DKK 2026 Arbeiten nach Krebs: Welche Rolle spielen Krebsberatungsstellen?19. Februar 2026 Vielen, aber längst nicht allen Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung gelingt die Rückkehr an den Arbeitsplatz. Bild: ©Travelanza – stock.adobe.com Wie gelingt die berufliche Wiedereingliederung nach einer Krebserkrankung? Das Projekt Qualitätsverbund CARES zeigt, wie eine gezielte Beratung und Begleitung Betroffene dabei unterstützen kann und welche Ansätze sich in der Praxis bewähren. Viele Menschen möchten nach oder während einer Krebserkrankung in ihr Berufsleben zurückkehren oder im Beruf verbleiben – doch häufig ist der Weg dorthin herausfordernd. Langzeitfolgen und komplexe berufliche Anforderungen erschweren den Wiedereinstieg. Hannah Lange, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Versorgungsforschung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), stellt auf dem Deutschen Krebskongress (DKK) 2026 das Projekt Qualitätsverbund CARES vor. Viele Betroffene sind auch Monate nach Abschluss einer Rehabilitation weiterhin arbeitsunfähig. Welche Faktoren spielen hierbei eine besonders große Rolle? Lange: Eine zentrale Rolle spielen vor allem Langzeitfolgen der Erkrankung und der Therapie. Dazu gehören entitätsspezifische Folgen der Krebserkrankung selbst, aber auch langfristige Auswirkungen von Operationen, Chemotherapien oder anderen Behandlungen (wir berichteten). Auch Fatigue ist ein wichtiger Faktor. Die Erschöpfung und die damit einhergehenden Symptome sind für viele Betroffene eine erhebliche Belastung. Hinzu kommt, dass die Rückkehr an den Arbeitsplatz oft nur schrittweise oder punktuell gelingt. Betroffene bemerken beispielsweise nach dem Wiedereinstieg, dass die Belastung noch zu hoch ist, sie vielleicht nur einen bestimmten Stundenumfang schaffen – es kommt zu erneuten Krankmeldungen. Je häufiger solche Unterbrechungen auftreten, desto schwieriger kann der Wiedereinstieg insgesamt sein, da die Langzeitfolgen die Betroffenen immer wieder einholen und einen kontinuierlichen Arbeitsalltag erschweren. Warum haben Sie die CARES-Studie aufgesetzt, und was waren aus Ihrer Sicht die zentralen Erkenntnisse? Lange: Etwa 35 Prozent aller Krebsdiagnosen werden im erwerbsfähigen Alter gestellt. In der Abteilung Versorgungsforschung der Deutschen Krebsgesellschaft gab es dazu einen intensiven Austausch mit Sozialarbeitenden aus der Praxis, mit Vertreter:innen der Deutschen Rentenversicherung Bund sowie mit Betroffenen aus der Selbsthilfe. In diesem Kontext entstand die Idee des CARES-Projekts: In Krebsberatungsstellen wurde eine intensivierte Unterstützung von durch die Arbeitsgemeinschaft Soziale Arbeit in der Onkologie (ASO) geschulten Berufslots:innen angeboten. In dem Projekt wurden qualitative und quantitative Daten erhoben. Für die Betroffenen selbst ist die berufliche Wiedereingliederung von großer Bedeutung: Sie ermöglicht soziale Teilhabe, den Kontakt zu Kolleg:innen und die Rückkehr in einen geregelten Alltag. Gleichzeitig geht es um eine finanzielle Belastung und Absicherung. Zu den zentralen Erkenntnissen des Projekts gehört, dass die intensivierte Beratung zu beruflichen Themen sehr gut angenommen wird und ein hoher Bedarf besteht – sowohl bei den Ratsuchenden als auch bei den Beratenden. Sozialarbeitende haben zwar auch vorher schon zu beruflichen Themen beraten, durch CARES wurde diesem Bereich jedoch mehr Raum gegeben. Die in der Studie erhobenen Daten verdeutlichen außerdem, dass Belastung, Stress, Überforderungserleben sowie Konflikte am Arbeitsplatz bei vielen Betroffenen eine große Rolle spielen – nicht nur zu Beginn der Beratung, sondern auch im weiteren Verlauf. Die Soziale Arbeit kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, insbesondere durch eine langfristige, individuelle Begleitung, da die beruflichen Verläufe häufig komplex und nicht linear sind. Welche Aufgaben übernehmen Berufslots:innen konkret, und wie unterscheidet sich ihre Beratung von herkömmlichen Angeboten in Krebsberatungsstellen? Lange: Berufliche Themen waren auch