Anti-Müller-Hormon-Spiegel und ovarielle Reserve: Myomektomie hat keinen langfristigen Effekt

NEW YORK (Biermann) – Devora Aharon und ihre Kollegen von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai (USA) wollten mit ihrer Studie untersuchen, ob eine offene und minimalinvasive Myomektomie gemessen am Anti-Müller-Hormon(AMH)-Spiegel im Serum mit Veränderungen der postoperativen ovariellen Reserve assoziiert ist.

Es zeigte sich, dass die Myomektomie in der postoperativen Phase mit einem vorübergehenden Abfall der AMH-Werte in Verbindung stand. Dies war insbesondere dann der Fall, wenn es eine offene Operation mit Tourniquet-Einsatz war. Die AMH-Spiegel waren 3 Monate nach der Operation allerdings wieder auf ihrem Ausgangswert, was laut den Forschenden darauf hindeutet, dass die Myomektomie, selbst wenn ein Tourniquet verwendet wird, nicht mit einer langfristigen Wirkung auf die ovariellen Reserve assoziiert ist.

Die prospektive Kohortenstudie umfasste Patientinnen, die sich entweder einer offenen abdominalen Myomektomie mit Tourniquet oder einer minimalinvasiven (roboter­assistierten oder laparoskopischen) Myomektomie mit Vasopressin unterzogen. Die Serum-AMH-Spiegel erhoben die Wissenschaftler sowohl vor dem Eingriff als auch 2 Wochen, 3 Monate und 6 Monate nach der Operation. Die durchschnittliche Veränderung des AMH-Spiegels wurde dann zu jedem postoperativen Zeitpunkt mit dem Ausgangswert verglichen. Den Effekt des chirurgischen Verfahrens auf den AMH-Spiegel bewertete das Team zu jedem Zeitpunkt mittels multivariabler linearer Regression. Eine Subanalyse diente der Beurteilung postoperativer Veränderungen der AMH-Spiegel zwischen den Gruppen der offenen und minimalinvasiven Myomektomie.

Die Studie umfasste 111 Patientinnen (Durchschnittsalter 37,9±4,7 Jahre), von denen 65 eine offene und 46 eine minimalinvasive Myomektomie hatten. Insgesamt konnten von 87 Patientinnen Nachbeobachtungsdaten erhoben werden. Die Serum- AMH-Spiegel sanken 2 Wochen nach der Operation signifikant ab (durchschnittliche Veränderung -0,30 ng/ml; 95 %-KI -0,48 bis -0,120; P=0,002). Drei oder 6 Monate postoperativ wurden keine Unterschiede beobachtet. Die Ergebnisse der multiplen linearen Regression offenbarten, dass die offene Myomektomie 2 Wochen, jedoch nicht 3 oder 6 Monate nach dem Eingriff signifikant mit einem niedrigeren AMH-Spiegel assoziiert war (offene vs. minimal­invasive Myomektomie: β=-0,63±0,22 ng/ml; P=0,007). Auch die Subanalyse bestätigte nach 2 Wochen, aber nicht nach 3 oder 6 Monaten, eine signifikante Abnahme der durchschnittlichen Serum-AMH-Spiegel in der Gruppe mit offener Myomektomie (durchschnittlich -0,46 ng/ml; 95 %-KI -0,69 bis -0,25; P<0,001). In der Gruppe mit minimalinvasiver Myomektomie gab es zwischen Ausgangswert und postoperativen Zeitpunkten keine signifikanten Unterschiede der AMH-Werte. (sh)

Autoren: Aharon D et al.
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Studie: Association of Myomectomy With Anti-Müllerian Hormone Levels and Ovarian Reserve
Quelle: Obstet Gynecol 2022;140(6):1000–1007.
Web: www.doi.org/10.1097/AOG.0000000000004983