Antimykotika in der Schwangerschaft mit Veränderungen fetaler Hormonproduktion assoziiert

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Die Anwendung gängiger Azol-Antimykotika während der Schwangerschaft ist mit Veränderungen der fetalen Steroidhormonproduktion und der reproduktiven Entwicklung assoziiert.

Eine dänische Studie fand Zusammenhänge zwischen dem Zeitpunkt der Anwendung und veränderten Hormonspiegeln sowie Merkmalen der Genitalentwicklung. Ob diese Unterschiede langfristige gesundheitliche Folgen für die Kinder haben, ist bislang unklar.

An der Studie waren Forschende des DTU National Food Institute und des Kopenhagener Universitätsklinikums Rigshospitalet beteiligt. Die Ergebnisse basieren auf Daten von 589 Mutter-Kind-Paaren sowie ergänzenden Laboruntersuchungen mit menschlichem fetalem Nebennierengewebe und Experimenten an trächtigen Ratten.

Hormonelle Veränderungen abhängig vom Anwendungszeitpunkt

Die Forschenden stellten fest, dass die Anwendung von Antimykotika während der Schwangerschaft mit veränderten Steroidhormonspiegeln bei den Kindern im Säuglingsalter assoziiert war. Die Ergebnisse unterschieden sich je nach Zeitpunkt der Anwendung.

Eine Anwendung in der frühen Schwangerschaft war mit niedrigeren zirkulierenden Steroidhormonspiegeln und einer geringeren Penisdicke im Säuglingsalter assoziiert. Bei einer Anwendung in der mittleren bis späten Schwangerschaft zeigten sich dagegen höhere Steroidhormonspiegel und eine größere anogenitale Distanz. Dieser Abstand zwischen After und Genitalregion gilt als Indikator der androgenabhängigen Entwicklung. Die entsprechende Assoziation wurde bei weiblichen Feten und männlichen Säuglingen beobachtet.

Die untersuchten Steroidhormone sind an zahlreichen Körperfunktionen beteiligt. Sie beeinflussen unter anderem Stoffwechsel, Blutdruck und Immunfunktion sowie Wachstum und reproduktive Entwicklung. Ob die beobachteten Unterschiede bei den Hormonspiegeln und Entwicklungsmerkmalen später gesundheitlich relevant sind, lässt sich anhand der vorliegenden Daten nicht beurteilen.

Experimentelle Untersuchungen stützen die Befunde

Zusätzlich zu den Daten der Mutter-Kind-Paare untersuchte das Forschungsteam menschliches fetales Nebennierengewebe in Zellkulturen und führte Experimente an trächtigen Ratten durch. Dabei analysierten die Forschenden unter anderem Blut und Nebennierengewebe der Rattenfeten.

In den experimentellen Untersuchungen senkte Clotrimazol den Progesteronspiegel sowohl in menschlichen fetalen Nebennierenkulturen als auch bei trächtigen Ratten. Miconazol führte bei Ratten zudem zu einer größeren anogenitalen Distanz. Diese Ergebnisse stützen die Hypothese, dass bestimmte Azol-Antimykotika die Steroidhormonproduktion und die reproduktive Entwicklung beeinflussen können.

Professor Terje Svingen vom DTU National Food Institute betont, dass die hormonellen Unterschiede bei den Kindern noch lange nach der pränatalen Anwendung nachweisbar waren. Obwohl die Hormonwerte im Normbereich lagen, könnten die Befunde auf einen Einfluss auf die fetale Entwicklung hindeuten.

Die experimentellen Ergebnisse stärken die Annahme eines biologischen Zusammenhangs. Sie belegen jedoch nicht, dass die beobachteten Veränderungen bei den Kindern durch die Medikamente verursacht wurden oder langfristige Folgen haben.

Sicherheit gängiger Präparate weiter untersuchen

Besondere Aufmerksamkeit verdient nach Einschätzung der Forschenden, dass es sich bei den untersuchten Präparaten überwiegend um lokal angewendete, rezeptfrei erhältliche Antimykotika wie Cremes und Vaginaltabletten handelte, die traditionell als sicher in der Schwangerschaft gelten. Die Forschenden halten deshalb weitere Untersuchungen für erforderlich, um die Auswirkungen einer Anwendung von Azol-Antimykotika während der Schwangerschaft auf die fetale Entwicklung und die langfristige Gesundheit der Kinder besser beurteilen zu können.

(lj/BIERMANN)