Anti-CD19-Therapie mit CAR-T-Zellen bei ALL: Signalsequenzen entscheiden offenbar mit über die MRD-Negativität18. Februar 2021 NEW YORK (Biermann) – Bei Patienten mit refraktärer oder rezidivierter akuter lymphatischer Leukämie (ALL) variiert das Ansprechen stark zwischen Studien mit unterschiedlichen Anti-CD19-CAR-T-Zellkonstrukten. Dr. Theodora Anagnostou vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York, USA, und ihre Kollegen kamen jetzt in einem systematischen Review samt Metaanalyse zu Ergebnissen, die auf eine Verbesserung der MRD-Negativität mit 4-1BB co-stimulierten Anti-CD19-CAR-T-Zellkonstrukten vs. CD28-co-stimulierte CAR-T-Zellen hindeuten. Allerdings halten die Forscher Vergleichsstudien für nötig, um Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen verschiedenen Anti-CD19-CAR-T-Zellkonstrukten weiter zu klären. In den systematischen Review und die Metaanalyse gingen (un)veröffentlichte klinische Studien mit Daten zu den Ergebnissen erwachsener oder pädiatrischer Patienten ein, die mit Anti-CD19-CAR-T-Zellen wegen rezidivierter oder refraktärer B-Zell-ALL behandelt wurden (Zeitraum 01.01.2012–14.04.2020). Studien mit ≤2 Patienten wurden ausgeschlossen und zusammenfassende Daten aus den Berichten extrahiert. Anhand von 1160 Studien identifizierten die Wissenschaftler 40 potenziell geeignete Studien, von denen 35 (88 %) die Eignungskriterien erfüllten und in die endgültige Analyse einbezogen wurden (n=953 Patienten). Die gepoolte CR geben die Autoren mit 80 % (95 %-KI 75,5–84,8) an, die Heterogenität zwischen den Studien sei moderat (I2=56,96 %) gewesen. In den vorab festgelegten Subgruppenanalysen erreichten 195/263 Patienten in Erwachsenenstudien (75 %; 95 %-KI 66,9–82,9; I2=35,22 %) und 242/346 Patienten in pädiatrischen Studien (81 %; 95 %-KI 72,9–87,2; I2=54,45) eine CR (p=0,24). Des Weiteren stellte das Team um Anagnostou fest, dass sich die gepoolte CR nicht signifikant nach dem Anti-CD19-CAR-T-Zellkonstrukttyp oder dem Einzelketten-Antikörperfragment-Klon unterschied, jedoch bei autologem T-Zell-Ursprung höher war (727/901 Patienten [83 %; 95 %-KI 78,5–86,5; I2=44,34 %]), verglichen mit dem allogener Herkunft der T-Zellen (29/52 Patienten [55 %; 95 %-KI 30,6–79,0; I2=62,64%; p=0,018]). Ein Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS) ≥ Grad 3 entwickelten 242/854 Patienten (26 % [95 %-KI 18,5–34,1]) und 97/532 (12 % [95 %-KI 6,6–19,2]) eine Neurotoxizität ≥ Grad 3. Zwischen den verschiedenen Anti-CD19-CAR-T-Zellkonstrukten gab es keinen Unterschied im Anteil der Patienten, die eine CR erreichten bzw. ein CRS oder eine Neurotoxizität erlitten. Das Verzerrungspotenzial bewerteten die Autoren in 17 Studien als gering und in 18 Studien als moderat. (sf) Autoren: Anagnostou T et al.Korrespondenz: Dr. Saad S. Kenderian; [email protected]Studie: Anti-CD19 chimeric antigen receptor T-cell therapy in acute lymphocytic leukaemia: a systematic review and meta-analysisQuelle: Lancet Haematol 2020;7(11): e816–e826.Web: doi.org/10.1016/S2352-3026(20)30277-5