zuvor schon Teil der Beratung in Krebsberatungsstellen. Das Berufslots:innenprogramm rahmt die Beratung zur beruflichen Wiedereingliederung mit einer Zielsetzung und Beratungseinheiten, die den Fokus auf die berufliche Situation legen. Durch die Fortbildung der ASO erweitern die Sozialarbeitenden insbesondere ihr sozialrechtliches Wissen. Es werden praxisnahe Beispiele besprochen, typische Verläufe analysiert und gemeinsam überlegt, an welchen Punkten angesetzt werden kann – etwa, wann Anträge sinnvoll sein können oder welche nächsten Schritte realistisch erscheinen. Die Fortbildung wird zudem kontinuierlich durch Online-Treffen mit der ASO begleitet, in denen aktuelle Fälle eingebracht und kollegial besprochen werden können. Welche Verbesserungen der Outcomes waren im Projekt besonders deutlich sichtbar? Lange: Es zeigten sich bei mehreren Aspekten positive Entwicklungen. Deutlich wurde eine Reduktion des Überforderungserlebens – sowohl im Hinblick auf die berufliche Wiedereingliederung als auch auf Anträge und sozialrechtliche Fragen im Zusammenhang mit der Krebserkrankung. Zudem stieg die Zufriedenheit mit der beruflichen Situation im Verlauf der Beratung an. Insgesamt wurde die Beratung von den Teilnehmenden sehr positiv bewertet. Wie wurde das Weiterbildungscurriculum im Rahmen von QV-CARES (Qualitätsverbund Berufliche Wiedereingliederung) weiterentwickelt, und welche neuen Aspekte wurden aufgenommen? Lange: Das Curriculum wurde von der ASO in der DKG in Zusammenarbeit mit engagierten Partner:innen konzipiert und weiterentwickelt. Ein zentraler neuer Schwerpunkt liegt auf der Netzwerkarbeit. Die bisherigen Inhalte blieben erhalten, wurden jedoch ergänzt. In den erhobenen CARES-Daten wurde deutlich, dass vor allem bestimmte Personengruppen von dem Beratungsangebot erreicht werden – insbesondere Frauen mit höherem Bildungsabschluss, die häufig ohnehin einen besseren Zugang zu Gesundheitsleistungen haben. Daher rückte die Frage stärker in den Fokus, wie auch diejenigen erreicht werden können, die bisher kaum Zugang zu den Angeboten finden. Bei QV-CARES wurde deshalb intensiver daran gearbeitet, mögliche regionale Andockstellen zu identifizieren und Kooperationen vor Ort aufzubauen. Welche nächsten Schritte sehen Sie nach Projektabschluss – sowohl für die Weiterentwicklung des Angebots als auch für die Versorgungsforschung? Lange: Die Projektlaufzeit von CARES ist bereits abgeschlossen. Seit Oktober 2024 läuft das Projekt Qualitätsverbund CARES (QV-CARES), das auf den Erkenntnissen des Vorgängerprojekts aufbaut. Es werden weiterhin quantitative Daten in den beteiligten Krebsberatungsstellen erhoben, um eine Qualitätssicherung zu ermöglichen. Für den Qualitätsverbund wurde gemeinsam mit einem Expert:innen-Gremium ein Anforderungsbogen entwickelt. Darin werden unter anderem personelle Voraussetzungen, absolvierte Fortbildungen, Teilnahme an kollegialem Fachaustausch, Netzwerkarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und die begleitende Versorgungsforschung festgehalten. Auf dieser Grundlage werden Krebsberatungsstellen auditiert. Während bei CARES 18 Krebsberatungsstellen beteiligt waren, bewerben sich im Qualitätsverbund aktuell 26 Einrichtungen um eine Mitgliedschaft. Langfristiges Ziel ist ein lebendiger Qualitätsverbund, in dem Praxis und Forschung voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen, um die Qualität der Beratung nachhaltig zu sichern. Das Fortbildungsprogramm wird weiterhin von der ASO angeboten. Perspektivisch wünschen wir uns, dass weitere Krebsberatungsstellen hinzukommen und der Verbund weiterwachsen kann. Das Interview wurde bereitgestellt vom DKK. Session: Schnittstellen-Sitzung „Aktuelle Forschungsprojekte und empirische Erkenntnisse aus der Sozialen Arbeit in der Onkologie“Mittwoch, 18.02., 11:00 bis 12:00 Uhr, Raum M2-3 Session: Fortbildungssitzung „Ambulante Krebsberatung – gezielte Angebote und Veränderungen in der Versorgungssituation“Samstag, 21.02., 14:15 bis 15:15 Uhr, Raum M2-3
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