Antimikrobielle Resistenzen: Bei ambulanten Krebspatienten bis zu dreifach erhöht

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Infektionen gelten bei Krebspatienten als die zweithäufigste Todesursache und werden häufig durch resistente Bakterien verursacht. Mit der Häufigkeit antimikrobieller Resistenzen (AMR) bei ambulanten Krebspatienten haben sich nun US-Wissenschaftler befasst.

Ihre Studie zeigt, dass die AMR-Anteile und Inzidenzratenverhältnisse (IRRs) für die meisten wichtigen Krankheitserreger in Isolaten ambulanter Krebspatienten bis zu 3-mal höher waren als in solchen von Patienten ohne Krebs.

Diese aktuelle retrospektive Kohortenstudie untersuchte die antimikrobielle Empfindlichkeit von Bakterien, die von Erwachsenen mit und ohne Krebs isoliert wurden, welche an einer von 198 ambulanten Gesundheitseinrichtungen in den USA behandelt wurden (Datenerhebung 01.04.2018–31.12.2022). Von 1.655.594 identifizierten Erregern stammten 53.006 (3,2%) von 27.421 Krebspatienten und 1.602.588 (96,8 %) von 928.128 Patienten ohne Krebs. In Bezug auf Pseudomonas aeruginosa war die Carbapenem-Unempfindlichkeit bei Erregerisolaten von Krebspatienten (816/5683 [14,4%]) höher als bei jenen ohne Krebs (10.709/94.419 [11,3%]; OR 1,22; 95%-KI 1,13–1,32).

In Bezug auf Enterobacterales war die Fluorchinolon-Unempfindlichkeit bei Erregerisolaten von Patienten mit Krebs (8662/30.867 [28,0%]) ebenfalls höher als bei solchen ohne Krebs (238.479/1.095.996 [21,8%]; OR 1,44 ; 95%-KI 1,40–1,47), ebenso wie die Unempfindlichkeit gegenüber Carbapenem (472/30.867 [1,5%] vs. 9165 /1.095.996 [0,8%]; OR 1,89; 95%-KI 1,72-2,07), multiresistente Erreger (2672/30.867 [8,7%] vs. 48.962/1.095.996 [4,5%]; OR 2,03; 95%-KI 1,95–2,11) und b-Lactamase-Produzenten (4343/26.327 [16,5%] vs. 93 977/996.853 [9,4%]; OR 1,96; 95%-KI 1,90–2,03).

Auch im Hinblick auf Staphylococcus aureus war die Methicillin-Resistenz bei Erregerisolaten von Patienten mit Krebs (4747/8959 [53,0%]) höher als bei jenen ohne Krebs (129.291/267.520 [48,3%]; OR 1,20; 95%-KI 1,15–1,25). Im Hinblick auf Enterococcus spp. war die Vancomycin-Resistenz bei Erregerisolaten von Krebspatienten (1329/7145 [18,6%]) ebenfalls höher als bei jenen ohne Krebs (12.333/135.772 [9,1%]; ORR 2,20; 95%-KI 2,06–2,34).

Auch die Raten und entsprechende IRRs von AMR-Erregern pro 1000 Isolate waren bei Krebspatienten vs. Patienten ohne Krebs höher, insbesondere bei Carbapenem-unempfindlichen P. aeruginosa (IRR 2,06; 95%-KI 1,91–2,21) und Vancomycin-resistenten Enterokokken (IRR 3,06; 95%-KI 2,89–3,24). Für alle Vergleiche gelte p<0,0001, ergänzen die Autoren.

Fazit
Die Anteile antimikrobieller Resistenzen und die Inzidenzraten der meisten wichtigen Erreger waren bei Isolaten von ambulanten Krebspatienten bis zu dreimal höher als bei Patienten ohne Krebs. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer verbesserten Überwachung, Infektionsprävention und rechtzeitigen diagnostischen Stewardship, um die Verschreibung von Antibiotika in dieser Patientenpopulation zu verbessern. (sf)

Autoren: Gupta V et al.
Korrespondenz: Diane C. Flayhart; [email protected]
Studie: Incidence and prevalence of antimicrobial resistance in outpatients with cancer: a multicentre, retrospective, cohort study
Quelle: Lancet Oncol 2025;26(5):620–628.
Web: https://doi.org/10.1016/S1470-2045(25)00128-7