Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: Gilead übernimmt FMP- und LMU-Spin-off Tubulis8. April 2026 P5-Konjugationstechnologie als molekularer Klebstoff zur Gewinnung von Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) gegen Krebs. (Abbildung: © FMP/Barth van Rossum) Das US-amerikanische Biopharmaunternehmen Gilead hat eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme der Tubulis GmbH geschlossen. Tubulis wurde 2019 aus dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der LMU München ausgegründet und entwickelt Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) der nächsten Generation. Diese sind darauf ausgelegt sind, Wirkstoffe selektiver an Tumore abzugeben und den Nutzen der Therapie zu maximieren. Mit der Transaktion wird die Onkologie-Pipeline von Gilead um mehrere innovative Programme erweitert, deren Ursprung teilweise in der akademischen Forschung des FMP liegt, wie das Leibniz-Forschungsinstitut betont. TUB 040 bei platinresistentem Eierstockkrebs und Nichtkleinzelligem Lungenkrebs Die Übernahme umfasst das führende Produkt von Tubulis, TUB 040. Dabei handelt es sich um ein gegen NaPi2b gerichtetes Topoisomerase-I-Inhibitor-ADC, das sich derzeit in Phase-Ib/II der klinischen Entwicklung zur Behandlung von platinresistentem Eierstockkrebs und Nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) befindet. Gilead wird nach Angaben des FMP außerdem TUB 030 übernehmen, ein gegen 5T4 gerichtetes ADC mit „vielversprechenden frühen klinischen Daten bei verschiedenen soliden Tumorarten“, wie es in einer FMP-Mitteilung heißt. Bestandteil der Übernahme sind die ADC-Plattform der nächsten Generation von Tubulis und „eine vielversprechende frühe Pipeline“.Dr. Dominik Schumacher, CEO und Mitgründer von Tubulis, betont die Bedeutung der Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz und industrieller Entwicklungsstärke: „Von Anfang an waren wir davon überzeugt, dass unsere Konjugationstechnologieplattformen weitreichende Auswirkungen auf den gesamten ADC-Bereich haben könnten, und die ersten Daten zu TUB-040 haben diese Überzeugung bestärkt. Der Beitritt zu Gilead ermöglicht es uns, auf dieser Grundlage innerhalb einer Organisation aufzubauen, die über fundiertes wissenschaftliches Fachwissen, globale Entwicklungskapazitäten und die erforderliche Größe verfügt, um Innovationen in Medikamente für Patienten weltweit umzusetzen. Durch unsere bestehende Zusammenarbeit hat Gilead bereits das Potenzial unserer Technologien erkannt, und gemeinsam sind wir gut aufgestellt, um die Entwicklung unserer ADC-Pipeline zu beschleunigen.“ P5-Konjugationstechnologie vom FMP Eine Schlüsselrolle in der Produktentwicklung von Tubulis spielt die innovative P5-Konjugationstechnologie, laut FMP „eine Linkerchemie, die die präzise Verknüpfung von Antikörpern mit hochpotenten Wirkstoffen ermöglicht“. Entwickelt wurde sie in der Grundlagenforschung von Prof. Christian Hackenberger, einem der Mitgründer von Tubulis, und seinem Team am FMP. Tubulis habe die P5-Technologie in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Prof. Heinrich Leonhardt (Ludwig-Maximilians-Universität München), einem weiteren Mitbegründer von Tubulis, für die klinische Forschung und Anwendung weiterentwickelt, wie es in der aktuellen Mitteilung des FMP weiter heißt. „Diese erfolgreiche Technologieentwicklung zeigt das Potential interdisziplinärer Kooperationen über Fakultäts- und Institutsgrenzen hinweg“, sagt Leonhardt. Diese Technologie bildet laut dem FMP heute eine zentrale Plattform für die stabile und kontrollierte Wirkstoffabgabe in den ADC-Programmen des Unternehmens. „Diese Übernahme unterstreicht nicht nur den Erfolg unserer Konjugationstechnologie und die Leistung des Tubulis Teams mit neuen ADCs die Krebstherapie zu verbessern. Sie zeigt auch wie wichtig die Grundlagenforschung an Universitäten und Forschungsinstituten für die translationale Innovation ist“, betont Hackenberger.Nach Abschluss der Transaktion wird Tubulis als eigenständige ADC-Forschungsorganisation innerhalb von Gilead agieren, wobei der Standort München als Drehscheibe für ADC-Innovationen dienen wird. Dabei wird auf bestehende integrierte Kompetenzen in Forschung, Produktion und klinischer Entwicklung aufgebaut, um ADCs der nächsten Generation voranzutreiben.Gilead wird das gesamte ausstehende Eigenkapital von Tubulis für eine Barzahlung in Höhe von 3,15 Milliarden US Dollar auf einer „cash-free, debt-free“-Basis sowie für bis zu 1,85 Milliarden US Dollar an erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen erwerben. Der Abschluss der Übernahme wird dem FMP zufolge für das zweite Quartal 2026 erwartet. Der Abschluss der Transaktion stehe unter dem Vorbehalt des Ablaufs oder der Aufhebung bestimmter behördlicher Genehmigungen sowie weiterer üblicher Abschlussbedingungen. Tubulis entwickelt nach eigenen Aussagen maßgeschneiderte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) mit verbesserten biophysikalischen Eigenschaften. In präklinischen Modellen haben die ADCs bereits eine gezielte und dauerhafte Anreicherung im Tumor sowie langanhaltende Anti-Tumor-Wirkungen bewiesen, wie aus der aktuellen Mitteilung hervorgeht. Als die beiden am weitesten fortgeschrittenen Programme in der Pipeline nennt das FMP zum einen TUB-040 (gerichtet gegen NaPi2b) und zum anderen TUB-030 (gerichtet gegen 5T4). Beide Programme würden derzeit in klinischen Studien bei Krebserkrankungen mit einem hohen medizinischen Bedarf untersucht.
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