Antiretrovirale Therapie bei HIV-Infektion: Lebenserwartung seit 1996 deutlich gestiegen28. November 2017 © vulkanov – fotolia.com Die Lebenserwartung HIV-Infizierter ist seit Einführung der antiretroviralen Therapie (ART) im Jahre 1996 um etwa 10 Jahre gestiegen – was allerdings nur für Erkrankte in Europa und Nordamerika gilt, die frühzeitig eine solche Behandlung erfuhren. Die ART besteht aus einer Kombination von drei oder mehr Medikamenten, die die Replikation des HI-Virus hemmen. Die Autoren einer in „LANCET HIV“ publizierten Studie analysierten Daten von über 88.504 mit dem HI-Virus infizierten Patienten aus 18 europäischen und nordamerikanischen Untersuchungen. Die immatrikulierten Patienten waren zwischen 1996 und 2010 mit der ART behandelt worden. Zur Berechnung der Lebenserwartung evaluierten die Forscher die Anzahl der Patienten, die innerhalb von 3 Jahren nach Beginn der ART verstorben waren; Todesursache, HI-Viruslast, die Anzahl CD4 positiver Zellen sowie der Anteil derjenigen Patienten, bei denen die Infektionsursache „Drogenmissbrauch“ lautete, wurden ebenfalls in die Analyse einbezogen. Die Zahl der in den ersten 3 Jahren nach Therapiebeginn zwischen 2008 und 2010 Verstorbenen war signifikant niedriger als derjenigen, die bereits zwischen 1996 und 2007 die ART begannen (2008-2010: adjustierter Risikoquotient 0,71, 95 % Konfidenzintervall 0,61-0,83; 1996-2007: 0,57, 95 % Konfidenintervall, 0,49-0,67). Diese Abnahme könne nicht allein durch die Viruslast oder die Anzahl CD4 positiver Zellen erklärt werden, schreiben die Forscher. Die Rate der nicht durch AIDS bedingten Todesfälle unter den Patienten, die die ART zwischen 2008 und 2010 begannen, war (gegenüber 2000-2003) im ersten Jahr nach Beginn der ART niedriger (0,48, 0,34-0,67), ebenso im zweiten und dritten Jahr (0,29, 0,21-0,40). Zwischen 1996 und 2010 nahm die Lebenserwartung 20-jähriger Patienten, die eine ART erhielten, um 9 Jahre bei Frauen und 10 Jahre bei Männern zu. Die Autoren sehen den Grund hierfür in neuen Therapieoptionen innerhalb der ART, wie geringerer Toxizität der antiretroviralen Medikation, verbesserter Adhärenz, prophylaktischer Maßnahmen sowie eines besseren Managements von Komorbiditäten. Autor: Trickey et al. Korrespondenz: School of Social and Community Medicine, University of Bristol, Großbritannien Studie: Survival of HIV-positive patients starting antiretroviral therapy between 1996 and 2013: a collaborative analysis of cohort studies Quelle: Lancet HIV 2017 May 10. pii: S2352-3018(17)30066-8. Web: dx.doi.org/10.1016/S2352-3018(17)30066-8