Antipsychotika im Fingerschweiß nachweisen7. September 2023 Den Schweiß der Fingerkuppen wollen Forschende künftig für das Monitoring von Antipsychotika nutzen. (Foto: © maewshooter – stock.adobe.com) Üblicherweise werden bei Patienten, die Antipsychotika einnehmen, im Rahmen des Therapiemonitorings Bluttests durchgeführt. Ein neu entwickelter nichtinvasiver Fingerschweißtest könnte die Blutabnahme obsolet machen und die Akzeptanz bei Patienten vergrößern. Das eigenmächtige Absetzen von Antipsychotika ist mit einem höheren Risiko für schlechte gesundheitliche Outcomes verbunden. Um die Adhärenz zu prüfen und die Dosierung eines Patienten zu kalibrieren und sicherzustellen, dass die empfohlene Dosis eingenommen wird, werden regelmäßig Bluttests durchgeführt. Diese sind jedoch invasiv und potenziell unangenehm. Wissenschaftler haben nun einen Weg gefunden, anhand von Fingerabdrücken der Patienten die Konzentration gängiger Antipsychotika im Schweiß zu testen, was eine schnellere, bequemere und komfortablere Alternative zur Blutabnahme im Rahmen des Therapiemonitorings sein könnte. Einfache Probennahme Die Wissenschaftler wussten bereits, dass einige Medikamente im Schweiß der Fingerkuppen nachgewiesen werden können, ohne dass hierfür Fachpersonal erforderlich ist. Fingerschweißproben können im Gegensatz zu Blut außerdem bei Raumtemperatur transportiert werden. Um zu prüfen, ob Antipsychotika ebefalls im Schweiß nachgewiesen werden können, rekrutierten die Forschenden um Katherine Longman von der University of Surrey, Großbritannien, 60 Patienten, die Clozapin, Quetiapin oder Olanzapin erhielten, sowie 30 Negativkontrollen. Elf Patienten, die Clozapin einnahmen, erklärten sich außerdem bereit, Blutproben abzugeben, damit die Korrelation zwischen den Indikatoren im Fingerschweiß und im Blut getestet werden konnte. Die Patienten wurden gebeten, ihre Dosierung und die zuletzt eingenommene Dosis anzugeben. Die Forscher sammelten Proben sowohl vor als auch nach dem Händewaschen, da man davon ausgeht, dass gewaschene Hände ein besseres Bild des ekkrinen Schweißes aus den Fingerspitzen ergeben. Die Patienten drückten ihre Fingerspitzen 30 Sekunden lang gegen poröses Papier. Diese Proben wurden dann gesammelt und mittels Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie analysiert. Die korrespondierende Autorin Prof. Melanie Bailey von der Universität Surrey und ihr Team baten außerdem sechs Personen, die die Medikamente nicht eingenommen hatten, ganze und zerkleinerte Pillen in die Hand zu nehmen und dann Fingerabdrücke abzugeben. Auf diese Weise wurde überprüft, ob der Test durch die Berührung des Medikaments durch die Patienten beeinträchtigt werden könnte. Die Wissenschaftler konnten die Zuverlässigkeit der Methode bestätigen und zwischen dem Vorhandensein der Medikamente im Schweiß der Patienten und dem Vorhandensein des Medikaments an den Händen der Patienten unterscheiden. Fingerabdrücke als Indikatoren Der Test wies das Vorhandensein von Antipsychotika bei allen Patienten, die sie einnahmen, genau nach. Am wirksamsten war er bei Clozapin, wo eine Pilotanalyse einer Untergruppe von Patienten ergab, dass der Gehalt an Clozapin-Metaboliten im Fingerschweiß mit dem im Blut gefundenen Gehalt korrelierte. Dies, so die Forscher, eröffnet die spannende Möglichkeit, dass der Test eines Tages in der Lage sein wird, die Clozapin-Konzentration im Schweiß eines Patienten zu quantifizieren, anstatt sie nur festzustellen. Der Test wies auch Quetiapin konsequent nach, obwohl es sich dabei um eine kleine Gruppe von Patienten handelte. Das Signal für Olanzapin war weniger stark, aber alle Patienten, die Olanzapin einnahmen, wurden bei mindestens einem Fingerabdruck, der vor dem Händewaschen abgegeben wurde, positiv getestet. Außerdem nahmen sie niedrigere Dosen ein als Patienten, die die anderen Medikamente erhielten. Obwohl der in der Studie verwendete Test auch Proben umfasste, die nach dem Händewaschen entnommen wurden, was einen zusätzlichen Zeitaufwand und zusätzliche Einrichtungen für den Test bedeutet, deutet die Wirksamkeit der Tests auf Fingerabdrücke von ungewaschenen Händen darauf hin, dass dies nicht notwendig war. Würde dieser Schritt wegfallen, könnten Laien die Tests noch schneller und einfacher durchführen. „Wir untersuchen derzeit Methoden zur Quantifizierung des Wirkstoffgehalts in einem Fingerabdruck und den optimalen Zeitpunkt für die Probenahme“, fügte Bailey hinzu. „Wir sind auch sehr daran interessiert zu sehen, ob Fingerabdrücke zur Diagnose von Krankheiten verwendet werden können – zum Beispiel anhand der Metaboliten, die in einer Fingerabdruckprobe abgelagert werden.“
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