Angst vor Virus-Typ B.1.1.7 und Pendelquarantäne für Mitarbeiter25. Januar 2021 © Oleg Gamulinskiy – pixabay.com Die Mutation des Coronavirus verbreitet sich auch in Berlin. Eine erste Klinik muss Konsequenzen ziehen. Das Berliner Vivantes Humboldt-Klinikum nimmt nach mehreren Infektionen mit der gefährlichen britischen Coronavirus-Variante keine Patienten mehr auf. Routinescreenings in der Station für Innere Medizin und Kardiologie ergaben positive Nachweise bei bislang 20 Personen. Neben 14 Patientinnen und Patienten seien sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen, wie die Klinik im Stadtteil Reinickendorf am Sonntag bestätigte. Der Virus-Typ B.1.1.7 war bisher vor allem in Großbritannien aufgetreten. Die Variante ist Experten zufolge leichter übertragbar und womöglich auch tödlicher als die bislang vorherrschende. In Abstimmung zwischen Klinikum, Gesundheitsamt Reinickendorf und Robert Koch-Institut wird auf Anordnung des Gesundheitsamtes daher vorläufig ein Aufnahmestopp verhängt. Durch die Maßnahme soll die Ausbreitung der Virusvariante in Berlin eingedämmt werden. Die seit Samstagfrüh verhängte Einschränkung gilt bis auf Weiteres. Notfälle werden in andere Krankenhäuser gebracht. Die Klinik konzentriere sich auf die derzeit stationär behandelten Patientinnen und Patienten, hieß es auf der Homepage der Klinik. Derzeit sind nach den Angaben noch 400 Menschen in Behandlung. Die etwa 1700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses stehen unter sogenannter Pendelquarantäne. Sie dürfen nur zwischen ihrem Zuhause und der Klinik unterwegs sein. Dafür werden aktuell Fahrdienste und Shuttles organisiert. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hätten Unterstützung signalisiert, hieß es. Berliner Labore suchen nun gezielt nach Mutationen. «Alle Berliner Labore werden mitmachen und gezielt nach Virusmutationen suchen», sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) der «Berliner Morgenpost» (Montag). Es sei wichtig, nun auch andere mögliche Mutationen zu entdecken. «Wir wissen noch nicht, ob es sich um einen Anfang eines Ausbruchs einer Coronavirus-Mutation handelt oder schon um eine Verbreitung», sagte Kalayci. Amtsarzt über Aufnahmestopp in Klinik: Lage wurde unübersichtlich Nach dem Aufnahmestopp an einer Berliner Klinik hat der zuständige Amtsarzt den Schritt mit der zunehmend unübersichtlichen Lage begründet. Es habe sich immer deutlicher abgezeichnet, dass auch wenige andere Fälle, in denen die zuerst in Großbritannien beschriebene Virusvariante (B.1.1.7) entdeckt wurde, in Zusammenhang mit dem Krankenhausausbruch stehen, sagte der Amtsarzt von Reinickendorf, Patrick Larscheid, am Montag bei Radioeins. «Es fing an, so ein bisschen auszufasern.» Zudem habe es sehr starke Hinweise gegeben, dass sich das Geschehene möglicherweise im Humboldt-Klinikum schon stärker verteilt habe. Es sei nicht mehr deutlich gewesen, ob es sich um einen Ausbruch oder parallele Ausbrüche handle. Den Beteiligten sei ziemlich schnell klar gewesen, dass man keine andere Chance als den Aufnahmestopp habe, «wenn wir überhaupt noch was retten wollen», erklärte Larscheid. Gleichwohl sei allen bewusst, dass es ein sehr schmerzhafter Schritt sei. Wie genau die Virusmutation in die Klinik gelangte, sei noch unklar – mehrere Hypothesen würden verfolgt, schilderte der Amtsarzt. Im Zuge verstärkter Untersuchungen im Hinblick auf die befürchtete Ausbreitung von Corona-Varianten auch hierzulande waren Mitte vergangener Woche in der Vivantes-Klinik Nachweise von B.1.1.7 bekannt geworden. Es handelt sich nicht um die ersten Nachweise der Variante in Berlin – auffällig ist hier jedoch, dass sich keine Verbindungen zu Reisen nach Großbritannien rekonstruieren ließen.
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