Antihypertensiva für die Erstlinientherapie – Evidenz aus der Versorgungspraxis27. Februar 2020 © pictworks – stock.adobe.com Über die optimale Monotherapie von Bluthochdruck besteht weiterhin Unklarheit. Wenn keine komorbiden Indikationen vorliegen, empfehlen die aktuellen Leitlinien einen beliebigen Primärwirkstoff aus den Klassen für die Erstlinientherapie: Thiazide oder Thiazid-ähnliche Diuretika, ACE-Hemmer, ARB, Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker und Nicht-Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker. In seiner aktuellen Studie hat Prof. Marc Suchard deshalb mit seinen Kollegen ein Rahmenkonzept für beobachtende Gesundheitsforschung im großen Maßstab entwickelt. Für die initiale Monotherapie bei Bluthochdruck stützte der Ansatz generell die Äquivalenz zwischen den Wirkstoffklassen gemäß den aktuellen Leitlinien. Allerdings waren Thiazid- oder Thiazid-ähnlichen Diuretika den ACE-Hemmern überlegen und Nicht-Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker allen anderen Klassen unterlegen. Die Forscher entwickelten eine umfassende Rahmenstruktur für Evidenz aus der alltäglichen Versorgungspraxis, die eine vergleichende Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit vieler Medikamente und der Ergebnisse von Beobachtungsdaten von Millionen von Patienten ermöglicht und dabei gleichzeitig die inhärente Verzerrung minimiert. In der systematischen, groß angelegten Studie mit einem Design, das Kohorten aus Erstanwendern umfasste, wurden die relativen Risiken von 3 primären (akuter MI, Krankenhauseinweisung bei HF und Schlaganfall) und 6 sekundären Wirksamkeits- und 46 Sicherheitsoutcomes abgeschätzt. Dabei verglichen die Autoren alle Klassen für die Erstlinientherapie über ein globales Netzwerk aus 6 Datenbanken mit Versicherungsansprüchen und 3 mit elektronische Patientenakten hinweg. Unter Verwendung von 4,9 Millionen Patienten generierten die Wissenschaftler 22.000 kalibrierte, an den Propensity-Score angepasste HRs, um alle Klassen und Outcomes datenbankübergreifend zu vergleichen. Die meisten Schätzungen ergaben keine Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen den Klassen. Thiazid oder Thiazid-ähnliche Diuretika zeigten während der initialen Therapie jedoch eine bessere primäre Wirksamkeit als ACE-Hemmer: akuter MI (HR 0,84; 95%-KI 0,75–0,95), Krankenhauseinweisung wegen HF (0,83; 95%-KI 0,74–0,95) und Schlaganfallrisiko (0,83; 95%-KI 0,74–0,95). Auch die Sicherheitsprofile waren für Thiazid- oder Thiazid-ähnliche Diuretika vorteilhafter als für ACE-Hemmer. Die NichtDihydropyridin-Kalziumkanalblocker waren den anderen 4 Klassen signifikant unterlegen. Fazit Für die initiale Monotherapie bei Bluthochdruck stützt der neue Ansatz generell die Äquivalenz zwischen den Wirkstoffklassen gemäß den aktuellen Leitlinien. Allerdings waren Thiazid- oder Thiazid-ähnlichen Diuretika den ACE-Hemmern überlegen und Nicht-Dihydropyridin-Kalziumkanalblocker allen anderen Klassen unterlegen. (sh) Autoren: Suchard MA et al. Korrespondenz: Marc A. Suchard; [email protected] Studie: Comprehensive comparative effectiveness and safety of first-line antihypertensive drug classes: a systematic, multinational, large-scale analysis Quelle: Lancet 2019;394(10211):1816–1826. Web: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)32317-7