Antianginosa in Leitlinien: Klinische Überzeugung versus Evidenz

Tabletten auf einem EGK
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Bei chronischer stabiler Angina pectoris empfehlen die aktuellen Leitlinien eine pharmakologische Therapie mit Medikamenten, die als Erst- (Beta-Blocker, Kalziumkanal-Blocker, kurzwirksame Nitrate) oder Zweitlinientherapeutika (langwirksame Nitrate, Ivabradin, Nicorandil, Ranolazin und Trimetazidin) eingestuft sind. Dabei sind die Zweitlinienmedikamente für Patienten angezeigt, die Kontraindikationen gegen die Erstliniensubstanzen haben, sie nicht vertragen oder symptomatisch bleiben.

Doch was ist in Bezug auf die Gleichwertigkeit der Wirkung gesicherte Evidenz, was klinische Überzeugung? Dieser Frage gingen Prof. Roberto Ferrari von der Universität Ferrara und seine Kollegen in einem systematischen Review nach.

Dazu haben sie zwischen Januar und März 2018 systematisch entsprechende auf Englisch verfasste Artikel der letzten 50 Jahren in Medline und Embase durchgesehen. Eingeschlossen wurden 13 doppelblinde, randomisierte Studien zum Vergleich von Parallelgruppen zur Behandlung von Angina pectoris bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit, die eine Stichprobengröße von mindestens 100 Patienten (50 Patienten/Gruppe) hatten, eine Nachbeobachtung von ≥1 Woche und ein anhand von Belastungstests gemessenes Ergebnis (wobei die Dauer des Trainings das bevorzugte Ergebnis war).

An 9 Studien hatten 100–300 Patienten (insgesamt 2818) und an 4 weiteren >300 Patienten teilgenommen. Die Gleichwertigkeit sei für Betablocker (Atenolol), Kalziumantagonisten (Amlodipin, Nifedipin) und einen Kanalinhibitor (Ivabradin) in 3 dieser Studien nachgewiesen worden, berichten die Autoren.

Fazit
Alles in allem habe es in keiner der Studien Hinweise darauf gegeben, dass ein Medikament einem anderen bei der Behandlung von Angina pectoris oder der Verlängerung der Trainingsdauer insgesamt überlegen gewesen sei. Es gebe nur wenige Daten, in denen die Wirksamkeit von Antianginosa verglichen werde, bilanzieren sie. Die wenige verfügbare Evidenz zeige, dass kein Antianginosum einem anderen überlegen sei, und die Äquivalenz sei nur für 3 Klassen von Medikamenten nachgewiesen worden. Die Leitlinien zögen ihre Schlussfolgerungen nicht aus Evidenz, sondern aus klinischen Überzeugungen, so ihr Fazit. (sf)

Autoren: Ferrari R et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: Anti-anginal drugs-beliefs and evidence: systematic review covering 50 years of medical treatment
Quelle: Eur Heart J 2019;40(2):190–194.
Web: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy504