Aortendissektion: Moderne OP-Techniken verbessern das Überleben7. Februar 2019 Foto: © magicmine – Fotolia.com Eine Studie von Medizinern des Uni-Klinikums Erlangen zeigt, wie Patienten einen lebensbedrohlichen Einriss der Hauptschlagader mit weniger neurologischen Schäden überleben können. Wenn die innere Gefäßwand der Hauptschlagader einreißt und sich zwischen den inneren Gefäßwänden Blut ansammelt, sprechen die Ärzte von einer lebensbedrohlichen Aortendissektion. Die Symptome des Patienten gleichen dem eines Schlaganfalls und die Sterblichkeit liegt bei ein bis zwei Prozent pro Stunde. „Neben der schnellen und richtigen Diagnostik ist die richtige OP-Technik für den Behandlungserfolg entscheidend“, weiß PD Dr. Frank Harig, Oberarzt der Herzchirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. Mehr als zehn Jahre lang erforschte er optimale Therapien und publizierte seine Ergebnisse jetzt im „International Journal of Surgery & Surgical Techniques“. Hauptsymptome einer Aortendissektion sind ein heftiger messerstichartiger Rückenschmerz – oft nach akuter Belastung wie Schneeschaufeln oder Holzhacken –, ein Kreislaufkollaps oder neurologische Störungen vielfältiger Art. Die Symptome ähneln denen eines Schlaganfalls, z. B. die halbseitige Lähmung. „Insbesondere diese neurologischen Symptome waren der Anlass, genauere Studien über optimierte OP-Techniken durchzuführen“, erklärte Harig. Der Erlanger Herzchirurg konnte zeigen, dass in bis zu jedem vierten Fall auch die Halsschlagadern von der Aortendissektion betroffen sind, sodass die Durchblutung des Gehirns vermindert ist. Das Resultat: Vor der Operation treten bereits in elf Prozent der Fälle neurologische Störungen auf, davon sind acht Prozent Halbseitenlähmungen. Männer sind 2,1-fach häufiger betroffen als Frauen. Von diesen voroperativen Ausfällen sind dank optimierter OP-Techniken 33 Prozent umkehrbar. Die Häufigkeit nachoperativer Störungen konnte um 50 Prozent vermindert werden, sodass im Laufe der vergangenen Jahre nur noch bei ca. zehn Prozent der Patienten bleibende neurologische Störungen zu beobachten waren. Zu den genannten OP-Techniken zählt neben speziellen Kanülierungstechniken für die hirnzuführenden Arterien (selektiv antegrade Hirnperfusion) auch die Überwachung der Sauerstoffsättigung spezieller Gehirnabschnitte (Lobus frontalis) sowie eine milde Herabsenkung der Körpertemperatur (Hypothermie). Ohne Operation versterben die meisten Patienten (ca. 60 Prozent) innerhalb von zwei Tagen – 33 Prozent aufgrund eines Gefäßrisses, 15 Prozent wegen neurologischer Schäden und zwölf Prozent wegen Durchblutungsstörungen des Darms oder der Nieren. Bei acht Prozent kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel. Mit Operation konnten die Überlebenschancen erheblich verbessert werden – von 70 auf aktuell 85 Prozent. Das Resümee von Harig: „Auch in Zukunft wird es darauf ankommen, dass der Patient so schnell wie möglich einen Arzt aufsucht, der dann rasch – meistens mittels Computertomografie – die richtige Diagnose stellt. Ambulanzärzte, egal ob Neurologen, Orthopäden oder andere Fachrichtungen, sollten auch an eine Beteiligung der Hauptschlagader denken, falls ein Patient mit sehr heftigen, plötzlich einsetzenden Rückenschmerzen zu ihnen kommt.“ Originalpublikation: Harig F. et al.: Optimizing Outcome in Stanford Type A Dissection – A 10 Year Analysis Focusing on Surgical Techniques and Neurological Outcome. International Journal of Surgery & Surgical Tech-niques 2019, 3(1):000132.
Mehr erfahren zu: "Augenbewegungstests decken Schädel-Hirn-Trauma Jahre nach Gehirnerschütterung auf" Augenbewegungstests decken Schädel-Hirn-Trauma Jahre nach Gehirnerschütterung auf Eine Studie von Forschenden des CU Anschutz Marcus Institute for Brain Health legt nahe, dass Veteranen mit Gehirnerschütterungen auch mehr als zehn Jahre nach der Verletzung noch subtile, aber messbare […]
Mehr erfahren zu: "Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig" Umbrella-Review: Opioide lindern viele akute Schmerzen nur kurzfristig Eine neue Übersicht über 59 systematische Reviews verdeutlicht, dass Opioide bei vielen akuten Schmerzzuständen nur eine geringe und kurzfristige Linderung bewirken – bei einigen zeigen sie keinen klaren Vorteil gegenüber […]
Mehr erfahren zu: "Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform" Bundestag beschließt Änderungen an Krankenhausreform Eine Neuaufstellung der Krankenhäuser in Deutschland steht eigentlich schon im Gesetz. Union und SPD bringen jetzt aber Nachbesserungen der Krankenhausreform durch.