Antibiose gegen Depressionen?25. September 2019 Werden ängstliche Ratten mit dem Antibiotikum Minozyklin behandelt, verhalten sie sich aktiver und zeigen weniger depressionsähnliches Verhalten. (Foto: © Marianella Masis) Regensburger Forscher finden heraus: Antibiotikum vermindert Depressionsverhalten über Veränderungen der Zusammensetzung der Darmflora und hemmt dadurch Entzündungsprozesse im Gehirn. Unsere Psyche wird durch verschiede Einflüsse reguliert: vom Immunsystem, vom Zusammenspiel unserer Hormone, aber auch von der Darmflora, dem Mikrobiom. In der Tat besteht unser Körper aus mehr Bakterienzellen im Darm als eigenen Körperzellen. Die Bakterien der Darmflora sind nicht nur – wie lange angenommen – für die Verdauung wichtig, sondern die Zusammensetzung des Mikrobioms entscheidet sogar maßgeblich über unser emotionales Wohlbefinden und scheint bei depressiven Patienten verändert zu sein. Neurobiologen um Prof. Inga Neumann, Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg, haben in Kooperation mit den Teams von Prof. Rainer Rupprecht, Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie des Bezirksklinikums Regensburg, Prof. Andre Gessner vom Institut für Klinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Regensburg, sowie Prof. Isabella Heuser, Charité Berlin, den genauen Zusammenhang zwischen Emotionalität, Depression und Mikrobiom bei Laborratten untersucht. Dabei konnte die Doktorandin Anna-Kristina Schmidtner nachweisen, dass sich bei den Ratten, die besonders ängstlich sind und zudem ein behandlungsresistentes Depressionsverhalten zeigen, die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms stark von normalen, nicht ängstlichen Tieren unterscheidet. Werden die ängstlichen Tiere mit dem Antibiotikum Minozyklin behandelt, wird nicht nur die Darmflora erwartungsgemäß stark verändert. Die Tiere verhalten sich auch aktiver und zeigen weniger depressionsähnliches Verhalten. Wie kann es sein, dass ein Antibiotikum das Verhalten von Tieren beeinflusst? Neben seiner Wirkung auf die Darmbakterien veränderte Minozyklin im Gehirn auch Gliazellen, die zahlreiche Gehirnfunktionen regulieren. Depressionen gehen mit einer Aktivierung der Mikroglia einher, was auch als Entzündungsprozess des Gehirns interpretiert wird. Neumanns Team gelang nun der Nachweis, dass sich nach einer Minozyklinbehandlung die Zusammensetzung des Mikrobioms ändert: Manche Bakterienfamilien werden seltener, andere werden häufiger, insbesondere solche Bakterienfamilien, die kurzkettige Fettsäuren produzieren. Diese gelangen in die Blutbahn und können auf diesem Weg auch Einfluss auf das Gehirn nehmen. Eine dieser Substanzen – Butyrat – kann sogar die Aktivierung von Mikroglia im Gehirn verhindern, also entzündungshemmend wirken. Der antidepressive Effekt von Minozyklin ist daher mit großer Wahrscheinlichkeit auf diese Wirkung zurückzuführen. Originalpublikation: Schmidtner AK et al.: Minocycline alters behavior, microglia and the gut microbiome in a trait-anxiety-dependent manner. Translational Psychiatry 2019;9:223.
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