ©joyfotoliakid – stock.adobe.com Die Kommission Neuroimmunologie der DGN warnt Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen vor einem unbedachten Absetzen ihrer Therapie ohne Rücksprache mit dem Arzt. Ein Behandlungsabbruch aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus könne zu einer deutlichen Verschlechterung der Autoimmunerkrankung führen. Viele Patienten mit einer neurologischen Autoimmunerkrankung sind verunsichert. Sie haben Sorge, dass immunsuppressive oder immunmodulierende Medikamente das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus erhöhen. Grundsätzlich ist diese Annahme nicht falsch, das Robert Koch-Institut (RKI)1 zählt Menschen mit unterdrücktem Immunsystem – beipsielsweise durch eine immunsuppressive/-modulierende Therapie – zur Risikogruppe für einen schwereren Covid-19-Krankheitsverlauf. „Das Absetzen der Medikamente wird in der Regel mehr schaden als nutzen, erst recht, wenn sie ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfolgt“, warnt Prof. Harald Prüß, Sprecher der Kommission Neuroimmunologie der DGN, die aktuell eine Stellungnahme2 zu der Thematik veröffentlicht hat. Ein Behandlungsabbruch könne zu einer deutlichen Verschlechterung der Autoimmunerkrankung führen und das stünde in aller Regel nicht in Relation zu dem Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Das gelte sogar auch für immunmodulierende Substanzen, die allgemein die Anfälligkeit für Lungenerkrankungen erhöhen. „Eine gut eingestellte Immuntherapie, die stabil die Krankheit kontrolliert und ihr Fortschreiten verhindert, sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Zumindest sollte vor einem Therapiewechsel immer eine individuelle Risikoabwägung vorgenommen werden. Vereint der Patient gleich mehrere Corona-Risikofaktoren in sich, ist er beispielsweise sehr alt oder leidet unter anderen Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder einer Herzkrankheit, kann eine eventuelle Umstellung auf kürzer wirksame und besser steuerbare immunmodulierende Substanzen erwogen werden. Aber bei den meisten Patienten ist das medizinisch nicht erforderlich“, so der Experte. Hinzu komme, dass viele der Medikamente lang wirksam sind und in längeren Abständen verabreicht werden. „Eine kurzfristige Veränderung ist dann ohnehin kaum möglich.“ Auch das RKI rät Risikopatienten grundsätzlich nicht dazu, ihre Therapie abzubrechen, sondern sich stattdessen bestmöglich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. „Für Patienten, die eine Immuntherapie erhalten, ist es noch wichtiger als für alle anderen, die allgemeinen Verhaltensregeln und Hygieneempfehlungen des RKI zu befolgen“, gibt Prüß zu bedenken. Menschen, die mit immunsuppressiven/-modulierenden Medikamenten behandelt werden, sollten also ihre Kontakte zu anderen Menschen auf ein Minimum reduzieren – nur die soziale Isolation schütze letztendlich vor Ansteckung. Prof. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN, betont zudem, dass es derzeit auch keinerlei Nachweis dafür gebe, dass die Immuntherapie das Risiko erhöht, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken oder an Covid-19 zu erkranken. „Natürlich machen wir jetzt erst unsere Erfahrungen mit dem neuartigen Virus, aber hätten immuntherapeutisch behandelte Patienten mit neurologischen Autoimmunerkrankungen ein überproportional erhöhtes Covid-19-Erkrankungsrisiko, hätten wir sicherlich erste Sicherheitssignale aus Wuhan oder Italien erhalten.“ „Die größte Gefahr der Immuntherapie im Hinblick auf eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus ist wahrscheinlich, dass viele Präparate als intravenöse Infusion in der neurologischen Praxis oder Klinik verabreicht werden, die in diesen Zeiten natürlich alles andere als menschenleer sind. Wir empfehlen daher den Patienten, in der neurologischen Praxis/Klinik und auf dem Weg dahin einen Mundschutz zu tragen, nach Möglichkeit nichts anzufassen beziehungsweise sich in regelmäßigen Abständen die Hände zu desinfizieren. Beratungsgespräche sollten – dem Gebot der Zeit folgend – telefonisch oder per Videosprechstunde durchgeführt werden“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Peter Berlit. Literatur: 1. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogruppen.html 2. Stellungnahme DGN: Immuntherapien bei neuroimmunologischen Erkrankungen vor dem Hintergrund der SARS-CoV-2-Pandemie.
Mehr erfahren zu: "Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung?" Merz kritisiert hohen Krankenstand – Liegt es an telefonischer Krankschreibung? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts aktueller Zahlen zu viele Fehltage wegen Krankheit kritisiert. Seine Partei stellt insbesondere die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung, die während der Corona-Pandemie eingeführt wurde, infrage.
Mehr erfahren zu: "Depression kann ein frühes Warnzeichen für Parkinson und Lewy-Body-Demenz sein" Depression kann ein frühes Warnzeichen für Parkinson und Lewy-Body-Demenz sein Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Depressionen im höheren Lebensalter ein frühes Anzeichen einer schweren Hirnerkrankung sein können. Eine neue Studie zeigt, dass Depressionen häufig den Diagnosen Parkinson und Lewy-Body-Demenz […]
Mehr erfahren zu: "Immer mehr Kinder wegen psychischer Probleme in Kliniken" Immer mehr Kinder wegen psychischer Probleme in Kliniken Pandemie, Kriege, Zukunftsängste: Kinder und Teenager stehen unter Druck. Viele müssen wegen psychischer Probleme in Kliniken. Die Wartezeit ist oft lang.